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Май
2026

Wahl in Kolumbien: Drei Kandidaten entscheiden über Krieg und Frieden

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Drei Kandidaten, drei Visionen – und ein Land am Scheideweg. Kolumbiens Präsidentschaftswahl entscheidet über Krieg und Frieden. An diesem Sonntag steht Kolumbien vor einer Schicksalswahl. Fortsetzung der Linkspolitik oder neuer Rechtsruck? "Totaler Frieden" oder neue Militäroffensiven gegen kriminelle Gruppen? Annäherung an die USA oder weitere mögliche Konfrontationen mit der Trump-Regierung? Den Kolumbianern wird an der Wahlurne gleich eine ganze Reihe an Grundsatzentscheidungen abverlangt. Die Präsidentschaftswahl in dem Staat an der nördlichen Spitze Südamerikas ist dabei der zweite Akt im Superwahljahr 2026. Noch Anfang März gewann die linke Regierungspartei Pacto Histórico die Mehrheit im Kongress, dicht gefolgt vom Erzfeind im rechten Lager, der Partei Centro Democrático. Vor der Abstimmung über das neue Staatsoberhaupt werden jedoch die Karten neu gemischt. Wer letztlich im August in die Casa de Nariño – die Residenz des Präsidenten – einzieht, ist längst nicht ausgemacht. Die aussichtsreichsten Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Umfragen führt aktuell der linke Menschenrechtsanwalt Iván Cepeda an. Sein größter Konkurrent und wahrscheinlichster Gegner in einer möglichen Stichwahl ist der rechtsextreme Kandidat Abelardo de la Espriella, Spitzname: "der Tiger". Die Dritte im Bunde heißt Paloma Valencia: Die rechte Senatorin will die erste Staatschefin Kolumbiens werden. Wer auch immer die Wahl für sich entscheidet – auf den nächsten Präsidenten oder die nächste Präsidentin wartet eine Mammutaufgabe. USA setzen Mexiko unter Druck: "So einen kritischen Moment hat es noch nie gegeben" Unruhe vor der Wahl: Kolumbiens Präsident entgeht offenbar knapp einem Attentat Gewaltwelle überrollt Kolumbien Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Viele der bewaffneten Gruppen, die einst linken oder rechten Ideologien anhingen, sind heute kriminelle Banden, die sich insbesondere durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Und diese Gruppen drückten dem Wahlkampf in den vergangenen Monaten ihren Stempel auf. Denn eine seit Jahren nicht dagewesene Gewaltwelle überrollte das Land. 2016 gab es mit der größten Guerillagruppe Farc einen Friedensschluss, dem sich aber manche Einheiten der Organisation verweigerten. Dennoch ging die Gewalt zunächst zurück, steigt aber seit 2018 fast kontinuierlich wieder an. In diesem Jahr befinden sich die Zahlen von Morden, Massakern, Entführungen und Gefechten zwischen Armee und bewaffneten Gruppen auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Die Sicherheitslage ist deshalb das bestimmende Thema im Wahlkampf – spätestens seitdem im vergangenen Juni der rechtsgerichtete Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe bei einer Wahlkampfveranstaltung ermordet wurde. Dass die Arbeitslosigkeit sinkt, immer mehr Kolumbianer der Armut entkommen und etwa der Mindestlohn in den vergangenen vier Jahren um 75 Prozent stieg, spielt angesichts dessen in der öffentlichen Debatte fast schon keine Rolle mehr. Linkskandidat will "totalen Frieden" weiterverfolgen Daran schuld ist auch das Konzept des "totalen Friedens", das der noch regierende linke Präsident Gustavo Petro während seines Amtes verfolgte. Das Credo: Mittels Verhandlungen mit allen bewaffneten Gruppen sollte Frieden in Kolumbien einkehren. Zunächst verzichtete Petro auch weitgehend auf militärischen Druck gegen die Banden. Doch diese nutzten den "totalen Frieden" aus, militarisierten sich, rekrutierten immer mehr Mitglieder und ließen in Gebieten unter ihrer Kontrolle mehr Koka anbauen, die Pflanze, aus der Kokain gewonnen wird. Seit dem vergangenen Jahr geht der Staat deshalb auch militärisch wieder härter gegen sie vor und hat Verhandlungen ausgesetzt. Angesichts dessen rücken die Sicherheitskonzepte der Kandidaten in den Fokus. Der linksgerichtete Cepeda, enger Berater Petros und Architekt des "totalen Friedens", will daran weitestgehend festhalten. Sein Vater, ein kommunistischer Senator, wurde 1994 von Paramilitärs ermordet. Seitdem setzt sich Cepeda besonders für die Opfer von Drogenkartellen und Paramilitärs im bewaffneten Konflikt in Kolumbien ein. Sein Ansatz ist soziale Gerechtigkeit: Er will die Ursachen der Gewalt – Ungleichheit, Armut und Ausgrenzung – bekämpfen. Dabei nimmt er Anpassungen am "totalen Frieden" vor: Das Militär