Elektromobilität: Prämie hebt Interesse an E-Autos stark und sorgt für Kritik
Das Förderprogramm für Stromer zeigt erste Wirkung: Das Interesse ist groß. Branchenexperte Dudenhöffer spricht dennoch von einer "Vergeudung von Steuergeldern", die den falschen nützen könnte.
Die neue Förderung für Elektroautos hat das Kundeninteresse bereits kurz nach ihrer Ankündigung sprunghaft steigen lassen. Sowohl die Onlineplattformen Meinauto.de und Carwow als auch der Präsident des Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Thomas Peckruhn, bestätigen dies auf Anfrage der dpa. Bei den Plattformen hat sich die Zahl der Anfragen teilweise vervielfacht. Es gibt aber auch Kritik, unter anderem vom Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer.
"Wir sehen derzeit ein sehr hohes Interesse. Ich denke, es kommt bei den Privatkunden sehr gut an", sagt Peckruhn über das Förderprogramm. Die Erfahrung zeige, dass solche Aktionen des Staats immer eine deutliche Reaktion bei den Kunden erzeugten. Das sei schon bei der Abwrackprämie 2009 so gewesen und dann auch bei der ersten Elektroautoförderung. Leider habe deren abruptes Ende aber auch einen sehr starken Effekt in die andere Richtung gezeigt.
Viele Kunden haben Fragen
Vielen Kunden kämen auch mit Fragen, sagt Peckruhn. Kompliziert werde es vor allem bei Leasingverträgen, wenn die Prämie vorfinanziert werden müsse - schließlich könne man sie erst nach der Zulassung beantragen. Das führe dazu, dass ein Teil der Kunden derzeit auch noch abwarte, wie die Regelungen ganz konkret ausfallen. Der ZDK hat daher bereits die Bundesregierung aufgefordert, bei der Umsetzung des Programms keine Zeit zu verlieren.
Ein anderer Teil der Kunden habe aber auch schon bestellt, teilweise noch im alten Jahr, nachdem klar geworden sei, dass für die Förderung der Zulassungszeitpunkt entscheidend ist. Angesichts der Lieferzeiten von Neuwagen vergehen zwischen Bestellung und Neuzulassung in der Regel Monate. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich die Auswirkungen der Förderung bei den Neuzulassungszahlen erst in einigen Monaten voll zeigen. Dann wird auch klar werden, ob die Prämie nur Interesse und Informationsbedarf erzeugt oder auch konkrete Kaufabschlüsse gebracht hat.
Sprunghafte Anstiege im Netz
Auch im Internet zeigt sich das hohe Interesse sehr deutlich: Bei Meinauto.de hat sich der Traffic auf den Seiten zu Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Prämien im Vergleich zum Dezember mehr als verzehnfacht, wie ein Sprecher sagt. Interessanterweise ist allerdings auch das Interesse an anderen Antriebsarten gestiegen, wenn auch in sehr viel geringerem Maß. "Die Förderung hat bei vielen wohl den Wunsch auf Neuwagen geweckt."
Carwow verzeichnete nach der offiziellen Ankündigung der Förderung einen Anstieg der Anfragen zu Elektroautos auf mehr als das Dreifache im Vergleich zur Vorwoche. Elektrofahrzeuge machten dadurch fast drei Viertel der Anfragen aus.
1.500 bis 6.000 Euro Förderung
Das Bundesumweltministerium hatte vergangene Woche angekündigt, dass Privatkunden beim Kauf von reinen Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Elektroautos mit Range Extender wieder eine staatliche Förderung bekommen können. Je nach Fahrzeugart und persönlichen Umständen liegt sie zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Doch es gibt Einkommensobergrenzen - für eine Familie mit zwei Kindern sind es beispielsweise 90.000 Euro. Und die maximale Förderung von 6.000 Euro bekommt diese Familie nur mit einem Haushaltseinkommen von maximal 45.000 Euro.
Unter anderem hier setzt Dudenhöffers Kritik an: "Familien mit Kindern, die über ein Jahreseinkommen von 45.000 Euro und weniger verfügen, kaufen üblicherweise Gebrauchtwagen und haben, wenn sie in Städten wohnen, üblicherweise keine Möglichkeit eine Wallbox zu installieren", sagt der Branchenexperte. Insgesamt sei die Prämie "ein steuerfinanziertes Förderprogramm", das der Markt nicht brauche. Schließlich hätten schon vor ihrer Einführung steigende Rabatte auf Elektroautos deren Absatz angetrieben.
Prämie könnte Importe aus China fördern
Es werde nun spannend, ob mit Unterstützung der Prämie der Anteil billiger Importe - insbesondere aus China - steige, sagt er. "Die Voraussetzungen dazu hat das Umweltministerium mit der Förderprämie geschaffen." Insbesondere die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche mit ihren vergleichsweise teuren Autos könnten nur zusehen. "Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie wird durch eine kleine Sonderkonjunktur E-Auto nicht geholfen."
Zumindest im Januar hat die Ankündigung der Prämie bisher nicht zu starken Ausschlägen bei Rabatten wichtiger Modelle geführt. Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, dass die Hersteller weniger eigenen Rabatt geben, wenn der Staat dafür sorgt, dass die Autos billiger werden. Im Schnitt der wichtigsten von Dudenhöffer beobachteten Fahrzeuge ist der Rabatt auf Stromer im vergangenen Monat aber sogar leicht angestiegen. "Bis auf einige Lockvogel-Angebote konnten wir wenig systematische Veränderungen im Markt durch die Prämienankündigung erkennen", sagt Dudenhöffer.
