News vom Wochenende : Özdemir will Fraktionschef der Grünen werden
Die Meldungen im Kurz-Überblick:
- Özdemir will Fraktionschef der Grünen werden (19.18 Uhr)
- Drei Deutsche sterben bei Bergunglücken in Tirol (17.29 Uhr)
- Kommt die Kenia-Koalition? CDU in Sachsen will Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD führen (14.08 Uhr)
- Churchill-Enkel: Johnson ist überhaupt nicht wie Churchill (12.32 Uhr)
- Berichte: Ukraine und Russland vor großem Gefangenenaustausch (10.27 Uhr)
- Israel greift nach Raketenangriffen aus Gazastreifen mutmaßliche Hamas-Ziele an (10.19 Uhr)
- Kanzlerin in China: Klimaschutz ist eine internationale Aufgabe (10.11 Uhr)
- Indien verliert Kontakt zum Mondlander (8.51 Uhr)
Die News des Tages im stern-Ticker:
+++ 19.18 Uhr: Özdemir will Fraktionschef der Grünen werden +++
Der frühere Bundesvorsitzende der Grünen tritt bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands am 24. September gemeinsam mit der Bremer Abgeordneten Kirsten Kappert-Gonther an. Das Bewerbungsschreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Die beiden wollen Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ablösen, die erneut für die Doppelspitze kandidieren.
Bis zur Bundestagswahl gehe es darum, auch als kleinste Fraktion im Parlament "mit neuem Schwung der Gegenpol einer schwachen Regierung zu sein". Die beiden stellen darin klar, dass sie für den nächsten Wahlkampf im Bund keine Spitzenkandidatur anstreben. Dafür gelten Grünen-intern die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck als de facto gesetzt.
Die Fraktionschefs werden zwar einzeln gewählt und nicht im Team, es muss aber mindestens eine Frau dabei sein. In der Regel sind auch beide Parteiflügel - Linke und sogenannte Realpolitiker - an der Spitze der Fraktion vertreten. Kappert-Gonther gehört wie Hofreiter zu den Parteilinken, Özdemir und Göring-Eckardt sind "Realos".
+++ 17.53 Uhr: Drei Tote durch Taifun "Lingling" in Südkorea +++
Durch den Taifun "Lingling" sind in Südkorea mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien Dutzende Menschen verletzt worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Knapp mehr als 161 000 Haushalte seien zeitweise ohne Strom gewesen. Auch im abgeschotteten Nordkorea wurden durch den tropischen Wirbelsturm große Schäden befürchtet.
Ganz Südkorea stand unter dem Einfluss des Taifuns, der in Richtung Norden über die koreanische Halbinsel hinweg zog. Die Winde waren so stark, dass Bäume einknickten. In Seoul flogen vereinzelt von starken Böen losgelöste Gebäudeteile und andere Gegenstände sowie Zweige auf die Straßen der Hauptstadt.
"Lingling" ist der 13. Taifun in diesem Jahr, der auf die Halbinsel traf. Aus Nordkorea lagen zunächst keine Berichte über Schäden vor.
+++ 17.29 Uhr: Drei Deutsche sterben bei Bergunglücken in Tirol +++
Bei verschiedenen Bergunglücken in Tirol sind drei Deutsche ums Leben gekommen. Laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA erlag ein 50-Jähriger in der Nacht zum Samstag in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, nachdem eine dreiköpfige Gruppe am Freitag in den Ötztaler Alpen zehn Meter tief in eine Gletscherspalte gestürzt war. Ein weiterer 50-Jähriger starb laut APA in Häselgehr im Bezirk Reutte, als er 250 Meter in die Tiefe stürzte. In Nassereith im Bezirk Imst verunglückte ein 60-jähriger Deutscher bei einer Klettertour in einem Klettergarten. Bei einer geführten Dreier-Seilschaft stürzte der Mann laut APA rückwärts in das Seil und und blieb kopfüber hängen. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.
