Lehrerberuf wird attraktiver
So etwas gab es nicht einmal in der Sowjetunion, wundert sich der russische Bildungsminister Sergej Krawzow. Pädagogische Studiengänge sind im Jahr 2025 bei angehenden Studierenden äußerst populär geworden. Zuvor hatte auch der stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Tschernyschenko über eine Rekordzahl von Bewerbern an Hochschulen berichtet, die ein Lehramts- oder Pädagogikstudium aufnehmen wollen. Ihm zufolge ist die Zahl dieser Studieninteressierten im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gestiegen.
Rekordzahl von Bewerbungen
Genaue Zahlen zu den Studienanfängern in den Lehramtsstudiengängen in diesem Jahr liegen noch nicht vor. Die vollständige offizielle Statistik wird frühestens im Oktober oder November veröffentlicht. Jedoch kann bereits jetzt mit Sicherheit gesagt werden, dass der Anstieg recht erheblich ist. Stand Ende Juli wurde für Lehramtsstudiengänge eine Rekordzahl von Bewerbungen eingereicht – mehr als 514 000 im Vergleich zu etwa 370 000 im Jahr 2024 und 250 000 im Jahr 2023. Die führende pädagogische Hochschule – Moskauer Pädagogische Staatliche Universität (MSPU) – wurde von fast 24 500 Bewerbern ausgewählt, was die Zahlen vom Vorjahr deutlich übertrifft.
Laut Sergej Tarassow, Rektor der Pädagogischen Herzen-Universität (RGPU) in St. Petersburg, führt der Studiengang „Linguistik, Übersetzen und Übersetzungswissenschaft“ die Rangliste der Bewerberzahlen an. Wie die „Rossijskaja gaseta“ schreibt, wird auch ein erhöhtes Interesse an den Fächern Geschichte, Soziologie, Psychologie und Philologie verzeichnet.
Geht man nach der Webseite der Staatlichen Pädagogischen Universität Baschkiriens, wo Daten zu immatrikulierten Studierenden vorliegen, so sind die beliebtesten Fächer unter den angehenden Lehrkräften Sport, Geschichte und Sozialkunde. Etwas weniger Interessenten haben sich für das Fach Russische Sprache und Literatur entschieden.
Ein Traumberuf oder keine Alternative?
Die Frage ist, ob die Studienbewerber wirklich den Wunsch haben, Lehrer zu werden, oder sie keine Alternative haben. „Ich glaube nicht, dass so viele junge Leute nach dem Universitätsabschluss wirklich als Lehrer arbeiten wollen“, teilte der Lehrer einer Moskauer Schule im Gespräch mit der MDZ mit. Er meint, dass sie an pädagogische Universitäten gehen, nur um eine Hochschulbildung zu erhalten. „Es gibt einen großen Wettbewerb für Finanziers und Anwälte, nicht jeder beherrscht technische Fächer, so ist die pädagogische Hochschule da“.
Die Lehrer beschweren sich über eine enorme Belastung bei eher bescheidenen Gehältern. Dabei geht es insbesondere um den ständigen Druck und enormen Stress. Dieser entsteht durch ständige Kontrollen in Form verschiedener Tests, von deren Ergebnissen die Bewertung der Schule und ihr Platz im Ranking abhängen. Zusätzlich zu all dem müssen die Lehrkräfte auch noch an einer unglaublichen Anzahl von Wettbewerben teilnehmen. Das ist wirklich anstrengend. Bei Weitem nicht alle jungen Fachkräfte widerstehen den Herausforderungen, denen sie in diesem Beruf gegenüberstehen. Nicht selten wechseln sie in ein paar Jahren ihren Tätigkeitsbereich.
Staatsprogramme für Lehrer
Dabei bietet der Staat verschiedene Programme, um die pädagogische Ausbildung attraktiver zu gestalten. So können Studierende einen Vertrag mit einem künftigen Arbeitgeber (oft der regionalen Schulbehörde) abschließen, wodurch sie ein erhöhtes Stipendium sowie soziale Garantien erhalten. Für Lehrkräfte, die in Kleinstädte oder ländliche Gebiete ziehen, um dort zu arbeiten, ist eine Prämie in Höhe von einer Million Rubel vorgesehen.
Inzwischen werden im Rahmen einer gemeinsamen Initiative des Bildungsministeriums und der Staatsduma spezielle Kommissionen zum Schutz der Ehre und Würde von Lehrkräften eingerichtet. Ziel dieser Gremien ist es, Konfliktsituationen operativ zu lösen und den Pädagogen Unterstützung zu gewährleisten. Geplant ist zudem die Schaffung eines Rates zur Wahrung der Lehrerinteressen.
Es sei auch erwähnt, dass ein Lehrerdiplom praktisch eine garantierte Anstellung bedeutet. Die Nachfrage nach Lehrkräften ist nach wie vor stabil hoch. Die Sozialleistungen des Staates sowie der lange Sommerurlaub können zu entscheidenden Faktoren bei der Wahl des Studienfachs werden.
Das ist die staatliche Politik im Bildungsbereich. Es sieht so aus, als würde heute eine ganze Armee von Lehrern zielgerichtet vorbereitet, die bei der Erziehung einer neuen Generation und der Bildung neuer Werte als geschlossene Front auftreten wird. Die Frage ist nur, ob die Anzahl der Lehrer sich auch auf die Qualität des Unterrichts auswirkt.
Alexandra Sawkina
Запись Lehrerberuf wird attraktiver впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
