Westjordanland: Siedler wird wegen Tötung eines palästinensischen Aktivisten angeklagt
Der palästinensische Aktivist Awdah Hathaleen ist bei einem Angriff von jüdischen Siedlern im Westjordanland erschossen worden – jetzt wird der Schütze angeklagt.
Wegen der Tötung des palästinensischen Aktivisten Awdah Hathaleen, der an dem erfolgreichen Dokumentarfilm "No Other Land" mitgewirkt hatte, hat die israelische Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Siedler im besetzten Westjordanland erhoben. Dem 33-jährigen Jinon Elija Levi aus Ma'on werde zur Last gelegt, "während eines Streits, der sich wegen Erdarbeiten auf Privatgrundstücken entwickelt hat, in einen Bereich geschossen zu haben, in dem sich Menschen aufhielten", teilte das israelische Justizministerium am Donnerstag im Onlinedienst X mit.
Dadurch habe er den Tod Awdah Hathaleens verursacht, hieß es weiter. Die Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks habe "Anklage gegen ihn erhoben wegen fahrlässiger Tötung, Hausfriedensbruchs und vorsätzlicher Sachbeschädigung".
Awdah Hathaleen hatte an „No other Land“ mitgearbeitet
Hathaleen hatte an dem israelisch-palästinensischen Film "No Other Land" mitgearbeitet, der 2024 auf der Berlinale und 2025 bei der Oscar-Preisverleihung als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet worden war. Er wurde im Juli 2025 bei einem Angriff von Siedlern auf sein Dorf Umm al-Chair im Süden des Westjordanlands getötet.
Umm al-Chair liegt in der Region Masafer Jatta, wo es häufiger zu Gewalt durch Siedler gegen palästinensische Gemeinden kommt. Die israelische Armee hat Teile der Gegend zu einem Schießgebiet erklärt.
Erste Anklage gegen Siedler seit Beginn des Gaza-Kriegs
Menschenrechtsaktivisten begrüßten die Anklage gegen Levi. Laut der NGO B'Tselem handelt es sich um die erste derartige Anklage wegen der Tötung eines Palästinensers im Westjordanland seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023. Sie sei "die Ausnahme, die die Regel bestätigt", sagte der Sprecher von B'Tselem, Jair Dvir, der Nachrichtenagentur AFP. Israel warf sie vor, die Kultur der Straflosigkeit zu "einem Schlüsselelement seines Systems" zu machen.
Im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 Israelis. Seit dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 kommt es auch im Westjordanland verstärkt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