+++ 15.33 Uhr: Deutscher stürzt beim Wandern in Österreich in den Tod +++
Beim Wandern auf einem Berggrat ist ein Deutscher in den österreichischen Alpen tödlich verunglückt. Wie die Polizei in Innsbruck mitteilte, stürzte der 50-Jährige aus der Nähe von Stuttgart bereits am Freitag in den Lechtaler Alpen 250 Meter über felsiges Gelände in die Tiefe. Die vierköpfige Gruppe, mit der der Mann unterwegs war, wollte von der Wannenspitze auf einem Berggrat zu einem benachbarten Gipfel gelangen, als der 50-Jährige im Nebel auf dem leicht beschneiten Untergrund stolperte und abstürzte, sagte ein Polizeisprecher der dpa.
Wegen der schlechten Sichtverhältnisse stiegen Bergretter statt mit dem Hubschrauber zu Fuß zu der Unfallstelle auf, wo sie den Mann in den Abendstunden tot entdeckten. Erst am Samstagmorgen konnte er mittels eines Hubschraubers geborgen werden.
+++ 15.10 Uhr: Scheuer will mit Mobilfunkstrategie Funklöcher schließen und 5G beschleunigen +++
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Ausbau des 5G-Netzes beschleunigen und noch bestehende Funklöcher schließen. "In unserem Land muss unterbrechungsfreies Surfen und Telefonieren selbstverständlich werden", erklärte der Minister in Berlin zu seinem neuen Fünf-Punkte-Plan. Dies müsse "so schnell wie möglich" geschehen. "Eines muss dabei klar sein: Wo kein Mast, da kein Empfang - darum brauchen wir mehr Akzeptanz beim Infrastrukturausbau", fügte der CSU-Minister hinzu.
Die Bundesregierung will einen schnelleren Netzausbau in für die Mobilfunknetzbetreiber unwirtschaftlichen Regionen wo nötig unterstützen. Im Fokus der Mobilfunkstrategie stehen in dem Fünf-Punkte-Plan Maßnahmen zur Schließung der Lücken im 4G-Netz, eine Beschleunigung des Netzausbaus sowie die Stärkung von "Transparenz, Akzeptanz und der Nutzung vorhandener Ressourcen" wie staatlicher Liegenschaften und Infrastrukturen, wie es auf der Website des Ministeriums hieß.
+++ 15.01 Uhr: Indiens Präsident darf nicht durch pakistanischen Luftraum fliegen +++
Pakistan hat dem indischen Präsidenten Ram Nath Kovind untersagt, durch den Luftraum des Landes zu fliegen. Hintergrund ist der Kaschmir-Konflikt zwischen beiden Ländern. Die beiden Atommächte streiten seit ihrer Unabhängigkeit vor mehr als 70 Jahren um die Kontrolle über die Region im Himalaya, die sie beide für sich beanspruchen. Man habe entschieden, dass Kovind auf seinem Flug nach Island nicht über Pakistan fliegen dürfe, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi dem TV-Sender PTV.
Örtlichen Medien zufolge wollte der indische Präsident Kovind an diesem Sonntag nach Island fliegen. Bereits vergangene Woche hatte die Regierung von Premierminister Imran Khan gesagt, sie erwäge, den pakistanischen Luftraum für Indien zu schließen.
Indiens Regierung hatte dem vorwiegend muslimisch geprägten Bundesstaat Jammu und Kaschmir am 5. August wegen der dortigen Proteste für eine Unabhängigkeit den Teilautonomiestatus entzogen und damit die jüngste Eskalation in der Dauerfehde mit Pakistan ausgelöst. Indiens Premier Narendra Modi will das Kaschmir-Gebiet stärker in das mehrheitlich hinduistisch geprägte Indien integrieren. Bisher hatte die Region unter anderem eine eigene Verfassung und weitgehende politische Kompetenzen. Pakistan bezeichnete den Schritt als "illegal".
+++ 14.12 Uhr: NPD-Vertreter in Hessen einstimmig zum Ortsvorsteher gewählt +++
Der Ortsbeirat einer hessischen Gemeinde hat einen NPD-Funktionär einstimmig zum Ortsvorsteher gewählt. Alle sieben anwesenden Vertreter des Ortsbeirats von Altenstadt-Waldsiedlung wählten bereits am Donnerstagabend den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Stefan Jagsch zum Vorsteher, wie die Kreisgeschäftsstelle der CDU Wetterau bestätigte. Darunter waren auch Mandatsträger von SPD, CDU und FDP. Zuvor hatte die Zeitung "Kreis-Anzeiger" darüber berichtet.
