Bitcoin und Ethereum sind kein Investment für risikoaverse Anleger. Wer grundsätzlich bereit ist, Volatilität zu ertragen, könnte jetzt mitmischen. Im privaten Bekanntenkreis werde ich – genauso wie in unseren Coachings – immer wieder gefragt, wie hoch der Anteil von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen an meinem Gesamtvermögen eigentlich ist. Die Antwort ist so klar wie eindeutig: Es sind maximal 1,5 Prozent. Der Anteil von Kryptowährungen an meinem Portfolio nimmt deshalb eine so kleine Prozentzahl ein, weil ich von Kryptowährungen nach wie vor nicht vollends überzeugt bin. Oder um es anders zu sagen: Weder Bitcoin noch Ethereum haben für mich einen inneren Wert. Nun lässt sich über innere Werte bei Finanzanlagen trefflich streiten. Wie hoch ist der innere Wert einer Immobilie in Berlin , Frankfurt oder München , wenn die Politik grundsätzlich die Möglichkeit hat, Steuern zu erheben, diese in üppige Höhen zu treiben oder im schlimmsten Fall – den Fantasien von Grünen und Teilen der SPD – Eigentümer sogar zu enteignen oder teilzuenteignen? Ebenso könnte man fragen: Wo liegt der innere Wert einer Aktie wie Nvidia, Amazon , Alphabet oder SAP ? Kennzahlen sind geduldig, und mal billigt der Markt Technologietiteln ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 zu, in anderen Zeiten hält er 20 für angemessen. Es ließe sich trefflich darüber streiten, ob ein Teil des vermuteten inneren Wertes bei Aktien nicht auch der Großzügigkeit des Marktes geschuldet ist. Hohe Bewertungen können temporär sein Ich erinnere mich zwei Jahrzehnte zurück, als man Industrietitel mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10 bis 15 bewertete. Heutzutage erlaubt der Aktienmarkt Industrieaktien wie Caterpillar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35. Doch zurück zum Bitcoin. Der Bitcoin ist für mich auch deshalb eine Anlageform, der ich keinen wesentlichen Portfolioanteil zubilligen möchte, weil er zwei Merkmale mitbringt, die mir nicht besonders gefallen. Das erste Merkmal habe ich angesprochen: Es ist der mangelnde innere Wert. Gold als Gegenbeispiel Diesen inneren Wert bringt auch Gold nur in gewisser Weise mit, da Gold zumindest teilweise eine anerkannte Tauschfunktion hat – und das seit Jahrhunderten. Immerhin kann man Gold praktisch nutzen, sei es für Schmuck oder in gewisser Weise auch für den industriellen Bedarf. Fiele der Bitcoin morgen weg, würde sich auf der Welt nichts ändern. Das ist eine Binse, denn vor 25 Jahren gab es keinen Bitcoin, und die Finanzmärkte funktionierten ebenso gut wie jetzt. Der Bitcoin ist eine digitale Währung, auf die sich viele Menschen geeinigt haben – als eine Art Ersatz oder Gegengewicht zu Notenbanken, womöglich auch zu den etwas altbackenen Gegengewichten wie Gold, Silber , Platin oder Palladium . Diese Einigung vieler Menschen ist zugleich für mich das Argument, warum ich einen zwar kleinen, aber doch vorhandenen Anteil an Kryptowährungen halte. Denn ich gehe davon aus, dass sich unter den sieben Milliarden Menschen auf der Welt einige Hunderttausend oder ein paar Millionen finden, denen Bitcoin, Ethereum oder andere Kryptowährungen so wichtig sind, dass sie bereit sind, einen gewissen Anteil ihres Vermögens hierin zu investieren. Das stabilisiert in gewisser Weise den Preis. Volatilität üppig An diesem Punkt kommen wir jedoch zum zweiten Argument, warum in meinem Portfolio der Anteil des Bitcoin nicht größer ausfällt: Die Volatilität ist mir schlicht zu hoch. "In den letzten fünf Jahren hat der Bitcoin eine enorme Reise hingelegt – von 45.000 US-Dollar hinunter auf 30.000, wieder hinauf auf 65.000, dann abwärts auf 16.000 im Herbst 2022, aufwärts Richtung 75.000 im Frühjahr 2024 mit einer Konsolidierung auf 55.000 im Herbst 2024, einem damaligen Rekordhoch bei 105.000 Anfang 2025, einer erneuten Korrektur Richtung 80.000 und schließlich dem großen Sprung auf 120.000 bis 125.000 US-Dollar im Sommer 2025", rechnet Thomas Soltau vom Smartbroker vor. Vom Rekordlevel aus hat sich Bitcoin in den Jahren 2025 und 2026 nahezu halbiert. "Auch Aktien wie Coinbase oder Strategy hat es förmlich zerrissen", merken die Experten vom Lynx-Broker an. Weiche Faktoren als Warnsignal Nun kommt noch hinzu, dass ich bei Kryptowährungen – aber auch bei Aktien und anderen Investments – auf weiche Faktoren und Sentiment achte. Und auch dort gefiel mir der Bitcoin nicht – bisher. Anfang Juli 2025 verkündeten die Sparkassen in Deutschland , dass ihre Kunden Kryptowährungen wie Bitcoin nun ohne Beratung handeln könnten. Man argumentierte damals mit der vorhandenen Nachfrage und einem passenden Rechtsrahmen. Das Krypto-Angebot erfolgte über die App der Sparkasse beziehungsweise der Dekabank. Aus meinen 30 Jahren Erfahrung am Kapitalmarkt weiß ich: Themen, die bei Kunden von Sparkassen oder Volksbanken in der Breite ankommen, sind oftmals – wie man so schön sagt – bereits ausgelutscht. Das war bei Immobilienfonds so, bei Gold und Silber, bei Themeninvestments auf KI oder Rüstungstitel – und aus meiner Sicht war abzusehen, dass es bei Kryptowährungen ähnlich kommen könnte. Bitcoin jetzt spannender als im Sommer 2025 Der Verzug im Sommer 2025 betrug lediglich zwei Wochen. Anfang Juli startete das neue Angebot. Mitte Juli markierte Bitcoin sein Top oberhalb von 120.000 US-Dollar. Seither ging es zunächst seitwärts bis in den Oktober, und seit Oktober 2025 nahezu nur noch abwärts. Wer zum Start des Angebots bei den Sparkassen zugriff, hat – Stand jetzt – etwa die Hälfte seines Einsatzes verloren. Es zeigt sich einmal mehr, dass nicht nur die Frage wichtig ist, ob man in Kryptowährungen investiert ist, sondern auch, wann und wie man einkauft. Wenn Kryptowährungen oder Bitcoin überhaupt eine Rolle im privaten Portfolio spielen sollen, dann am besten dann, wenn die Stimmung am Boden liegt. Das Angebot ist weiterhin vorhanden – über Smartbroker, über viele Börsen in Deutschland und natürlich auch über die Sparkassen. Wer schon immer eine kleine Beimischung – beispielsweise ein Prozent – im Portfolio haben wollte, könnte jetzt beginnen und zunächst eine halbe Tranche erwerben. Sollte es weiter nach unten gehen, kann man gegebenenfalls nachlegen. Besser jedenfalls, als im Hype des Jahres 2025 einzusteigen. Und wem ein 1:1 Investment beim Bitcoin zu langweilig ist, der kann bei Emittenten wie Morgan Stanley , Vontobel oder Société Générale im Hebelbereich auf eine mögliche Kurserholung setzen. Diese ist kurzfristig übrigens überfällig – denn Kryptos sind anders als im Sommer 2025 regelrecht überverkauft.