Bundesliga-Check 2025/26: Bremen, Stuttgart & Heidenheim
Werder Bremen
Wirklich besser als auf dem diesjährigen 8. Platz landete der SVW zuletzt 2010, da war noch Thomas Schaaf Trainer (warum auch nicht?) und auf dem Platz standen Spieler wie Mesut Oezil, Per Mertesacker, Thorsten Frings oder Claudio Pizzaro. Lange Zeit hatte man sogar davon geträumt mal wieder international zu spielen, am Ende fehlten dazu 2 Punkte in einer Spielzeit, in der Bremen zeigte, dass man, wenn alle an Bord und in Form sind, durchaus oben mitspielen kann, der Kader aber doch etwas zu dünn war, um dieses auf Dauer zu tun. In einer Mannschaft ohne ganz große Stars, war der Erfolgsgarant der Trainer: Ole Werner, die leider seltene Symbiose aus sympathisch und kompetent, der Werder in den vergangenen 4 Jahren aus den Niederungen der zweiten Liga wieder zu einem festen Bestandteil der Bundesliga zurückgeführt hatte und eigentlich prädestiniert dafür schien nach Rehhagel und Schaaf die dritte große Trainer-Ära an der Weser einzuleiten.
Aber dann kam alles sehr schnell ganz anders: Etwas überraschend verweigerte Werner eine vorzeitige Verlängerung seines 2026 auslaufenden Vertrages (und entledigte sich kurz danach auch gleich endgültig jeglicher lästigen Sympathien, indem er bei RB Leipzig anheuerte), worauf Werder schnell reagierte und Werner durch den gerade eben erst mit Elversberg in der Relegation gescheiterten Horst Steffen ersetzte. Richtig Optimismus kam damit aber noch nicht auf in Bremen, denn nacheinander fielen mit Marvin Ducksch (31, Wadenverletzung), Jens Stage (28, Fußverletzung) und Mitchell Weiser (31, Kreuzbandriss) gleich drei Stammspieler mittel- bis langfristig aus. Auf dem Transfermarkt konnte man mit Maximilian Wöber einen Ex-Borussen ausleihen, wobei der Österreicher aber anders als in Gladbach nicht für die Innenverteidigung, sondern als linker Außenverteidiger eingeplant ist. Der bisherige Coup des Bremer Transfersommers ist allerdings die Verpflichtung von Samuel Mbangula von Juventus Turin, mit ca. 10 Millionen Ablöse (+Boni) der bislang zweitteuerste Einkauf der Bremer Vereinsgeschichte. Der 21-jährige Belgier soll wohl in der Offensive von außen kommen, verletzte sich aber gleich im Trainingslager und war dementsprechende beim Pokalauftakt erstmal nur auf der Ersatzbank zu finden. Bei dieser Pokalniederlage in Bielefeld verletzte sich dann auch gleich noch Wöber muskulär und fällt für einige Wochen aus. Nimmt man noch dazu, dass mit dem Abgang von Ducksch nach Bremen jetzt auch noch Werders bester Torschütze fehlt, so kann man schon von einer weniger gelungenen Sommerpause für den SV Werder sprechen.
Horst Steffen geht in die Saison 2025/26 nicht nur mit dem seltsamen Widerspruch Trainer-Novize auf Erstliga-Niveau aber gleichzeitig auch der älteste Trainer der Liga zu sein, sondern auch mit einer anspruchsvollen Aufgabe. Selbst wenn Mbangula einschlägt wie gehofft ist der Kader angesichts der Ausfälle kaum stärker einzuschätzen während im Umfeld – wie sich das für einen Traditionsverein mit erfolgreicher Historie gehört – die Hoffnungen groß sind nach dem 8. und 9. jetzt wirklich mal in internationale Regionen vorzustoßen. Es ist zu erwarten, dass Fan-Erwartungen und Realität auch hier mal wieder nicht komplett kompatibel sind und Werder tut gut daran, sich erstmal nach hinten abzusichern. Mehr als Rang 10-14 scheint in dieser Saison nicht drin zu sein für die Hanseaten.
VFB Stuttgart
Die Entwicklung des VFB Stuttgart in den letzten 3 Jahren, sollte Borussen-Fans irgendwie bekannt vorkommen. Erst rettet ein Trainerwechsel eine bis dahin grausame Saison noch durch einen Klassenerhalt in der Relegation, dann führt der Wundertrainer das Team mit wundervollem Fussball in die Champions-League. Daraufhin wird man zur Belohnung von den großen (vor allem vom bösen BVB) leergekauft, um dann in der Folge in einer unausgeglichenen Spielzeit im Mittelfeld der Liga zu landen. Man könnte den VFB eigentlich wegen Plagiats der Gladbacher Entwicklung 2010-2013 verklagen, wenn da nicht der kleine aber feine Unterschied wäre, dass der VFB die Saison 2024/25 zwar nur als Tabellenneunter aber auch als Pokalsieger hinter sich lässt.