Die Kreisvorsitzende der CDU Wetterau, Lucia Puttrich, und der Vorsitzende der CDU Altenstadt, Sven Müller-Winter, reagierten in einer gemeinsamen Erklärung "mit Entsetzen und absolutem Unverständnis" auf die Wahl des NPD-Funktionärs. Die NPD verfolge nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungsfeindliche Ziele, die Wahl eines Politikers dieser Partei sei "für die CDU unfassbar und untragbar", erklärten Müller-Winter und Puttrich, die auch hessische Ministerin für Bundes- und Europa-Angelegenheiten ist. Die "falsche Entscheidung" müsse korrigiert worden, wozu bereits Gespräche aufgenommen worden seien.
+++ 14.08 Uhr: Kommt die Kenia-Koalition? CDU in Sachsen will Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD führen +++
Der CDU-Landesvorstand in Sachsen hat entschieden, in Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD zu gehen. Das teilten Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und CDU-Fraktionschef Christian Hartmann in Riesa mit. Es gehe darum, "diesem Land eine stabile Regierung zu geben", sagte Kretschmer nach den Beratungen des erweiterten Landesvorstandes mit den Kreisvorsitzenden der Partei. Dabei wurden die Vorgespräche mit den potenziellen Koalitionspartnern ausgewertet und über das weitere Vorgehen beraten.
Parallel tagten die sächsischen Grünen in Dresden. Ein kleiner Parteitag beriet über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit CDU und SPD. Im Vorfeld führten die Parteien bereits informelle Gespräche, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszuloten. Der SPD-Landesvorstand gab bereits zu Wochenbeginn einstimmig grünes Licht für die Aufnahme von Sondierungsgesprächen zur Bildung einer schwarz-grün-roten Koalition. Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD gilt nach der Landtagswahl am Sonntag als einzige mehrheitsfähige Option in Sachsen. Es werden allerdings schwierige Gespräche erwartet.
4+1 Lehren aus den Wahlen 9.30
+++ 13.13 Uhr: Iran beschlagnahmt in der Straße von Hormus einen "ausländischen Schlepper"
Der Iran hat in der Straße von Hormus einen "ausländischen Schlepper" beschlagnahmt. Bei dem Einsatz seien zwölf Philippiner festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf den Chef der Küstenwache in der Provinz Hormosgan. Der Schlepper "schmuggelte" demnach gut 280.000 Liter Erdöl. Es wurde nicht mitgeteilt, unter welcher Flagge das Schiff unterwegs war. Gegen die Besatzung des Schleppers bestehe der Verdacht, zu einem "Schmugglerring" zu gehören, hieß es weiter.
Im Persischen Golf und in der Straße von Hormus gibt es seit Monaten schwere Spannungen. Sie entwickelten sich im Zusammenhang mit dem Streit über das internationale Atomabkommen von Juli 2015, aus dem die USA im Mai 2018 ausstiegen. Im Juli beschlagnahmten die iranischen Revolutionsgarden einen "ausländischen Tanker" und den schwedischen Öltanker "Stena Impero", der unter britischer Flagge unterwegs war. Ende Juli wurde vom Iran ein weiteres Schiff unter dem Verdacht des Öl-Schmuggels beschlagnahmt, über dessen Herkunft nichts mitgeteilt wurde.
+++ 13.09 Uhr: Weimarer AfD-Stadtrat aus Fraktion ausgeschlossen +++
Nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei ist ein Weimarer AfD-Politiker aus seiner Fraktion im Stadtrat ausgeschlossen worden. Der Beschluss sei nach einer Dringlichkeitssitzung am Freitagabend gefasst worden, sagte ein Sprecher der Fraktion. Zuvor hatte MDR Thüringen berichtet.
Mitte vergangener Woche hatte die Polizei den Mann vorübergehend in Gewahrsam genommen. Er soll zuvor vor einem Supermarkt in Weimar mehrere Schüsse mit einer Schreckschusspistole abgefeuert haben. Die alarmierten Beamten soll der betrunkene Mann unter anderem bedroht und beleidigt haben. Nach Willen des Kreisverbands soll der Mann auch aus der Partei ausgeschlossen werden. Das Schiedsgericht der Landespartei muss den Antrag allerdings zunächst prüfen.
