Weinheim: Popakademie macht Realschule glücklich (plus Video)
Von Philipp Weber
Weinheim. Sie haben E-Gitarren umgelegt, sitzen am Keyboard, stehen vor Mikrofonen. Es ist ihr erster Auftritt als Band. Aber ihr Publikum empfängt die Unterstufenschüler wie Stars und applaudiert begeistert. Der Song beginnt mit einem Keyboard-Vorspiel, dann setzt der Chor ein - und trifft den Hit "Feuerwerk" (Original: Wincent Weiss) erstaunlich gut. Schlagzeug und Gitarren reihen sich ein - und schon ertönt der Refrain: "Lass uns leben wie ein Feuerwerk oh, oh".
In der Weinheimer Friedrich Realschule wird seit Dienstag gesungen, gerappt und getanzt. Auch die "echte" Schulband ist mit von der Partie und legt später einen beachtlichen Auftritt hin. Die Stimmung ist so ausgelassen, weil die Teilnehmer - 84 Fünft- und Sechstklässler - ungewöhnlichen Besuch bekommen haben: Etwa 25 Studierende der Popakademie Mannheim sowie ihr Dozent, Professor Axel Schwarz, sind da. "Pop macht Schule" heißt ihr Projekt. Eine von sechs ausgewählten Schulen ist die Weinheimer Einrichtung.
Musiklehrerin Hannah Quirin hat das Ganze vorangetrieben. "Die Popakademie hat mich angeschrieben, und ich habe eine Bewerbung für unsere Schule verfasst", sagt sie. Ihr Schulleiter Daniel Besier und ihre Kollegin Theresa Haag haben das Projekt gerne unterstützt. "Wir haben die Popakademie das erste Mal hier", zeigt sich Besier stolz. Bei den Übungen und Auftritten seiner Schützlinge hält er das Smartphone stets griffbereit. Er zeigt schon vor dem Abschlusskonzert Aufnahmen vom Beginn des Tages.
Nach dem Kennenlernen und einem Auftritt der Studenten haben die Schüler zwischen sechs Workshops wählen dürfen. Auch die Schulband bekommt einen Kurs. Um ziemlich genau 11.40 Uhr ist es dann Zeit für die Aufführungen. Die Halle ist voll. Auch weil ältere Schüler sowie Lehrer die Auftritte sehen wollen.
Den Anfang macht der Workshop "Meet the Band" mit dem Song "Feuerwerk". Dann ertönen schwere Hip-Hop-Beats: In weiteren Kursen haben sich Schüler einen Tag lang als Beat-Produzenten und Rap-Schreiber versuchen dürfen. Jetzt performen sie einen Song mit dem Titel "Ist das Leben wie ne’ Achterbahn".
Es folgt der Workshop "Weltmusik", der mit einer Vielzahl von Instrumenten und melodiösen Stücken auftrumpft. Und dann kommt die Schulband. Hier sind auch vereinzelt Siebtklässler dabei. Die Kinder starten voll durch: mit dem Song "Déjà-vu" (Mike Singer). "Komm, sag was du willst", singt Sänger Cedrik, elf Jahre alt, den Refrain voller Überzeugung. Die Band bekommt einen Riesen-Applaus, auch die Studenten sind sichtlich begeistert.
Das geht auch ihrem Dozenten so: "Ich habe den Workshop beobachtet. Am Anfang wirkte gerade der Sänger noch etwas schüchtern. Jetzt war es tatsächlich schon so etwas wie eine Performance." Und die schreit nach einer Zugabe: "Seven Nation Army" (The White Stripes). Erneut mit einer starken Band und einem starken Sänger. "Es ist toll zu sehen, wie die Leute im Publikum mitmachen", sagt Cedrik. Die Popakademie-Studenten hätten ihm Tipps gegeben: "Ich sollte nicht immer das Publikum anschauen, sondern auch mal über die Leute hinweggucken, so als würde ich für mich alleine singen", nennt er einen Trick gegen Nervosität. Außerdem haben ihn seine Coaches ermutigt, laut und kräftig zu singen. Gibt es einen Star aus der Pop-Welt, dem er nacheifern würde? "Ja, Cro ist mein Idol", antwortet er. Selbstverständlich war er letztes Jahr beim Weinheimer Cro-Konzert am Waidsee dabei. Auch seinem Mitschüler Simeon (11) hat die Aktion gefallen. Er hat einige neue Griffe auf der E-Gitarre gelernt. Und Talip, ebenfalls Sechstklässler, durfte seine Gedanken in Form von Rap-Reimen zu Papier bringen.
"Ich finde es toll, mit der Musik auch rauszugehen - und sie nicht nur im stillen Kämmerlein zu machen", sagt Marcel Stroh (22). Er hat sich beim Workshop "Meet the Band" um die Schlagzeuger gekümmert. Für die Studenten ist das Projekt der praktische Teil einer musikpädagogischen Weiterbildung. Und die ist noch nicht vorbei: Denn jede Schule wird zwei Mal besucht. In Weinheim können die Kinder ihre Fähigkeiten bei einem weiteren Termin nach den Osterferien vertiefen oder sich andere Kurse anschauen. Am 15. Juni gibt es ein Konzert in der Popakademie in Mannheim - jede Schule ist dann mit einigen Teilnehmern vertreten.
Doch vorerst heißt es Abschied nehmen: Die Studenten tun das mit einem rauschenden Konzert und Musik von Pharrell Williams, Camila Cabello oder Ed Sheeran. Die Schüler sind ebenfalls "happy". Und holen sich Autogramme: Falls einer der Studenten mal ein Star wird.
