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Neue Machtzentren im afrikanischen Journalismus

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Ein neues Forschungsprojekt am Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus untersucht, wie BRICS+-Akteure professionelle Normen und redaktionelle Routinen beeinflussen. China und Russland bauen ihre Medienpräsenz in Afrika systematisch aus, während westliche Förderprogramme zurückgehen. Wie navigieren Journalistinnen und Journalisten zwischen geopolitischen Interessen und professioneller Autonomie?

Bild: Prof. Susanne Fengler

Das internationale Forschungsprojekt stellt eine der zentralen Fragen der aktuellen Journalismusforschung in den Mittelpunkt: Wie verändern geopolitische Machtverschiebungen journalistische Praxis und professionelle Normen in Subsahara-Afrika?

Das dreijährige Vorhaben wird von der Daimler-Benz-Stiftung gefördert und von Prof. Dr. Susanne Fengler an der TU Dortmund geleitet. Zum ersten Projektworkshop kamen Anfang Februar Forschende aus sieben afrikanischen Ländern erstmals persönlich an der Makerere University in Kampala zusammen, um die Ergebnisse einer Desk Study in den Studienländern zu diskutieren.

Im Zentrum steht die Frage, wie Redaktionen und Journalistinnen und Journalisten auf den wachsenden Einfluss von BRICS+-Akteuren reagieren – insbesondere von China und Russland – und wie sich dies auf Ausbildung, Routinen und berufliche Selbstverständnisse auswirkt.

Westliche Medienförderung geht zurück

Der Kontext ist entscheidend. Der abrupte Rückzug westlicher Medienförderung – insbesondere das faktische Ende nahezu aller USAID-Medienprogramme im Jahr 2025 –
markiert eine Zäsur. Jahrzehntelange Investitionen in journalistische Ausbildung und Medienentwicklung wurden gestoppt. Auch europäische Staaten geben inzwischen deutlich weniger Mittel für (Medien-)Entwicklungszusammenarbeit aus.

Parallel haben BRICS+-Staaten ihre Aktivitäten im afrikanischen Mediensektor intensiviert.
Die vergleichende Vorstudie im Rahmen des neuen Projekts zeigt China als am stärksten strukturell verankerten Akteur im journalistischen Feld. Genannt werden Infrastrukturprojekte, Content-Partnerschaften sowie umfangreiche Trainings- und Austauschprogramme. Durchschnittlich rund 10.000 Journalistinnen, Journalisten und Ausbildende sollen jährlich an Trainings- oder Besuchsprogrammen in China teilnehmen.

In mehreren Ländern – darunter Nigeria, Ghana, Tansania und Kenia – sind diese Programme besonders sichtbar. Chinesische Akteure versuchen, Frames in der Berichterstattung zu etablieren, die Stabilität, Modernisierung und „Win-win“-Kooperation betonen. Trainingsangebote schmücken sich auch mit dem Label des „constructive journalism“ – allerdings in einer Ausrichtung, die auf Stabilität und Entwicklung fokussiert und demokratische Kontrollfunktionen ausschließt.

Russlands Engagement erscheint weniger institutionell verankert, aber zunehmend sichtbar. Beschrieben werden digitale Angebote wie RT und Sputnik, Content-Weiterverbreitung über lokale Partner sowie Austauschformate.  2024 wurde zudem ein panafrikanisches Journalismus-Trainingszentrum in Namibia eingerichtet.

Brasilien und Indien weniger sichtbar

Brasilien und Indien spielen im Vergleich eine deutlich geringere Rolle. Ihre Präsenz beschränkt sich überwiegend auf kulturelle und akademische Austauschprogramme.

Untersucht wurden im Rahmen der Desk Study acht Länder: Burkina Faso, Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Nigeria, Tansania und Uganda. Die Auswahl erlaubt es, unterschiedliche politische Systeme, Medienfreiheitsgrade und historische Kontexte systematisch zu vergleichen. Ab 2026 sind Feldstudien geplant, darunter Interviews mit Medienpraktikerinnen und -praktikern.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass nationale Kontexte entscheidend sind.  In restriktiveren Mediensystemen können stabilitätsorientierte Kooperationsangebote leichter an bestehende Governance-Strukturen anschließen. In vergleichsweise pluralistischen Systemen werden externe Ressourcen eher pragmatisch genutzt.

Das Projekt ordnet sich in die Debatte um die „De-Westernisierung“ der Journalismusforschung ein. Es fragt, ob tatsächlich eine Pluralisierung journalistischer Normen stattfindet – oder lediglich eine Verschiebung geopolitischer Abhängigkeiten.

Mit dem Auftakttreffen in Kampala hat die vergleichende Untersuchung dieser Transformationsprozesse begonnen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie afrikanische Redaktionen zwischen neuen Machtzentren und professioneller Eigenständigkeit navigieren.

Der Beitrag Neue Machtzentren im afrikanischen Journalismus erschien zuerst auf Europäisches Journalismus-Observatorium (EJO).







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