+++ 13.06 Uhr: Gefangenenaustausch: Flugzeuge mit Gefangenen in Kiew und Moskau gelandet +++
Die Flugzeuge mit ukrainischen und russischen Gefangenen sind in Moskau und Kiew gelandet. Auf dem Rollfeld der ukrainischen Hauptstadt warteten neben Präsident Wolodymyr Selenskyj dutzende Angehörige, wie ein AFP-Reporter berichtete. Das russische Staatsfernsehen zeigte die Landung der Maschinen in Moskau. Der Gefangenenaustausch sei ein "erster Schritt" zur Beendigung des Konflikts mit Russland, sagte Selenskyj. Für den Gefangenenaustausch sollen 35 Menschen beider Seiten ausgewählt worden sein.
Unter den Freigelassenen soll auch der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow sein. Er ist der bekannteste politische Gefangene aus der Ukraine. Auch der in der Ukraine festgehaltene Wladimir Zemach komme frei, hieß es aus ukrainischen Regierungskreisen. Er soll für die Luftabwehr der prorussischen Separatisten in Donezk zuständig und am Abschuss der Passagiermaschine des Flugs MH17 über der Ostukraine beteiligt gewesen sein. Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sind seit Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim äußerst angespannt.
+++ 12.32 Uhr: Churchill-Enkel: Johnson ist überhaupt nicht wie Churchill +++
Der Enkel des legendären britischen Kriegspremiers Winston Churchill (1874-1965), Nicholas Soames, sieht keine Ähnlichkeiten zwischen seinem Großvater und Boris Johnson. Dem aktuellen Premierminister wird nachgesagt, er wolle dem großen Staatsmann, über den er eine Biografie verfasst hat, nacheifern.
"Boris Johnson ist überhaupt nicht wie Winston Churchill" sagte Soames der "Times" (Samstag). Sein Großvater sei von seinen Erfahrungen im Leben geprägt worden. "Boris Johnsons Erfahrung im Leben besteht daraus, eine Menge Lügen über die Europäische Union in Brüssel erzählt zu haben und dann Premierminister geworden zu sein". Er glaube, sein Großvater würde es nicht befürworten, die "außergewöhnliche Beziehung, die wir mit dieser großartigen Europäischen Union haben" aufzugeben, fügte Soames hinzu.
Soames war zusammen mit 20 anderen Tory-Abgeordneten am Dienstag von Johnson aus der Fraktion verbannt worden, weil er für ein Gesetz gestimmt hatte, das einen ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens am 31. Oktober verhindern soll. Das harsche Vorgehen Johnsons gegen seine innerparteilichen Kritiker war auf heftige Kritik gestoßen.
+++ 12.31 Uhr: Altkanzler Schröder kritisiert SPD +++
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat das aufwändige Verfahren seiner Partei für die Suche nach einem neuen Vorsitz kritisiert. "Diese langwierige Form von Führungsfindung liegt mir nicht", sagte Schröder der "Rheinischen Post" vom Samstag.
Auch den von der kommissarischen SPD-Führung favorisierten Plan, die Partei künftig von einer Doppelspitze führen zu lassen, beurteilte Schröder skeptisch. "Ich glaube, da wird der Versuch gemacht, etwas zu kopieren, was andere Parteien schon nicht immer als Erfolg erlebt haben", sagte der frühere SPD-Chef. Er riet den Genossen, "man muss sich auf seine eigenen Stärken besinnen".
Um den SPD-Vorsitz bewerben sich sieben Kandidatenduos und ein Einzelbewerber. Sie müssen sich auf insgesamt 23 Regionalkonferenzen vorstellen, am Samstag lief die dritte in Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt.
