Filmfest: Preisverleihung bei Max Ophüls: "Einfach ein Geschenk"
Euphorie, Stolz und Persönliches: Die Abschlussgala in Saarbrücken war der emotionale Höhepunkt beim Filmfestival Max Ophüls Preis. Was die Auszeichnungen für die Gewinner bedeuten.
Es waren längst noch nicht alle Auszeichnungen beim 47. Filmfestival Max Ophüls Preis vergeben, da rief Moderator und Schauspieler Eugene Boateng zum "Reality Check" auf: "Es kommen Menschen, die ihr ganzes Herz in etwas reinstecken, die werden geehrt, die werden gesehen. Das ist alles einfach nicht selbstverständlich. Es ist richtig krass. Es ist ein Geschenk, es ist einfach ein Geschenk!"
Das jedoch nahmen die jungen Filmemacher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sehr bewusst und mit viel Euphorie und Rührung an - vor allem die, die einen der 18 Preise ergatterten. Einer von ihnen: der aus Erfurt stammende Ben Voit, der für seinen ersten Langfilm "Gropiusstadt Supernova" (DE 2026) den mit 36.000 Euro dotierten Hauptpreis für den besten Spielfilm erhielt.
"Wie Stella in dem Film gesagt hat: Wir möchten besonders den Leuten danken, die nicht an uns geglaubt haben", sagte er augenzwinkernd. Insgesamt habe man für die Arbeit nur 13.000 Euro zur Verfügung gehabt, "und irgendwie alle haben uns die Türen zugeschlagen und gesagt, es ist unmöglich."
Die Jury sah das anders: Sie lobte die große filmische Intensität von dem Film, der in einer Plattenbausiedlung in Berlin von drei jungen Menschen an einem Wendepunkt erzählt, und urteilte: "Die Figuren sind lebendig und so glaubwürdig interpretiert, dass wir gar nicht mehr wegschauen wollen. Man hofft mit ihnen und fürchtet um sie."
Gleich vier Filme wurden zweimal ausgezeichnet
Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 123.500 Euro vergeben. Sowohl den Preis für das beste Drehbuch als auch für den gesellschaftlich relevanten Film erhielt Ali Tamim (Regie und Drehbuch) für sein Langfilmdebüt "Noah" (DE 2025). Er erzählt von vier Schicksalen, die sich nach dem Tod des jungen Arabers Noah nach einer Polizeikontrolle verschränken. "Ein Film, der Betroffene rassistischer Gewalt konsequent zentriert und zugleich die Ambivalenzen ihrer Erfahrungen spürbar macht", urteilten die Juroren. Auch mit dem Deutschen Drehbuchpreis war "Noah" bereits ausgezeichnet worden.
So offen und intim, wie viele Filme dieses Jahrganges waren, so persönlich war auch die Dankesrede von Ali Tamim, in der er erzählte, dass es bei ihm zu Hause keine Bücher gab, ihm niemand etwas vorgelesen habe, aber es für seine Eltern immer wichtig gewesen sei, dass er zur Schule gehe. "Da habe ich gelernt, Wörter aneinanderzureihen, und jetzt stehe ich hier oben. Danke für alles", sagte er. Dass er zudem für den "gesellschaftlich relevanten Film" ausgezeichnet werde, sei eine besonders große Ehre.
Schicksale von Frauen im Mittelpunkt
Der Publikumspreis Spielfilm und der Preis der ökumenischen Jury ging an "Wovon sollen wir träumen" (DE 2025) von Milena Aboyan und Constantin Hatz. Nach Meinung der Jury lade der Film über die Schicksale dreier Frauen "mit klaren Bildern" dazu ein, genauer hinzusehen: auf Gewalterfahrung, Ausgrenzung, innere und äußere Kämpfe.
Der Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin für die beste Regie ging an Magdalena Chmielewska für "Teresas Körper" (AT 2026). Die gebürtige Polin, die in Wien lebt, widmete den Film ihrer Mutter und all den Schicksalen von Frauen, für die ihre Geschichte stehe und die in ihren Zukunftsträumen und in ihrem Leben vom System beschnitten worden seien.
Doppel-Gewinner aus Österreich und der Schweiz
"Die gemeinen Kleinigkeiten" (AT 2026) des Österreichers Florian Moses Bayer (Regie und Buch) sahnte doppelt ab, weil sich Kritiker und Besucher einig waren: Der Film über Josef, der sich von seinem eigenen Gewicht erdrückt fühlt, bis er Rapper Monobrother trifft, wurde als bester Kurzfilm ausgezeichnet und erhielt zudem den Publikumspreis Kurzfilm. "Mit scharfem Blick für die leisen Momente zeigt uns dieser Film, wie oft manche von uns erniedrigt, verletzt und angegriffen werden - weil sie nicht der vermeintlichen Norm entsprechen", kommentierte die Jury.
Der Schweizer Jonas Ulrich erhielt für seinen ersten Langfilm "Wolves" (CH 2025) über die 23-jährige Luana, die eine Black-Metal-Band begleitet, ebenfalls zwei Auszeichnungen: den Preis der Jugendjury und den Preis der Filmkritik für den besten Spielfilm. "In Bildern von großer Schönheit erzählt dieses Drama von Grenzen, die sich verschieben, und Abgründen, die sich auftun, wobei die kleine auf die große Welt verweist", heißt es in der Begründung.
Auch Auszeichnungen für Schauspielnachwuchs
Als bester mittellanger Film wurde "Harika" (DE 2026) von Beran Ergün (Regie, Buch, Montage) ausgezeichnet. Bester Dokumentarfilm wurde "Die noch unbekannten Tage" (AT 2026) von Jola Wieczorek (Regie und Buch) über Migration und Identität und einen Prozess des Sich-Erinnerns.
Als bester Schauspielnachwuchs wurden Tommes Diallo in "Champions und wir" (DE 2026) und Emilia Warenski in "Bleistiftstriche" (AT 2026) ausgezeichnet.
Wichtiges Sprungbrett für deutschsprachige Film-Talente
Das MOP gilt als das wichtigste Festival für deutschsprachige Film-Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach längerer Zeit wurde mit dem Dokumentarfilm "Terre rouge - Topographie du poète" (LU 2025) von Fränz Hausemer (Regie, Buch, Montage, Musik) auch wieder ein Beitrag aus Luxemburg geehrt. "Ein filmisches Denkmal über Vergänglichkeit und Lebenskunst, das tief berührt", urteilte die Jury.
Insgesamt waren in den vier Wettbewerbskategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm 57 Filme ins Rennen gegangen - darunter 46 Uraufführungen. Nach Angaben von Festivalleiterin Svenja Böttger erzählten sie sehr offen und persönlich zu Themen wie Arbeitswelten, Klimawandel, mentale Gesundheit, Selbstverwirklichung, Reality-TV und Männlichkeitsbilder.
Programmleiterin Theresa Winkler bedankte sich bei den Filmemachern für den Mut, diese Geschichten zu erzählen und sich zu positionieren. "Ihr schafft es, uns damit zu berühren und das ist wunderschön", bilanzierte sie. In den Filmen sehe man stark, was sich dabei als Motto entwickelt habe: "Am Ende siegt die Menschlichkeit."
