Kirchardt: Vier Brände binnen weniger Stunden in derselben Straße (Update)
Von Armin Guzy und Julian Buchner
Kirchardt. Es stinkt nach geschmolzenem Plastik und angekokeltem Holz. Noch leicht dampfend, stehen zwei Autos im strömenden Regen in der Hofeinfahrt, eines vollkommen ausgebrannt, das andere durch das Feuer wohl ebenfalls auf den reinen Metallwert reduziert. "Vielleicht steht der Täter ja irgendwo und schaut zu", sagt Frank Belz, "sucht vielleicht den Kick."
Dass der vormals silberne Kombi durch einen technischen Defekt zu brennen begann - und in der Folge dann auch der Kleinwagen daneben - stuft der Sprecher der Heilbronner Polizei als höchst unwahrscheinlich ein. Nicht bei diesem Regen. Vor allem aber nicht nach der Nacht zuvor. "Wir gehen inzwischen von schwerer Brandstiftung aus", sagt Belz.
Feuerwehr, Polizei und ein paar Schaulustige stehen am Vormittag in der Vorstadtstraße in Kirchardt. Inzwischen sind hier wohl alle Anwohner höchst besorgt. "Extrem beunruhigend" hatte Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter die Lage bereits in der Nacht zuvor genannt. Jetzt, wenige Stunden später, ist er wieder vor Ort, mit Schirm, müden Augen und sorgenvoller Miene. In seiner Gemeinde geht ein Feuerteufel um. "Das ist nicht nur ein Anfangsverdacht", sagt Kreiter, "es liegt auf der Hand, dass es kein Funkenflug war!" Damit bezieht er sich auf eine Brandserie, die in der Nacht zu Dienstag zahlreiche Feuerwehrleute über Stunden hinweg an den Rand ihrer Kräfte gebracht hat und die Kirchardter noch immer in Atem hält: Der Täter ist noch nicht gefasst. Niemand weiß, ob er weitermacht.
Eigentlich wollten die Brandermittler der Kripo Heilbronn am Dienstagmorgen lediglich die Spuren der nächtlichen Brände untersuchen und sichern. Nun ist ein vierter Tatort hinzugekommen. Begonnen hatte alles gegen 2.20 Uhr in der Nacht, als Anwohner in der Vorstadtstraße ein brennendes Auto meldeten. Nicht ahnend, was sie in jener Nacht noch erwartet, löschten die Einsatzkräfte zunächst den brennenden Wagen. Noch während diese Arbeiten liefen, brannte drei Häuser weiter eine Garage. Auch dort mussten Feuerwehrleute in großer Zahl zur Brandbekämpfung anrücken. In der Garage neben einem Wohnhaus stand nicht nur ein Auto, es lagerten auch Gasflaschen darin, die zum Glück rechtzeitig herausgeholt werden konnten.
Kurz vor vier Uhr am Morgen dann der vorläufig letzte Einsatz: Ebenfalls in der Vorstadtstraße hatten Polizisten, die inzwischen nach einem möglichen Brandstifter fahndeten, einen weiteren Brand gemeldet: In einer Scheune hatten die Beamten starke Rauchentwicklung entdeckt. Nur wenige Minuten später stand die als Werkstatt genutzte Scheune in Vollbrand. Dadurch bestand die Gefahr, dass die Flammen auf das direkt angebaute Wohnhaus übergreifen. Angesichts der prekären Lage wurde die Feuerwehr Bad Rappenau hinzugezogen. Sowohl ein in der Scheune abgestelltes Auto, als auch die Werkstatt selbst und das gesamte Inventar wurden durch die Flammen vollständig zerstört. Die Löscharbeiten dauerten bis in die Morgenstunden, aber zu Ruhe kamen die Feuerwehrfreiwilligen nicht. Bei den drei ersten Bränden entstand etwa 200.000 Euro Sachschaden. Mit dem neuen Brand am Vormittag wird sich die Schadenssumme weiter erhöhen.
Dass der Täter ziemlich abgebrüht ist und offenbar auch Tote in Kauf nimmt, macht vielen Bewohnern Kirchardts Angst. Frank Belz will nicht ausschließen, dass es der Unbekannte auf ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei anlegen könnte. Denn zumindest den zweiten Brand muss er gelegt haben, als nur wenige Meter weiter noch zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren. Er habe gesehen, wie das erste Auto gelöscht wird, und sei hingegangen, schildert der Bewohner des Hauses, in dessen Garage es kurz darauf zum zweiten Brand kam. Der Mann kam gerade noch rechtzeitig zurück, um die Feuerwehr zu alarmieren. Seine beiden kleinen Kinder hätten oben im Haus geschlafen. "Das ist Mordversuch", sagt er wütend.
Zeugen, die in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagvormittag in Kirchardt verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, werden darum gebeten, sich bei der Kripo in Heilbronn, Telefon 07131/104-4444, zu melden.
Update: 13.30 Uhr, Dienstag, 21. Mai 2019