+++ 11.35 Uhr: Bergsteiger stirbt nach Sturz in Gletscherspalte +++
Nach einem Sturz in eine Eisspalte ist ein deutscher Alpinist in Tirol seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie die österreichische Polizei in Innsbruck am Samstag berichtete, wurden zwei weitere Bergsteiger aus seiner Seilschaft bei dem Unfall auf der Wildspitze in den Ötztaler Alpen verletzt. Der 50-Jährige aus der Nähe von Dortmund - nähere Angaben gab es nicht - war am Freitag als Teil einer fünfköpfigen Gruppe zu dem 3768 hohen Gipfel aufgebrochen.
Während zwei Alpinisten unterwegs umkehrten, erreichten die anderen den Gipfel. Beim Abstieg stürzten die drei aus unbekannter Ursache einen steilen Schneehang hinunter und danach rund zehn Meter tief in eine Gletscherspalte. Einer von ihnen konnte mit dem Mobiltelefon einen der umgekehrten Kollegen kontaktieren, der daraufhin Rettungskräfte alarmierte. Bei schwierigen Wetterbedingungen erreichten Helfer die Unfallstelle nach einigen Stunden. Der 50-Jährige wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik nach Innsbruck gebracht, wo er in der Nacht zum Samstag starb.
+++ 10.27 Uhr: Berichte: Ukraine und Russland vor großem Gefangenenaustausch +++
Im Ukraine-Konflikt bereiten Moskau und Kiew ihren angekündigten großen Gefangenenaustausch vor. Das meldeten russische und ukrainische Medien am Samstag. Die Gefangenen wurden dem Vernehmen nach auf die Flughäfen in Moskau und Kiew für die Rückkehr in die Heimat gebracht. Das russische Staatsfernsehen berichtete live vom Flughafen Wnukowo-2 in Moskau. Dort kamen zwei Busse an, in denen auch die 24 ukrainischen Seeleute sitzen sollen, die seit November in Russland inhaftiert waren. Zu sehen waren die Inhaftierten aber nicht.
Auch auf dem ukrainischen Flughafen Borispol in Kiew seien Inhaftierte, deren Übergabe Russland verlangt hatte, hieß es. Zudem warteten dort Angehörige etwa des ukrainischen Regisseurs Oleg Senzow. Er ist seit fünf Jahren in Haft in Russland. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrere Inhaftierte für die Übergabe an Russland begnadigt.
Kremlchef Wladimir Putin hatte am Donnerstag den großen und richtungsweisenden Austausch angekündigt, der die Beziehungen beider Länder verbessern soll. Ausgetauscht werden sollten auf jeder Seite 35 Gefangene. Offiziell bestätigt war die Zahl zunächst nicht. Putin und Selenskyj hatten seit Tagen darüber gesprochen, dass der Austausch kurz bevorstehe.
Israel Libanon Gefechte 12.45+++ 10.19 Uhr: Israel greift nach Raketenangriffen aus Gazastreifen mutmaßliche Hamas-Ziele an +++
Nach Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat die israelische Armee in dem Palästinensergebiet mutmaßliche Stellungen der radikalislamischen Hamas angegriffen. In der Nacht zum Samstag seien fünf Geschosse aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden, teilte die Armee mit. Sie seien auf unbebautem Gebiet niedergegangen. Als Reaktion hätten israelische Kampfflugzeuge und Panzer "eine Reihe militärischer Hamas-Ziele im nördlichen Gazastreifen", darunter Militärstellungen, angegriffen, hieß es von der israelischen Armee. Aus Sicherheitskreisen der Hamas verlautete, bei den Angriffen habe es keine Opfer gegeben.
Bei Auseinandersetzungen an der Grenze des Gazastreifens hatte die israelische Armee nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums am Freitag zwei palästinensische Jugendliche im Alter von 14 und 17 Jahren erschossen. 46 weitere Palästinenser wurden demnach verletzt.
Die israelische Armee erklärte, tausende Palästinenser hätten sich am Freitag an "besonders gewalttätigen" Protesten am Grenzzaun beteiligt. Sie warfen demnach Brandbomben und Sprengsätze auf israelische Soldaten. An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel protestieren seit März 2018 jede Woche Palästinenser gegen die israelische Blockade des Küstenstreifens. Die Demonstrationen münden häufig in Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten. Seither wurden mindestens 308 Palästinenser getötet, die meisten während solcher Proteste und Zusammenstöße.