In der Sommerpause gab es rund um den VFB nur eine Frage: Woltemade zu Bayern oder wollte er nicht (schlechte Worstpiele weglassen hilft ja auch nicht wirklich weiter)? Warum genau die Bayern bereit sind für einen Stürmer mit 12 Saionstoren im Vorjahr 60 Millionen zu zahlen, wenn sie doch einen formidablen 11-Tore Mann wie Alassane Plea für nur 4 Millionen hätten bekommen können, versteht natürlich kein Mensch. Vermutlich hat Uli H aus Langeweile im Sommer die U21-EM im Fernsehen und dann die Direktive “der lange Lulatsch ist recht gut, den musst Du holen Maxi” ausgegeben. Warum der VFB bislang diese üppigen Angebote für einen Spieler mit nur einer ordentlichen Bundesliga-Saison auf dem Buckel ablehnt, ist natürlich ähnlich seltsam. Außer dem potenziellen Abgang ihres schnauzbärtigen Riesenbabys verliert der VFB mit Enzo Millot bislang nur einen einzigen weiteren Stammspieler, wobei der Belgier mit seinem Wechsel nach Saudi Al-Ahli wohl einen Kindheitstraum wahr macht (den, wo man scheissviel Geld verdient) und den Schwaben ca. 30 Millionen Euro in die Vereinskasse spült. Teuerste Verstärkung (Ablöse wohl 11,5 Millionen) ist der von Stade Rennes gekommene Lorenz Assignon, der die Abwehr auf der rechten Außenposition festigen sollen. Eine Rückkehr von Tiago Tomas von Wolfsburg hat sich der VFB einen ähnlichen Betrag kosten lassen. Ansonsten scheint aber ein wesentlicher Fokus der schwäbischen Tranferaktivitäten die Verpflichtung von jungen Perspektivspielern wie Jovanovic (Serbien) und den aus Spanien gekommenen Andres und Darvich zu sein.
Ein wenig droht dem VFB mit der Woltemade-Saga die Eintracht-Problematik von 2023, als die Hessen zwar 5 Minuten vor Transfersschluss Kolo Muani für einen Riesenbatzen verkaufen konnten, dann aber keine Zeit mehr hatten das Geld noch den Kader zu investieren. Aber selbst bei einem Last Minute-Abgang ihres Shooting-Stars sieht nicht alles düster aus für die Schwaben. Vizemeister vor den Bayern zu werden, wird sicher nicht so schnell wieder gelingen, aber man geht in die dritte Saison mit einem Trainer, der eine klare Spielidee hat, einem Kader, der immer noch viele Gesichter hat, die den wundersamen Weg der letzten beiden Spielzeiten mitgegangen sind und einigen vielversprechenden Talenten im Team. Es ist zu erwarten, dass Stuttgart erneut um die internationalen Plätze mitspielt und am Ende zwischen Rang 5-8 endet.
FC Heidenheim
So richtig Spaß an der Saison 24/25 hatte man in Heidenheim nur zwei Spieltage lang. Da lag man nämlich für einen kurzen Moment mal auf dem ersten Platz, bevor dann eine Saison mit Abstiegskampf pur begann und die Rettung erst in der 5. Minute der Nachspielzeit beim zweiten Relegationsspiel in Elversberg sichergestellt werden konnte. Heidenheim in der Vorsaison war das Paradebeispiel, wie problematisch das internationale Geschäft für einen kleinen Verein werden kann. In der Ligaphase der Conference League schlugen sich die Heidenheimer dabei sehr gut, scheiterten darauf nur denkbar knapp an Kopenhagen in der Zwischenrunde, aber das Kerngeschäft Bundesliga litt doch arg darunter. Nicht nur war der Heidenheimer Kader zu dünn besetzt, um solche eine Mehrfachbelastung einfach wegzustecken, hinzukommt noch, dass Schmidt-Fussball sehr viel Intensität und Einsatz erforderte. Vor dem Ausscheiden aus der Conference-League war der Punkteschnitt der Männer von der Schwäbischen Alb 0.64 pro Spiel, danach verdoppelte er sich fast auf 1.25. Man könnte argumentieren, dass Rodrigo Huescas Tor für den FC Kopenhagen am 20. Februar 2025 der eigentliche Treffer zum Nichtabstieg war.
Der Transfersommer war in Heidenheim genauso spannend wie der Verein als solcher ist. Natürlich rüttelte niemand am Fast-Abstiegstrainer Frank Schmidt, natürlich gab es keinen großen Einkaufsbummel durch die Ligen Europas, um erneuten Abstiegskampf auszuschließen. Selbst der für heiße Transfergerüchte prädestinierte Norman Theuerkauf beendete einfach nur still und leise seine Karriere mit 38 Jahren. Man kann nur erahnen, wie die Fabrizio Romanos und Florian Plettenbergs dieser Welt den FCH wohl hassen müssen. Die vielleicht bedeutendste Veränderung im Kader ist, dass die beiden von Bayern ausgeliehenen Wanner und Krätzig zurück nach München kehrten.
Wohlwollend könnte man zusammenfassen, dass man in Heidenheim in Sachen Transfers kein Risiko eingeht. Andererseits ist rein sportlich betrachtet genau das höchst riskant. Gelang es im Vorjahr so gerade eben die eher bescheidenen Mitstreiter Bochum und Kiel hinter sich zu lassen, so sind mit dem FC und dem HSV nun zwei Aufsteiger in der Liga, die keine Hemmung haben werden nicht vorhandene Gelder zu investieren, sollte es für sie eng mit dem Klassenerhalt werden. Bei Heidenheim bleibt der Trainer der Star und ohne zusätzliche Belastung durch europäische Spiel wird Heidenheim vermutlich wieder ein unangenehmerer, kompakt stehender und laufstarker Gegner sein, aber ob das am Ende reicht, darf man bezweifeln. In diesem Jahr ist Heidenheim ein heißer Abstiegskandidat, der über Platz 14 oder 15 zum Schluss schon sehr froh sein dürfte.
