Frisbee-WM: 276 WM-Spiele in Heidelberg ohne Schiedsrichter
Von Claus-Peter Bach
Heidelberg. Vom 13. bis zum 20. Juli findet in Heidelberg die Weltmeisterschaft im Ultimate Frisbee für Nationalmannschaften unter 24 Jahren statt. Mark Kendall (59) aus Dallas/Texas, der seit 1985 in Massenbach lebt und 2000 und 2010 WM-Turniere anderer Altersklassen in Heilbronn organisiert hat, und der 57-jährige Martin Rasp von der TSG 78 Heidelberg leiten das Organisationskomitee für ein Ereignis, bei dem Mannschaften aus 29 Nationen zu Gast sein werden.
Was ist Ultimate Frisbee?
Martin Rasp: Ein schnelles Kampfspiel mit sieben Spielenden pro Mannschaft und ohne Schiedsrichter.
Und wer sorgt für Ordnung?
Mark Kendall: Das tun die Spieler selbst. Beim Ultimate Frisbee spielen Sportlichkeit, Anstand und Fairness die Hauptrollen. Großer Einsatz beim Kampf um die Scheibe wird zwar verlangt, darf aber niemals auf Kosten des Respekts vor den Gegenspielenden und den Regeln gehen.
Selbstkontrolle ist also wichtig?
Kendall: Natürlich, denn man spielt dieses Spiel, weil man Spaß haben will.
Aber gewinnen will man doch auch?
Rasp: Ja, klar, aber nicht mit faulen Tricks oder überhartem Spiel. Selbst will man ja auch nicht gefoult oder verletzt werden.
Erklären Sie kurz die Spielregeln!
Rasp: Das Feld ist 100 Meter lang und 37 Meter breit, die beiden Endzonen sind 18 Meter tief. Die Scheibe darf in jede Richtung geworfen werden. Man erzielt einen Punkt, indem man die Scheibe in die gegnerische Endzone spielt und dort fängt. Ein Spiel dauert maximal 100 Minuten, ist aber früher zu Ende, sobald eine Mannschaft 15 Punkte erzielt hat.
Wie kommt man in Scheibenbesitz?
Kendall: Am Anfang wirft die verteidigende Mannschaft die Scheibe zur angreifenden Mannschaft. Fällt die Scheibe auf den Rasen, geht sie in den Besitz der anderen Mannschaft über, die die Scheibe natürlich auch abfangen kann.
Welche Mannschaften sind in Heidelberg zu bewundern?
Kendall: Das Teilnehmerfeld ist komplett. Wir haben zwölf Frauen-, 18 Männer- und 21 Mixed-Teams zu Gast. Das geht von A wie Australien bis U wie USA, womit auch zwei Favoriten genannt sind.
Im Mixed gibt es die meisten Mannschaften. Spielen Frauen gerne mit Männern?
Rasp: Das Mixed ist die Königsdisziplin des Ultimate Frisbee. Es gibt Länder wie Frankreich, Hongkong, Lettland, Mexiko, die Niederlande, Singapur, Spanien, Südafrika oder Tschechien, die nur im Mixed antreten. Dahingegen haben Großbritannien, Kanada, Kolumbien, Irland, Italien, Japan und die USA Mannschaften in allen drei Kategorien gemeldet. Japan beispielsweise ist überall superstark.
Und die Deutschen?
Kendall: Wir sind auch in allen drei Turnieren am Start und wollen vor heimischem Publikum natürlich erfolgreich spielen. Die deutschen Teams werden gut spielen, mit der Vergabe der Medaillen aber wahrscheinlich nichts zu tun haben.
Seit wann gibt es die U24-WM?
Kendall: Das erste Turnier wurde 2010 in Florenz ausgetragen, dann folgten Toronto 2013, London 2015 und Perth 2018. Der Weltverband strebt einen WM-Rhythmus von zwei Jahren an.
Für die Sportstadt Heidelberg ist die WM eine große Herausforderung. Wie laufen die Vorbereitungen?
Rasp: Wie sind voll im Plan und können sagen, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg und den Vereinen, deren Sportplätze wir nutzen dürfen, keine Wünsche offen lässt. Alle Vorbesprechungen, zuletzt im Kletterzentrum des Deutschen Alpen-Vereins in Kirchheim, sind harmonisch verlaufen. Wir erhalten in Kürze den Spielplan vom Weltverband und können dann die Verteilung der 276 WM-Spiele auf die einzelnen Sportstätten vornehmen.
Wo wird gespielt?
Rasp: Die Eröffnungsfeier und das Eröffnungsspiel der deutschen Frauen wird am 13. Juli ab 17 Uhr beim Heidelberger Sportclub in unmittelbarer Nachbarschaft der künftigen Großsporthalle sein. An den Vorrunden-Spieltagen am 14., 15., 16., 17. und 18. Juli spielen wir zwischen 9 und 19 Uhr in den Sportzentren Nord und Süd, beim ASC Neuenheim, auf den drei Rugbyplätzen von SCN und TSV Handschuhsheim am Zoo und beim HSC. Die Halbfinals und Platzierungsspiele sind am 19. Juli im Sportzentrum Süd und beim HSC und die drei Endspiele am 20. Juli ab 10 Uhr im Fritz-Grunebaum-Sportpark am Kirchheimer Harbigweg.
