morgenstern: Krieg oder Deal – wohin steuern die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Diplomatische Töne aus den USA und dem Iran. 15-Jähriger soll rechte Terrorgruppe gegründet haben. Und: Merz in Peking überraschend wendig. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
heute setzen die USA und der Iran in Genf ihre indirekten Gespräche über das iranische Atomprogramm fort. Die iranische Delegation wird von Außenminister Abbas Araghtschi geleitet. Für die USA nehmen die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner teil. Die dritte Verhandlungsrunde unter Vermittlung des Golfstaates Oman erfolgt vor der Drohkulisse der enormen Streitmacht, die Trump gerade im Nahen Osten zusammenzieht.
Der Journalist und Buchautor Erich Follath fürchtet, dass Trump sich genötigt fühlen könnte, das geballte Militär nicht aus seiner Sicht umsonst in der Region auffahren zu lassen. „Er wird sich fast gezwungen fühlen, diese Armada in irgendeiner Form einzusetzen, zumindest für einen begrenzten Militärschlag“, sagt Follath im Gespräch mit meinem Kollegen Steffen Gassel. Amerikanische Medien berichten mit Bezug auf Quellen aus dem Weißen Haus, dass der Präsident bei der Abwägung der Angriffsfrage unentschieden sei.
Diplomatische Töne aus den USA und dem Iran
Die Töne, die im Vorfeld des Gesprächs zu vernehmen sind, klingen zumindest etwas gemäßigter. Araghtschi schrieb im Vorfeld bei X, er hoffe in Genf einen „fairen und gerechten Deal zu erreichen – in der kürzestmöglichen Zeit“. Er schrieb außerdem, der Iran würde „unter keinen Umständen“ jemals eine nukleare Waffe entwickeln. Ein Deal sei in Reichweite, schloss er, wenn der Diplomatie Priorität gegeben werde.
Trump hatte in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag ebenfalls bekräftigt, den diplomatischen Weg zu bevorzugen. Er sagte aber auch, dass er es dem Iran nicht erlauben würde, Atomwaffen herzustellen und zu besitzen. Trumps Vizepräsident J.D. Vance sprach wiederum am Mittwoch von Hinweisen darauf, dass der Iran nach den US-Angriffen im Juni sein Atomprogramm wieder aufbaue. Und US-Außenminister Marco Rubio äußerte den Verdacht, der Iran versuche Interkontinentalraketen zu entwickeln, die irgendwann auch die USA erreichen könnten.
Über sein Raketenprogramm wolle der Iran allerdings mit den USA nicht sprechen. Das sei ein „großes Problem“, so Rubio. Und Araghtschi zufolge besteht sein Land darauf, auch künftig Uran anzureichern, um Nukleartechnologie für zivile Zwecke zu nutzen. Eine weitere Bedingung des Irans sei das Recht, seine Vorräte an hochangereichertem Uran, das für den Bau von Atomwaffen notwendig ist, zu verdünnen, schreibt der britische „Guardian“.
Klingt alles danach, als werde die dritte Verhandlungsrunde in Genf nicht die letzte – wenn es beim diplomatischen Weg bleibt.
15-Jähriger soll rechte Terrorgruppe gegründet haben
Im vergangenen Jahr hatte ein Reporterteam von stern und RTL Anschläge und Anschlagspläne der Jugendterrorgruppe „Letzte Verteidigungswelle“ aufgedeckt. Kurz vor dem Gerichtsprozess gegen deren Mitglieder rückt die Rolle eines damals 15-Jährigen in den Fokus. Nach Informationen, die dem stern vorliegen, soll die Gruppe Anschläge und Pläne deutlich gezielter vorbereitet haben als bisher bekannt. Dies schreibe der Generalbundesanwalt vor allem einem Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern zu, den er als einen der Rädelsführer angeklagt hat.
Er soll mutmaßliche Brandstiftungen wie die im brandenburgischen Altdöbern nicht nur abgesegnet, sondern mehrfach eingefordert haben. Im Oktober 2024 brannte dort ein Kulturzentrum aus. Die Ermittler gehen davon aus, dass nur durch Zufall niemand verletzt oder getötet wurde. Der Generalbundesanwalt wertet den Brand laut Anklage als versuchten Mord.
5-Minuten-Talk: Merz in Peking überraschend wendig
Friedrich Merz befindet sich auf der Zielgeraden seiner komplizierten Reise in China. Er muss politisch dafür sorgen, dass deutsche Firmen einen Marktzugang behalten, darf die Abhängigkeit aber nicht noch vertiefen.
Kürzlich erst warnte Merz vor einer Welt der Großmächte. Und jetzt? Spricht er in Peking plötzlich davon, mit China eine strategische Partnerschaft eingehen zu wollen. Passt das zusammen? Und was verrät das über den Kanzler? Darüber sprechen meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz.
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Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Ich habe zwei Kinder und irgendwann stellt sich zwangsläufig die Taschengeldfrage. Wobei es eigentlich eher ein Fragenkatalog ist: Ab welchem Alter? Wie viel ist angemessen? Darf das Kind das Taschengeld auch für (in Elternaugen) unsinnige Dinge ausgeben? Darf ich nochmal nachschießen, wenn es ausgegeben ist, oder lernt mein Kind dann den Umgang mit Geld nicht? Alles gar nicht so einfach und in der Familie und im Freundeskreis finden sich durchaus vielfältige Antworten, die nicht immer hilfreich sind.
Alexandra Langmeyer-Tornier hat einen Leitfaden zum Taschengeld verfasst, auf den auch das Bundesfamilienministerium verweist. Mein Kollege Daniel Bakir hat mit ihr über ihre Empfehlungen gesprochen.
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Patrick Rösing
