Von Matrjoschkas bis Lady Di: Auf den Flohmärkten Moskaus
MDZ-Autorin Glafira Baturina hat die Flohmärkte der Hauptstadt besucht und die interessantesten ausgewählt.
Vernissage in Ismailowo
Der beliebteste Flohmarkt Moskaus befindet sich direkt an den Mauern des Ismailowo-Kremls. Er ist jedes Wochenende geöffnet und zieht sowohl Sammler als auch Touristen an. Hier findet man alles: von neuen Matrjoschkas und Spielzeug bis hin zu echten Antiquitäten. Der Markt entstand bereits in den 1980er Jahren, als eine Gruppe von Künstlern eine Ausstellung und einen Verkauf von Gemälden organisierte und bald darauf auch Antiquitätenhändler hinzukamen. Heute verkaufen hier alle, die etwas anzubieten haben.
Die Vernissage ist in mehrere Abschnitte unterteilt: Ganz am Anfang befinden sich Stände mit Waren für Touristen – Matrjoschka-Puppen, Spielzeug, Kleidung und Souvenirs aller Art. Wenn man vom Reich der Touristensouvenirs nach links abbiegt, beginnt das Interessanteste – der Flohmarkt. Die Verkäufer legen ihre Waren hier auf Kartons direkt auf dem Asphalt aus. Die Auswahl ist riesig – nirgendwo sonst findet man eine solche Konzentration an allerlei Krimskrams. Die Verkäufer sind meist Menschen im Rentenalter. Einige verkaufen Dinge, die sie von ihren Großvätern und Urgroßvätern geerbt haben – Uhren oder Kristall-Geschirr. Hier findet man auch Auszeichnungen aus der Sowjetzeit. Man muss jedoch bedenken, dass der Verkauf von Orden und Medaillen gesetzlich verboten ist, sodass es sich bei den auf dem Flohmarkt angebotenen Medaillen höchstwahrscheinlich um Kopien handelt.
Ismailowo ist ein Magnet für Sammler. Hier findet man Briefmarkensammlungen oder Gegenstände, die in verschiedenen Teilen der Welt gekauft wurden. Die Geschichten darüber, woher die zum Verkauf stehenden Waren stammen, sind nicht weniger interessant als die Gegenstände selbst. Ein älterer Mann erzählt, dass er Dinge verkauft, die er von Hausmeistern gekauft hat. Diese finden solche Dinge in verlassenen Häusern.
Der nächste Bereich ist die Antiquitätenabteilung. Hier sind die Waren in der Regel teurer. Seltene Uhren, Schmuck, Stühle aus dem späten 19. Jahrhundert. Dieser Ort ist wirklich beeindruckend. Liebhaber von Antiquitäten und Oldtimern werden es hier sicher mögen.
Weiter geht es zum echten Flohmarkt, wo die Leute alles verkaufen, was sie zu Hause finden können. Das können sowohl Dinge aus der Sowjetzeit als auch moderne Artikel sein. Hier findet man sowohl Teile für alte Telefone und Kameras als auch Kleidung und Gegenstände für jeden Geschmack und Geldbeutel. Von hier aus gelangt man direkt in die „Allee der Malerei“, wo Künstler ihre Meisterwerk verkaufen.
Den Rundgang über den Flohmarkt kann man auf der Treppe beenden, wo die Verkäufer ihre Waren auslegen. Der Ort ist insgesamt eher traurig. Hier handeln keine Sammler, sondern größtenteils Rentner, die alles verkaufen, was sie können, um sich ein wenig dazuzuverdienen.
Mosvintage
Dieser Antiquitätenflohmarkt befand sich früher in der Nähe der U-Bahn-Station Sokolniki, zieht jedoch nun ständig um, sodass die aktuelle Adresse auf der offiziellen Webseite mosvintage.ru zu finden ist. Dieser Flohmarkt hat sein eigenes Format: Hier werden Waren verkauft, die aus den 1980er Jahren stammen und noch älter sind. Dieses Mal hat sich Mosvintage im Innenhof des Moskauer Museums niedergelassen und es für das Wochenende in Beschlag genommen. Es gibt hier nicht so viele Verkäufer wie auf der Ismailowo-Vernissage, insgesamt nur etwa 80 Teilnehmer. Dafür sind die Waren eindeutig sehenswert. Es fällt schwer, an den alten Schmuckstücken aus verschiedenen europäischen Ländern vorbeizugehen. Nicht weniger interessant sind die Dinge aus der Sowjetzeit – Puppen, Geschirr, Schals und vieles mehr. Am meisten beeindruckt hat mich der Stand mit alten Fotoapparaten. Es gibt dort etwa hundert davon. Außerdem stellte sich der Verkäufer als Musikliebhaber heraus. Auch wegen Vinylplatten kommen viele Moskauer auf die Flohmärkte.
Antiquitätengeschäft „Retro“
„Retro“ muss man nicht nur als Antiquitätengeschäft, sondern als echtes Museum bezeichnen. Früher war es der größte Flohmarkt, der sich im Gebäude der Fabrik „Kristall“ befand. Im Jahr 2024 zog er in ein dreistöckiges Haus in der Dubininskaja-Straße um. Die Besitzer seltener Waren verkauften ihre Sachen einfach an den Laden, und so füllte sich das Geschäft mit ungewöhnlichen Gegenständen und Büchern.
Im Erdgeschoss befinden sich Vintage-Artikel: Hier gibt es den berühmten Olympia-Bären, jede Menge Porzellan und Münzen sowie alte Zigaretten und sogar Alkoholflaschen. Die Artikel sind hier sehr günstig – z. B. kostet da eine Tasse nur 50 Rubel. Wenn Sie auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Geschenk sind, sind Sie im „Retro“ genau richtig.
Im zweiten Stock werden seltene Antiquitäten ausgestellt. Das Fotografieren ist verboten. Hier findet man eine Fundgrube der seltensten Waren der Welt – von Geschenken des Zaren Nikolaus II. bis hin zu einer Figur der Prinzessin Diana. Die Verkäufer versichern, dass diese Dinge unbezahlbar sind, was sie jedoch nicht davon abhält, sie mit Preisschildern mit mehrstelligen Zahlrn zu versehen.
Im dritten Stock werden Bücher aufbewahrt. Natürlich ist hier keine moderne Literatur zu finden, aber dafür Bücher aus dem letzten oder sogar vorletzten Jahrhundert. Auch wenn man nicht hierherkommt, um etwas Seltenes zu kaufen, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Die Konzentration an Vintage-Artikeln und Antiquitäten ist hier höher als anderswo.
Moskauer Flohmärkte sind weniger ein Ort des Handels als vielmehr eine wunderbare Attraktion. Man geht dorthin wegen der Atmosphäre. Und findet sie auch.
Glafira Baturina
Запись Von Matrjoschkas bis Lady Di: Auf den Flohmärkten Moskaus впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