soll die Flüsse, die wichtige Schmuggelwege sind, besser überwachen, während Geheimdienste sich auf die Aufdeckung von Straftaten wie Abholzung oder illegalen Bergbau konzentrieren sollen. So sollen die wichtigsten Einnahmequellen bewaffneter Gruppen versiegen. Rechtskandidaten wollen Gewalt mit Gewalt bekämpfen Der rechtsextreme Abelardo de la Espriella hingegen schlug populistischere Töne an: Mit einer umfassenden Militäroffensive soll der kolumbianische Staat binnen 90 Tagen die vollständige Kontrolle über sein Territorium zurückgewinnen – ein Unterfangen, das seit der Unabhängigkeit im Jahr 1810 nicht geglückt ist. Außerdem plant er eine Art "Plan Colombia 2.0". Mit diesem Programm rüsteten die USA das kolumbianische Militär bis 2016 mit Milliarden Dollar massiv auf. Obendrein will de la Espriella bis zu zehn privat geführte Hochsicherheitsgefängnisse bauen, nach dem Vorbild Nayib Bukeles in El Salvador. Seine politische Bewegung nennt sich "Defensores de la Patria" (zu Deutsch: "Verteidiger des Vaterlands"). Die rechtsgerichtete Kandidatin Paloma Valencia setzt dem "totalen Frieden" ihr Konzept der "totalen Sicherheit" entgegen. Auch sie setzt auf Gewalt gegen die bewaffneten Gruppen, will deren Einkünfte reduzieren, die Streitkräfte stärken und die Rechtsstaatlichkeit in abgelegenen Regionen wiederherstellen. Wie genau das gelingen soll? Dabei lässt Valencia ebenso wie de la Espriella viele Fragen offen. Verhandlungen mit den bewaffneten Gruppen schließen jedenfalls beide aus. Gegen alle drei Kandidaten werden derweil schwere Vorwürfe laut. Seine Gegner sagen etwa Cepeda enge Verbindungen zur Farc-Guerilla nach. Auch Abelardo de la Espriella unterhält offenbar Kontakte zur Unterwelt: Als Anwalt vertrat er bereits mehrere Drogenbarone, Paramilitärs und einst den Hauptverdächtigen des größten Betrugsskandals der jüngeren Geschichte des Landes. Paloma Valencia wiederum steht für die politische Linie des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe. Dieser soll in seiner Zeit im Amt beim harten Vorgehen gegen die Guerillas diverse Verbrechen gegen die Menschlichkeit (unter dem Titel "demokratische Sicherheit") verantwortet haben. Wie wird sich Trump verhalten? Über der Wahl schwebt zudem das schwer berechenbare Schwert des "Kriegs gegen die Drogen" der USA. Präsident Donald Trump erhöht seit seinem erneuten Amtsantritt massiv den Druck auf Regierungen in Lateinamerika, damit diese militärisch gegen Drogenkartelle vorgehen, die Rauschgift in die Vereinigten Staaten schmuggeln. Die Kandidaten Abelardo de la Espriella und Paloma Valencia würden daher vermutlich mit ihren Sicherheitskonzepten in Washington auf offene Arme stoßen. Gewinnt jedoch Iván Cepeda die Wahlen, könnten Kolumbien mindestens bis zur US-Wahl 2028 harte Konfrontationen mit Washington bevorstehen. Cepeda gilt zwar als weniger emotional als Noch-Präsident Petro, der Trump teils hart anging. Dennoch erklärte der linke Kandidat bereits, sich den USA nicht beugen zu wollen. Entgegen den Erwartungen mancher Beobachter hat Trump im Wahlkampf jedoch nicht öffentlich für einen Kandidaten geworben. In der Nachbarschaft Kolumbiens jedoch hat der US-Präsident bereits Mitstreiter gefunden. So scheint sich die venezolanische Regierung nach der Entführung von Nicolás Maduro durch die USA dem Druck aus Washington weitgehend zu beugen. Ecuador führt bereits mit dem US-Militär gemeinsame Schläge gegen Drogenkartelle aus. In Mittelamerika hat Guatemala diesem Vorgehen jüngst ebenso zugestimmt, und Honduras könnte bald folgen. Den nächsten Präsidenten erwarten ferner auch große wirtschaftliche Herausforderungen: Das Haushaltsdefizit beträgt fast sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Staatsverschuldung mehr als 64 Prozent des BIP. Denn Präsident Petro übernahm nach der Pandemie eine schwache Wirtschaft und griff auf die Staatskasse zurück, um seine Sozialpolitik zu finanzieren. Der Verfassung nach darf er nach vier Jahren im Amt nicht noch einmal antreten. Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin hinterlässt der Präsident schwerwiegende Probleme und ein höchstgradig polarisiertes Land. Entsprechend eng sind aktuell die Umfragen mit Blick auf die erste Runde der Präsidentschaftswahlen: Noch lässt sich kaum absehen, in welche Richtung Kolumbien künftig steuern wird. Nur eines scheint klar: Das Superwahljahr 2026 dürfte am 21. Juni mit der Stichwahl um das Präsidentenamt seinen dritten Akt schreiben.






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