+++ 10.11 Uhr: Kanzlerin in China: Klimaschutz ist eine internationale Aufgabe +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, den Klimaschutz gemeinsam voranzutreiben. Die CDU-Politikerin nahm dabei am Samstag vor Studierenden an der Huazhong-Universität in Wuhan auch China in die Pflicht. Angesichts der Größe und der Wirtschaftskraft des Landes sei die internationale Gemeinschaft auch auf einen wichtigen Beitrag von hier angewiesen. Der Klimawandel werde von allen verursacht. Deswegen müssten sich alle darum kümmern. "Klimaschutz ist Verantwortung für alle."
Merkel war zum zwölften Mal nach China gereist. Mit Wuhan in der Provinz Hubei hat sie nunmehr die Hälfte aller Provinzen des Landes besucht. Wuhan ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort für deutsche Unternehmen.
Die Kanzlerin sagte weiter, angesichts der Globalisierung seien gemeinsame Regeln unverzichtbar. Es bedürfe multilateralen Handelns, nicht Protektionismus, etwa im Handel. "Denn Protektionismus schadet am Ende uns allen." Man müsse sich für eine Politik entscheiden, die die nationalen wie internationalen Interessen im Auge behalte.
Multilaterales Handeln zahle sich aus, das sehe man an China. Viele Millionen Menschen hätten hier einen Weg aus der Armut gefunden. Heute zähle das Land zu den wichtigsten Akteuren in der internationalen Politik. Das bedeute auch Verantwortung bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.
Kritisch äußerte sich Merkel über die Einführung eines sogenannten Sozialpunkte-Systems in China. In Europa werde dies für schlecht gehalten, sagte sie vor den Studenten. Dort gebe es eine Datensouveränität des Bürgers. Das sei also eine spannende ethische Diskussion, die die Welt noch sehr beschäftigen werde.
+++ 9.53 Uhr: Taifun richtet Schäden in Südkorea an +++
Der Taifun "Lingling" hat in Teilen Südkoreas am Samstag Stromausfälle, Gebäudeschäden sowie Verkehrsbehinderungen verursacht. Eine Frau sei in Boryeong südwestlich von Seoul ums Leben gekommen, als sie von starken Winden erfasst worden sei, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Laut Berichten des Rundfunksenders KBS war die Stromversorgung von etwa 30 000 Haushalte auf der südlichen Insel Jeju und den südwestlichen Provinzen Süd- und Nord-Jeolla zeitweise unterbrochen. Etwa 40 Gebäude seien beschädigt worden.
Ganz Südkorea stand unter dem Einfluss des tropischen Wirbelsturms, der in Richtung Norden über die koreanische Halbinsel hinweg zog. Besonders stark betroffen war die Westküste des Landes.
+++ 9.30 Uhr: Neuer Militärchef in Nordkorea +++
Nordkorea hat einen neuen Militärchef: Der Artillerie-Experte General Pak Jong Chon sei zum Generalstabschef der nordkoreanischen Volksarmee ernannt worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitagabend. An der Zeremonie nahm demnach auch Machthaber Kim Jong Un teil. Pak löste Ri Yong Gil ab, einen Experten für Militäreinsätze. Experten zufolge könnte die Ernennung von Pak darauf hindeuten, dass Nordkorea die Entwicklung neuer Waffen plane. Mit ihm sei es "wahrscheinlicher, dass Pjöngjang der Artillerie mit ihren neuen Waffensystemen Priorität einräumt", sagte Ahn Chan Il, der aus Nordkorea geflohen ist und nun in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul forscht, der Nachrichtenagentur AFP.
In diesem Zusammenhang sei es bemerkenswert, dass Pak Machthaber Kim zum Test neuer Waffen begleitet habe, sagte Ahn. Im August hatte Kim gemeinsam mit Pak dem Test von Geschossen beigewohnt, bei denen es sich nach Angaben aus Pjöngjang um "neuartige taktische Lenkraketen" handelte. Auch zum Test eines Raketensystems im Juli reisten Kim und Pak nach damaligen KCNA-Angaben gemeinsam.
