Iran bei der Fifa-WM: Das Turnier war zum Scheitern verurteilt
Vor der WM gab es beim Iran viele Themen, die mit dem Sportlichen nichts zu tun hatten. Auf dem Platz hielt "Team Melli" mit – blieb aber ohne Happy End. Dass die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko für den Iran eine besonders emotionale werden würde, war schon vor Turnierstart klar. Aufgrund des Kriegs zwischen den USA und dem Iran war lange Zeit fraglich, ob die iranische Nationalmannschaft überhaupt teilnehmen würde. Letztendlich haben die Asiaten teilgenommen – mussten allerdings mit sehr schwierigen Bedingungen klarkommen. Alle drei Gruppenspiele fanden in den USA statt. Weil die iranische Delegation nicht in den Vereinigten Staaten übernachten durfte, musste das Team vergleichsweise spät anreisen – und unmittelbar nach dem Abpfiff zurück in sein WM-Quartier im mexikanischen Tijuana fliegen. "Es ist eine Katastrophen-Weltmeisterschaft", sagte Kapitän Mehdi Taremi angesprochen auf die Zustände. "Unterschiedsspieler": Weltmeister entschuldigt sich bei England-Star Tuchel bei England: Er hat dasselbe Problem wie seine Vorgänger Eine gute Vorbereitung auf die Spiele? So kaum möglich. Mehrere Betreuer und Funktionäre erhielten kein US-Visum und konnte nicht anreisen. Gianni Infantino signalisierte zwar während des Turniers, dem Iran zu helfen. Taten folgten auf die Worte aber laut Kapitän Taremi keine. "Das liegt in der Verantwortung der Fifa. Sie müssen hier jedes kleine Problem lösen, aber unseres konnten Sie von Anfang an nicht lösen", sagte er nach dem letzten Spiel. Trotz der erschwerten Bedingungen zeigte die Mannschaft von Nationaltrainer Amir Ghalenoei ansehnliche Leistungen. Zum Turnierstart gab es ein 2:2-Unentschieden gegen Neuseeland, bei dem der Iran einen Sieg verdient gehabt hätte. Am zweiten Spieltag gab es dann ein 0:0-Unentschieden gegen den klaren Favoriten aus Belgien. Dennoch war es eine angespannte Stimmung im Stadion. Während der Hymne buhten teilweise die eigenen Fans . Ganz bitteres Remis gegen Ägypten Vor dem dritten Spiel gab es dann weiteren Wirbel. Denn die Partie in Seattle war als "Pride Match" erklärt worden. In Seattle findet traditionell Ende Juni ein Festival für die queere Community statt. Aber sowohl der Fußballverband des Iran als auch der von Ägypten wehrten sich gegen die Ansetzung. "Unsere Religion akzeptiert das nicht, aber wir respektieren alle LGBTQI+-Menschen", sagte Irans Mehdi Taremi. "Es ist ihre Idee, es geht nicht um uns. Wir sind hier, um Fußball zu spielen. Wir respektieren sie alle." Das Spiel an sich hatte es dann erneut in sich. Der Iran holte zwar auch gegen Ägypten einen Punkt und trennte sich 1:1, doch das Remis fühlte sich eher wie eine Niederlage an. Denn nach einem frühen Rückstand ließ Torjäger Taremi erst einen Elfmeter ungenutzt. Zwar glich Ramin Rezaeian in der 14. Minute mit einem Abstauber aus. In der Schlussphase wartete dann aber der nächste Dämpfer. Zunächst traf Taremi (89.) per Kopfball nur die Latte, dann dachten wohl alle im Stadion, der Iran hätte das Spiel gedreht: Der iranische Verteidiger Shoja Khalilzadeh (90.+3) traf zum vermeintlichen 2:1, der Jubel bei den Iranern kannte keine Grenzen. Doch dann wurde es richtig bitter, der Video-Assistent schaltete sich ein. Khalilzadeh stand bei der Torerzielung hauchdünn im abseits, das Tor zählte nicht. Auch damit war das Spiel noch nicht vorbei, einen Hochkaräter hatten der Iran noch. Beim Kopfball von Saeid Ezatolahi (90.+7) stand erneut die Latte im Weg. Mit einem Sieg wäre der Iran als Gruppenzweiter der Gruppe G sicher für das Sechzehntelfinale qualifiziert gewesen. Als Gruppendritter musste "Team Melli" darauf hoffen, im Ranking der besten Dritten unter die ersten acht zu rutschen. Die Chancen standen gar nicht schlecht: Damit der Iran im Turnier bleiben darf, musste vor dem letzten Gruppenspieltag in der Nacht von Samstag auf Sonntag nur noch ein Konkurrent hinter ihm landen. Dafür hätte entweder Kroatien gegen Ghana verlieren, die DR Kongo gegen Usbekistan nicht gewinnen oder das Duell zwischen Argentinien und Österreich nicht unentschieden enden dürfen. Kalajdžić zerstört die letzte Hoffnung des Iran Kroatien setzte sich gegen Ghana mit 2:1 durch, die DR Kongo drehte ihr Spiel gegen Usbekistan nach Rückstand noch zu einem 3:1-Sieg. Und dann wurde es dramatisch: Zwischen Österreich und Algerien deutete lange alles auf ein 2:2 hin, ehe Algerien in der zweiten Minute der Nachspielzeit das 3:2 erzielte. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Iran weiter gewesen – Österreich dagegen ausgeschieden. Doch die Hoffnung hielt nur kurz. Mit der letzten Aktion des Spiels traf Ex-Stuttgarter Saša Kalajdžić zum 3:3-Endstand. Für Algerien änderte der späte Ausgleich nichts mehr, das Weiterkommen war dennoch sicher. Für den Iran aber war er fatal: Mit diesem Treffer war das WM-Aus endgültig besiegelt. Erst die massiven Visa-Probleme vor Turnierbeginn, dann die organisatorischen Hürden, weil die iranische Mannschaft nicht in den USA übernachten durfte. Und schließlich die bittere sportliche Pointe: "Team Melli" blieb ungeschlagen, zeigte überzeugende Auftritte – und schied trotzdem aus. Bei dieser Weltmeisterschaft schien dem Iran das Glück einfach konsequent verwehrt zu bleiben.
Moscow.media
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