Mannheim: Capitol wird aufwendig saniert
Von Jan Millenet
Mannheim. Das Motto "Aus Alt mach Alt" passt für gewöhnlich nicht unbedingt zur Sanierung und zum Umbau eines Hauses - doch beim Mannheimer Capitol trifft es die Sache ziemlich gut. Die Kulturstätte wird grundlegend erneuert. Allerdings mit dem Ziel, den Charme der guten alten Zeiten wieder in die Bude zu holen. Die Arbeiten sind in vollem Gange.
"Es ist hier die aufregendste Zeit in den letzten 20 Jahren", sagt Thorsten Riehle bei einer Baustellenbesichtigung. Der Capitol-Chef, der in der Neckarstadt aufgewachsen ist, kennt das Haus schon seit seiner Kindheit. Und daher liegt im die Stätte besonders am Herzen. Doch Riehles emotionaler Blick auf das Capitol ist nicht der Grund für die millionenschweren Maßnahmen, die das Haus sowohl technisch als auch hinsichtlich der Besucher- und Künstlerfreundlichkeit auf Vordermann bringen.
Vielmehr ist es die Patina, die auf der einen Seite ein gewisses Flair versprüht, andererseits doch schon zu dick ist und mehr Umstand als Freude beschert. "Die letzte Sanierung fand in den 1980er-Jahren nach einem Brand statt", erklärt der Capitol-Geschäftsführer und Vorsitzende der Kulturstiftung Capitol Mannheim weiter. Wobei er gleich abwinkt, denn von Sanierung könne kaum die Rede sein. "Es wurde ein bisschen was gestrichen und das Gröbste ausgebessert."
Riehle zählt einige Mankos auf: Gebäudeteile wie der Bodenbelag seien möglicherweise noch aus den 1960er-Jahren und hätten ihren Zenit schon lange überschritten. Eine technische Ertüchtigung im Jahr 1997 sorgte indes für Einschränkungen in der Sicht auf die Bühne.
Neben Generationen an Kabeln, die durch das gesamte Haus verlegt sind, finden sich ebenfalls unterschiedlich alte Rohrleitungen. Hier und dort bröckelt es, und die Traverse, die im Bühnenbereich Scheinwerfer und Ähnliches für die Shows trug, war alles andere als zeitgemäß. "Teilweise haben wir dadurch sogar Veranstaltungen verloren", bedauert Riehle. So konnten Künstlerwünsche nicht umgesetzt werden.
Das einstige Kino bot außerdem bislang zu wenig Lagerfläche, die teilweise auch noch schwer zugänglich war. Obendrein sollten aufgrund einer neuen Versammlungsordnung die Sitzplätze im Parkett reduziert werden, was dem Capitol wirtschaftliche Einbußen gebracht hätte. Und Brandschutztechnik war bislang schlichtweg nicht vorhanden.
Das alles soll sich nun ändern. Insgesamt gewinnen die Betreiber durch den Umbau Sitzplätze hinzu. Die Loge wird umgebaut. Es kommt eine Brandmeldeanlage. Der Keller wird in einen Lagerraum für Kulissen verwandelt. Es entstehen eine neue Lüftungsanlage, ein Aufzug vom Keller zur Bühne, der zudem als Hebebühne fungiert, sowie ein neuer Zugang in den Saal.
Für die Besucher deutlich sichtbar dürfte die neue "Sarotti"-Theke sein, die laut Riehle nie als Veranstaltungs-, sondern lediglich als Popkorntheke ausgelegt war. Sie erhält nun ganz andere Flächen und soll den modernen Voraussetzungen der Gastronomie entsprechen. Mit all diesen Erneuerungen, so der Plan, kehrt jedoch auch wieder die Atmosphäre aus der Entstehungszeit ein.
Das Capitol erhält wahrscheinlich den neuen alten Glanz, der sich an den 1930er-Jahren orientiert, als das Haus noch recht jung war - viel überliefert ist jedoch nicht. Die Kuppel blau, die Wände in einer Kombination aus Anthrazit, einem rötlichen Ton und dunklem Ocker. Als Vorbild dient ein Kino in Schramberg, das vom Capitol-Architekten Paul Darius 1928 eröffnet wurde, knapp ein Jahr nachdem das Mannheimer Kino an den Start ging. "Wenn man sich Bilder anschaut, denkt man, das wäre ein Mini-Capitol", sagt Thorsten Riehle lächelnd. Er geht davon aus, dass es starke Ähnlichkeiten im Erscheinungsbild gibt.
Rund zwei Millionen Euro würde die gesamte Sanierung ungefähr kosten, so der Capitol-Chef. Doch das Haus komme mit rund 1,4 Millionen Euro weg. "Viele Firmen sind uns wohl gesonnen", sagt Riehle, der sich über unterstützende Vergünstigungen freut. Doch noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Insgesamt 800.000 Euro habe man an Spenden gesammelt, 200.000 Euro bekommt das Capitol vom Staat an Mehrwertsteuern zurück. Was den Rest, also 400.000 Euro, angehe, liefen Gespräche unter anderem mit Blick öffentliche Zuschüsse.
Im neuen alten Ambiente soll das Capitol dann wieder am 31. August eröffnen, mit einer Show von Chako Habekost. Lediglich die neue Lüftungsanlage wird erst im Frühjahr 2019 installiert, aber die fällt optisch kaum ins Gewicht.
