Bewohner in Psychiatrie gebracht: Meterhoher Müllberg vor Meckesheimer Haus
Meckesheim. (cm) Alte Computer, Monitore, Schallplatten, Bücher – und sogar eine Geschwindigkeitsanzeigetafel: Es ist ein wildes Sammelsurium, das knapp zehn Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens auch am gestrigen Freitag aus einem Hof in der Meckesheimer Luisenstraße holen. Dort hatte der Eigentümer eines Hauses über Jahrzehnte einen meterhohen Müllberg angehäuft, der nach Ansicht der Behörden nun auf den Gehweg zu stürzen drohte und eine Brandgefahr darstellte. Deshalb griffen sie am Donnerstag durch. Der Bewohner wurde in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Zu Recht? Die RNZ sprach mit dem "um die 60 Jahre" alten Meckesheimer, der den Behörden widerspricht.
Vor sechs Wochen habe er ein Schreiben des Baurechtsamtes mit der Aufforderung erhalten, seinen Hof zur Straße hin zu räumen, berichtet der Mann. Damit habe er auch begonnen. "Ich habe es nicht ganz geschafft, aber in einigen Tagen wäre ich fertig gewesen", beteuert er. "Dann wäre alles im Haus gewesen." Regale hierfür habe er schon anfertigen lassen. Von dem vier bis fünf Meter hohen Berg habe er schon zwei bis drei Meter abgetragen. "So schlimm war es gar nicht", meint er. "Es ging ja nur darum, dass nichts auf den Gehweg fällt." Und dies sei noch nie passiert. Die Gegenstände seien in "zwei sauberen Reihen" gestapelt gewesen. Richtig sei aber, dass diese "in Schräglage" gerieten. Dies sei durch Rüttelarbeiten bei der Sanierung der Straße geschehen. Er habe die Kartons dann mit Spanngurten gesichert.
Warum er in eine psychiatrische Einrichtung kam, kann sich der Mann nicht erklären. "Ich habe keine Ahnung, ich wurde einfach mitgenommen", sagt er, räumt aber ein, dass er "in der Aufregung" Drohungen ausgesprochen habe. "Ich hätte die Aktion aber nicht verhindert", betont er. Eine automatische "Pfeffersprayanlage" im Hof sei nicht mehr aktiv gewesen. Die Polizei habe ihm einfach die Sackkarre weggenommen, mit der er die Gegenstände meist mit der Bahn und teils durch ganz Deutschland zu sich transportiert habe, und ihm Handschellen angelegt. Der Mann spricht von "Freiheitsberaubung", "staatlicher Willkür", "gewaltsamer Enteignung" und einer "Machtdemonstration". Er will nun "bis vor den Bundesgerichtshof" ziehen. Denn ihm sei ein Schaden von rund 50.000 Euro entstanden. "Ich wurde zu einem nackten Mann gemacht und um mein Hab und Gut gebracht", sagt der Mann, der zuletzt gar nicht mehr in dem Haus, sondern in einem Wohnwagen lebte. "Mein Leben ist ruiniert."
Doch was steckte alles in dem Berg? "Das war kein Müll", sagt der Mann. Unten würden zwei "Oldtimer" – ein Renault und ein Ford – stehen. Darüber seien auf einer Spezialanfertigung eines Palettenregals vor allem bis zu 50.000 Schallplatten in Kartons gelagert gewesen, die der Mann noch über das Internet verkaufen wollte – darunter handsignierte Platten von Michael Jackson. Außerdem in Kartons: Tausende Bücher, CDs, Digitalkameras. Auch private Papiere wie Zeugnisse habe er in Kartons gelagert.
"Die Behörden hätten die Sachen umlagern müssen", meint der Mann. Für die wohl über 20.000 Euro teure Entsorgung müsse der Steuerzahler aufkommen. "Eine detaillierte Untersuchung ist nicht vorgesehen und auch kaum möglich", entgegnet Silke Hartmann, Sprecherin des Landratamtes, das die Aufräumaktion durchführt. "Es wird so viel von dem Lagergut abgetragen, bis die Gefährdung durch die mangelhafte Standsicherheit beseitigt ist."
