Zu Gast bei der russischen Carmen
Sie waren eines der schillerndsten Paare ihrer Zeit. Während im Westen buchstäblich für jeden, der sich für russische Kunst interessierte, der Cellist Mstislaw Rostropowitsch und die Sängerin Galina Wischnewskaja ein Begriff waren, kannte man in der Sowjetunion eher den nicht emigrierten Komponisten Rodion Schtschedrin und die Ballerina Maja Plissezkaja. Speziell für Maja schrieb Schtschedrin die „Carmen-Suite“, eine Transkription der Musik der berühmten Oper von Bizet. Es ist das meistgespielte Werk von Rodion Schtschedrin. Plissezkaja tanzte Carmen 350 Mal. Und nach den Aufführungen kehrte die Ballerina in ihre Wohnung in der Twerskaja-Straße 25/9 zurück. Diese Adresse ist für dieses hervorragende Künstlerpaar von großer Bedeutung.
Sie hatten noch eine weitere Adresse: Theresienstraße 23, München. Die Familie Schtschedrin-Plissezkaja hat viele Verbindungen zu Deutschland. Das Ehepaar lebte von 1990 bis 2012 in der bayerischen Landeshauptstadt. Im September 2000 wurde in Mainz die Internationale Stiftung von Maja Plissezkaja und Rodion Schtschedrin gegründet, deren Ziel es ist, junge Künstler auf der ganzen Welt zu unterstützen, das kulturelle und historische Erbe zu bewahren und die Entwicklung von Ballett und Musik weltweit zu fördern.
Twerskaja Straße, 25/9, Wohnung 31, Eingang 2
Aber auch in München vergaß Plissezkaja ihre Moskauer Wohnung nicht, in der das Ehepaar 28 Jahre lang, von 1963 bis 1991, gelebt hatte. Das letzte Mal besuchte Plissezkaja sie kurz vor ihrem Tod im Frühjahr 2015. Und im Jahr 2022 schenkte Schtschedrin das Familiennest dem Bachrushin-Theatermuseum.
Laut der Kuratorin des Maja-Plissezkaja-Museums und der Kunsthistorikerin Oxana Karnowitsch umfasst die Ausstellung in der Gedenkwohnung im 6. Stock eines Wohnhauses an der Twerskaja etwa 1000 Artefakte und kulturelle Relikte – von den ersten Kinderschuhen der zukünftigen Ballerina bis hin zu einer antiken Ikone „Still meine Trauer“. Diese Ikone wurde in der Familie von Rodion Schtschedrin aufbewahrt, dessen Großvater Priester war. Das Juwel der Sammlung sind zwei Original-Lithografien von Marc Chagall: Einer der berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts hinterließ auf diesen Werken eine Widmung. Selbstverständlich befinden sich im Haus von Schtschedrin und Plissezkaja zahlreiche einzigartige Fotos des Paares, das sich bei Lilja Brik, der Geliebten Majakowskis und „Muse der russischen Avantgarde“, kennengelernt hatte und 57 Jahre lang zusammenlebte.
Jewgenia Safronowa
Запись Zu Gast bei der russischen Carmen впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
