Legaler Drogenanbau: 255 Kilo Cannabis im Norden legal geerntet - Bedarf höher
Mehr als 250 Kilo Marihuana und Haschisch sind 2025 in Hamburg und Schleswig-Holstein legal geerntet worden - viel zu wenig, findet die Polizei. Sie sieht Kiffer in einem Dilemma.
Gut 230 Kilogramm Cannabis haben die Hamburger Anbauvereinigungen im vergangenen Jahr geerntet und an ihre Mitglieder abgegeben. In der Hansestadt verfügen bislang 15 Cannabisclubs über eine Genehmigung für den Anbau und die Weitergabe der Droge, wie das Bezirksamt Altona mitteilte. Fünf Clubs mit insgesamt rund 1.700 Mitgliedern haben bereits eine Ernte eingebracht.
In Schleswig-Holstein gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums elf Anbauvereinigungen, von denen derzeit acht aktiv Cannabis anbauen. Fünf haben bereits Marihuana und Haschisch an ihre Mitglieder verteilt, und zwar rund 25,3 Kilogramm.
Konsumenten versorgen sich meist über Dealer
Nach Angaben der Hamburger Polizei ist die Erntemenge viel zu gering, um damit alle Kiffer auf legale Weise zu versorgen. "Aus polizeilicher Sicht ist weiterhin problematisch, dass das Konzept der Anbauvereine zur Erzeugung von Cannabis nach wie vor noch nicht richtig greift und auch der private Anbau offenbar bei weitem noch nicht in der Lage ist, den tatsächlichen Bedarf der Konsumenten zu decken", sagte Polizeipräsident Falk Schnabel kürzlich und fügte hinzu: "Für die Konsumenten, die legal kiffen möchten, ist das also eine Art Dilemma, denn sie werden sich ihre Cannabisprodukte dann weiterhin bei einem Dealer beschaffen."
Schnabel äußerte sich bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2025. Nach seinen Angaben ging die Zahl der Rauschgiftdelikte in Hamburg insgesamt um 17,4 Prozent zurück. Das liege aber vor allem an der Legalisierung des Konsums von Cannabis im Jahr 2024.
Es gab demnach 1.331 Handelsdelikte nach dem Betäubungsmittelgesetz, die niedrige Zahl müsse aber um weitere 1230 Fälle illegalen Handels nach dem Konsumcannabisgesetz ergänzt werden. Die insgesamt 2.561 Taten sind laut Statistik der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre, nur im Coronajahr 2020 waren es mehr (2.860). Für Schleswig-Holstein steht die Bekanntgabe der Kriminalstatistik noch aus.
Neun Abgabestellen in Hamburg
Möglicherweise lindern zwei Anbauvereinigungen aus anderen Bundesländern den Mangel an legalem Cannabis in Hamburg. Eine Vereinigung aus Nordrhein-Westfalen hat nach Angaben des Bezirksamts Altona eine Weitergabestelle eröffnet. Zwei weitere Clubs aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben eine Zulassung für eine solche Stelle im Bezirk Altona bekommen. Damit gibt es in Hamburg insgesamt neun Läden dieser Art.
Nach dem Gesetz dürfen die Anbauvereinigungen ihre Produkte nur zum Selbstkostenpreis an Mitglieder abgeben. Ein Club aus Lüneburg, der die Eröffnung einer Abgabestelle für den 3. März angekündigt hat, erklärt dazu: "Erwachsene mit Wohnsitz in Deutschland (können) vor Ort Vereinsmitglied werden und unmittelbar im Anschluss Cannabis erhalten, Personalausweis genügt."
Seit dem 1. April 2024 dürfen über 18-Jährige in Deutschland 25 Gramm Haschisch oder Marihuana bei sich haben. Erwachsene können legal bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig privat anbauen. Seit dem 1. Juli 2024 sind nichtkommerzielle Anbauvereinigungen mit bis zu 500 Mitgliedern erlaubt. Sie dürfen an jedes Mitglied höchstens 25 Gramm Cannabis pro Tag und höchstens 50 Gramm Cannabis pro Monat (30 Gramm für 18- bis 21-Jährige) zum Eigenkonsum abgeben.
Mehr Arbeit für Polizei und Verwaltung
Bei Verstößen droht in Hamburg Bußgeld. Im zweiten Halbjahr wurden 44 Bußgeldbescheide erlassen. Das ist deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum, als 55 Ordnungswidrigkeiten geahndet wurden. Die Gesamtsumme der Bußgelder erhöhte sich nach Angaben der Innenbehörde von rund 9.600 auf 13.600 Euro (+41 Prozent). Damit stieg die durchschnittliche Bußgeldhöhe von 175 auf 309 Euro.
Für die Arbeit des Bezirksamts Altona und der Innenbehörde zur Überwachung der Cannabis-Bestimmungen fielen im vergangenen Jahr rund 930.000 Euro an Personal- und Sachkosten an, wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Christin Christ mitteilte.
Die Bilanz der Hamburger Polizei nach fast zwei Jahren Teillegalisierung fällt verhalten aus: "Zusammengefasst lässt sich also feststellen: Zwar gehen die Verfahren wegen des einfachen Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmitteln zurück und das Ziel der Entkriminalisierung des Cannabiskonsums hat insofern Früchte getragen", sagte Polizeipräsident Schnabel. Einen Rückgang des illegalen Handels mit Rauschmitteln und eine damit einhergehende Entlastung für Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte gebe es jedoch nicht.
CDU für Rücknahme der Teillegalisierung
Das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium erklärte kürzlich, es lehne das Cannabisgesetz "grundsätzlich ab". Statt Gesundheits- und Jugendschutz zu stärken, verursache das Gesetz neue Vollzugsprobleme und belaste Länder, Kommunen, Polizei und Justiz zusätzlich. Deshalb seien Anpassungen und Klarstellungen nötig, teilte das von der CDU-Politikerin Cornelia Schmachtenberg geführte Ministerium mit.
Auf ihrem Parteitag in Stuttgart vor einer Woche hatte die CDU die schwarz-rote Bundesregierung aufgefordert, das Gesetz aufzuheben. Besitz, Anbau und Vertrieb sollten wieder verboten und unter Strafe gestellt werden. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und SPD eine "ergebnisoffene Evaluierung" des Gesetzes vereinbart, die inzwischen angelaufen ist.
Ende September vergangenen Jahres hatte das Bundesgesundheitsministerium einen Bericht vorgelegt, in dem es hieß, dass die Anbauvereinigungen "für die vom Gesetzgeber beabsichtigte Verdrängung des Schwarzmarktes bislang keinen relevanten Beitrag leisten". Die Produktion in den Clubs habe weniger als 0,1 Prozent des Gesamtbedarfs ausgemacht. 12 bis 14 Prozent seien durch medizinisches Cannabis gedeckt worden. Die Marktanteile des privaten Eigenanbaus und des Schwarzmarktes konnten noch nicht quantifiziert werden. Geschätzt wurde ein Gesamtbedarf für 2024 von 670 bis 823 Tonnen.