+++ 8.51 Uhr: Indien verliert Kontakt zum Mondlander +++
Die indische Raumfahrtbehörde hat nach eigenen Angaben kurz vor ihrer ersten geplanten Mondlandung die Kommunikation zu ihrem Lander "Vikram" verloren. Der Kontakt sei erloschen, als "Vikram" gut zwei Kilometer über der Oberfläche des Erdtrabanten flog, sagte der Chef der indischen Raumfahrtbehörde Isro, Kailasavadivoo Sivan, in der Nacht zum Samstag (Ortszeit).
Der indische Premierminister Narendra Modi sagte zu den Wissenschaftlern: "Indien ist stolz auf euch. Ihr habt euer Bestes gegeben." Ob "Vikram" auf der Mondoberfläche zerschellte, sagten die Wissenschaftler zunächst nicht.
Indien hatte versucht, das vierte Land zu werden, dem eine kontrollierte Landung auf dem Erdtrabanten gelingt - nach den USA, der Sowjetunion und China. Im Frühjahr stürzte bereits eine israelische Sonde beim Landeversuch auf dem Mond nach einem technischen Fehler ab.
+++ 7.21 Uhr: Altmaier fordert Freiheit für E-Scooter +++
Ungeachtet der wachsenden Kritik an E-Scootern ist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gegen strengere Regeln für diese Gefährte. "Der Wirtschaftsminister ist für Freiheit im Straßenverkehr", sagte Altmaier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben). Wichtig sei, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet bleibe "und dass durch E-Scooter nicht mehr Leute zu Schaden kommen als zum Beispiel durch Fahrräder oder Motorräder". Es gebe ohnehin schon "mehr als genug Verbote".
"Wir haben seit vielen Jahren ein Nebeneinander von unterschiedlichen Verkehrsmitteln. Jetzt sind E-Scooter der neueste Schrei", konstatierte Altmaier.
Die elektrischen Tretroller sind seit Mitte Juni auf deutschen Straßen erlaubt. Nutzer dürfen maximal 20 Stundenkilometer damit fahren und müssen Fahrradwege nutzen - wenn es diese nicht gibt, die Straße. Nicht erlaubt ist das Fahren auf Fußwegen und in Fußgängerzonen. Der Unmut über die E-Scooter wächst derzeit. Vor allem an wild abgestellten Rollern und rücksichtslosen Fahrern entzündet sich Kritik.
+++ 6.21 Uhr: Deutsche Wikipedia von Online-Angriff lahmgelegt +++
Berlin (dpa) - Die deutsche Version des Online-Lexikons Wikipedia und einige andere Ausgaben in Europa sind am Freitag von einer Online-Attacke lahmgelegt worden. Die Gesellschaft Wikimedia Deutschland berichtete am Abend von einem sogenannten DDOS-Angriff. Bei solchen Attacken werden Server mit einer Flut sinnloser Anfragen bombardiert, bis sie in die Knie gehen.
Große Websites haben meist Schutzmechanismen dagegen. Die Wikimedia sprach so auch von einem "massiven und sehr breit angelegten" Angriff. Kurz vor Mitternacht ließen sich die Wikipedia-Seiten kurzzeitig wieder aufrufen, bevor wieder nichts ging. Auch Nutzer unter anderem in Großbritannien und Frankreich meldeten Probleme.
Bei Twitter verkündeten Unbekannte hinter einem frisch eingerichteten Account, sie steckten dahinter. Um die Authentizität der Behauptung zu untermauern, verkündeten sie kurz vor Mitternacht, die Attacke für kurze Zeit auszusetzen, bevor sie wieder hochgefahren werde. In diesem Zeitraum war die Online-Enzyklopädie dann tatsächlich erreichbar. Sie wollten neue Angriffswerkzeuge ausprobieren und die Attacke werde nach einigen Stunden gestoppt, hieß es bei dem Twitter-Account.
+++ 0.55 Uhr: Schäuble kritisiert deutsche Politik bei Nord Stream 2 +++
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat das Vorgehen der deutschen Politik im Zusammenhang mit der umstrittenen Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 kritisiert. "Die Sichtweise unserer östlichen Nachbarn übergangen zu haben, gehört nicht zu den Glanzpunkten deutscher Politik und hat viel Vertrauen zerstört", schrieb er in einem Gastbeitrag für die Samstagsausgabe der Zeitung "Die Welt".
