Katholische Gemeinde Neudenau: Pfarrkirche bleibt wegen Schimmelbefall weiter zu
Von Peter Lahr
Neudenau. Eigentlich hatte die katholische Gemeinde von Neudenau voller Elan die Zukunftsaufgaben angegangen. Das Pfarrhaus und das Schwesternhaus sollten verkauft werden, um mit dem Erlös das direkt an der Pfarrkirche St. Laurentius gelegene Frühmesshaus in ein barrierefreies Gemeindezentrum umzubauen. Nach der gelungenen Außenrenovierung der Pfarrkirche und einer kompletten Orgelsanierung in den letzten Jahren dachte man, erst einmal auf der sicheren Seite zu sein. "Doch dann kam das mit der Kirche dazwischen", erklärt Notburga Schlichting.
Gottesdienstbesucher entdeckten 2017 auf der Kirchenempore weiße Schimmelflecken an hölzernen Kniebänken. Eine erste Reinigungsaktion blieb ohne nachhaltigen Erfolg: Im Frühjahr 2018 kam es zu neuem Schimmelbefall, ganz massiv in der Orgel. Im Juli musste man St. Laurentius "vorübergehend" schließen - wie bis heute auf der Infotafel zu lesen ist. Seitdem sind die Erzdiözese Freiburg, das Landesdenkmalamt Stuttgart und der Kirchen-Experte Jörg-Michael Tappeser aus Weilheim darum bemüht, das Herzstück der Gemeinde wieder auf Kurs zu bringen.
Aber das dauert! "Zum jetzigen Zeitpunkt können noch keine Aussagen getroffen werden, wie lange die Kirche geschlossen sein wird", erklärt Sonja Hettich, Pressereferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart, auf Nachfrage der RNZ. Immerhin hat sich mittlerweile ein mögliches Procedere herauskristallisiert.
In der Gemeinde ist die Lage angespannt. "Wir sind traurig, enttäuscht und frustriert", fasst Notburga Schlichting zusammen. Vor allem die langen Wartezeiten auf Antworten und mangelnde Information belasten sie. Die Gottesdienste finden derzeit in der Heilig-Kreuz-Kapelle statt. Diese kann aber maximal 80 Besucher aufnehmen. Zudem ist es dort extrem kalt. Eine "historische" Elektroheizung liefert nur wenig Wärme.
"Wir haben ganz normale Schwierigkeiten", relativiert Jörg-Michael Tappeser, der sich seit 30 Jahren mit der Baubiologie von Kirchen beschäftigt. Seine Erfahrung zum Thema "Zeit" lautet: "Im Denkmalschutz mahlen die Mühlen ähnlich langsam wie in der kirchlichen Verwaltung." Schimmel sei mittlerweile in Kirchen ein häufiges Problem. Denn: "Kirchen sind immer Sonderbauten. Das ist nicht das klassische Einfamilienhaus."
In Kirchen träfen oft verschiedene Baumaterialien aufeinander. In Neudenau sind es darüber hinaus verschiedene Bauphasen. So stammt der 44 Meter hohe Turm noch von einem spätgotischen Vorgängerbau, das heutige Kirchenschiff aber aus dem 18. Jahrhundert.
"Wir sind bei allen Kirchen im Grenzbereich", betont Tappeser. Einerseits der Klimawandel, andererseits weniger Gottesdienste und der Zwang zum Energiesparen - all das habe weitreichende Folgen für das Raumklima. Häufig werde vor Gottesdiensten zu schnell aufgeheizt. Danach kondensiere die Feuchtigkeit, die mit den Gottesdienstbesuchern ins Haus komme. Dann noch falsches Lüften…
In Neudenau hat der Experte mehrere "Datenlogger" aufgebaut. Diese Messgeräte übermitteln kontinuierlich Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, CO2-Werte und den Schallpegel. Mittlerweile gibt es auch schon eine "heiße Spur". So wurde wohl in den 1970er-Jahren am "Heiliggeistloch" ein Lüfter eingebaut. Der sei aber so laut geworden, dass man ihn einfach abstellte - und vergaß. Als ersten Schritt, um das Klima wieder in den Griff zu bekommen, soll nun ein neuer Lüfter/Ventilator eingebaut werden. Die Heizung habe man ebenfalls schon gewartet und gereinigt.
Um eine allzu lange Kirchenschließung zu umgehen, wirbt Jörg-Michael Tappeser für eine erste "Notreinigung problemlos zu erreichender Flächen". Zusammen mit der - dann wieder funktionierenden - Luftfiltration müsste man das Raumklima so verbessern können, dass man die Kirche wieder freigeben könne - zumindest bis eine umfassende Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahme in Kooperation mit dem Denkmalamt realisiert werden könne.
Dass man die Kirche schließen musste, ist für Tappeser indes klar - auch wenn die aktuelle Situation einem "normal gesunden Menschen" nichts ausmache. Aber für Allergiker, geschwächte oder erkrankte Personen wäre das Risiko schon höher. Auch wenn es keine Grenzwerte gebe, ließen weder der Leitfaden des Bundesumweltamtes noch die Arbeitsschutzregeln eine Alternative zu. Einen kleinen Trost für die Neudenauer hält Tappeser dennoch bereit: "Es gibt noch viel schlimmere Kirchen."