Gleichzeitig kritisierte Schäuble die osteuropäischen Länder dafür, im Nachhinein gegen das Projekt zu arbeiten. "Das Projekt auf Umwegen zu sabotieren, ist aus gesamteuropäischer Sicht trotzdem keine vernünftige Lösung."
Der Bau der zusätzlichen direkten Gasleitung Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland ist umstritten. Diese würde die strategische und wirtschaftliche Bedeutung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer weiter schwächen. Das betrifft zum einen das ukrainische Leitungsnetz, zum anderen die quer durch Weißrussland und Polen verlaufende Jamal-Europa-Pipeline. Die USA und Polen gehören zu den schärfsten Kritikern des von Deutschland verfochtenen Projekts. Die Regierungen der beiden Länder kritisieren, dass Deutschland sich mit der Gaspipeline zu sehr von russischem Gas abhängig mache.
+++ 0.30 Uhr: "Dorian" zieht weiter nach Kanada +++
Hurrikan "Dorian" ist über einen küstennahen Teil des US-Bundesstaats North Carolina hinweggezogen und hat über dem Atlantik seinen Kurs in Richtung Kanada fortgesetzt. Der Wirbelsturm sollte am Samstag in relativ großer Entfernung zur US-Küste an den Staaten Neuenglands vorbeiziehen, darunter etwa New York, Massachusetts und Maine, erklärte das Nationale Hurrikan-Zentrum am Freitag (Ortszeit). Im weiteren Verlauf sollte "Dorian" ab Samstagabend als abgeschwächter Sturm über Nova Scotia im äußersten Nordosten Kanadas hinwegziehen.
"Dorian" traf als Hurrikan der Kategorie eins von fünf in North Carolina auf eine Gruppe vorgelagerter Inseln und brachte Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde mit sich. Dort kam es zu Überschwemmungen, Häuser wurden abgedeckt und Bäume knickten um. Rund 200 000 Haushalte verloren ihre Stromversorgung.
Am Freitagnachmittag (Ortszeit) bewegte sich der Sturm mit gleicher Stärke wieder über dem Meer. Das Sturmsystem zog über dem Atlantik mit knapp 40 Stundenkilometern Richtung Kanada voran.
+++ 0.22 Uhr: Amazonas-Länder wollen "Überleben unseres Planeten" sichern +++
Angesichts der dramatischen Brände im Amazonas-Gebiet sind die betroffenen Länder in Kolumbien zu einem Gipfeltreffen zusammengekommen, bei dem allerdings Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro fehlte. Zum Auftakt forderte Kolumbiens Präsident Ivan Duque am Freitag in Leticia, der Schutz der Region müsse unbedingt verbessert werden. "Dies ist entscheidend für das Überleben unseres Planeten." Bolsonaro seinerseits forderte seine Kollegen per Videoschaltung auf, die Souveränität über die Region nicht aus der Hand zu geben.
An dem Treffen nahmen die Präsidenten der Amazonas-Länder Kolumbien, Peru, Ecuador und Bolivien teil. Aus Suriname kam der Vize-Präsident, Guyana schickte seinen Umweltminister. Brasilien, zu dem der größte Teil der Amazonas-Wälder zählt, war mit Außenminister Ernesto Araújo präsent.
Brasiliens Staatschef Bolsonaro hatte seine Teilnahme aus medizinischen Gründen abgesagt, er soll am Sonntag operiert werden. Per Videoschaltung forderte er von seinen Kollegen Widerstand gegen Versuche, den Schutz des Regenwaldes zu internationalisieren: "Wir müssen eine starke Position einnehmen und unsere Souveränität verteidigen, so dass jedes Land die beste Politik für die Amazonas-Region entwickeln kann. Wir dürfen das nicht in die Hände von anderen Ländern geben."
Im größten Tropenwald der Welt, der für das globale Klima eine entscheidende Rolle spielt, wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Der Rechtsaußenpolitiker und Klimaskeptiker Bolsonaro ergriff nur widerwillig Gegenmaßnahmen und steht deshalb international in der Kritik.
