Viele junge Erwachsene sorgen sich um ihre finanzielle Zukunft. Eine neue Umfrage zeigt: Das Vertrauen in die gesetzliche Rente sinkt weiter. Gleichzeitig sorgt die Gen Z zunehmend privat vor. Das Vertrauen junger Menschen in die gesetzliche Rente schwindet weiter. Nur noch knapp jeder zweite 18- bis 30-Jährige in Deutschland erwartet, im Alter überhaupt eine gesetzliche Rente zu erhalten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von ING Deutschland und Visa , die t-online vorab vorliegt. Demnach rechnen nur noch 49 Prozent der jungen Erwachsenen damit, später eine gesetzliche Rente zu bekommen. Im vergangenen Jahr waren es noch 56 Prozent. Besonders deutlich wird die Unsicherheit beim Blick auf die Altersarmut: Vier von fünf Befragten – 79 Prozent – sorgen sich um ihre Altersvorsorge und fürchten, im Alter finanziell nicht ausreichend abgesichert zu sein. Die Zahlen zeigen, wie groß die Verunsicherung in einer Generation ist, die noch Jahrzehnte vom Rentenalter entfernt ist. Hohe Lebenshaltungskosten, unsichere wirtschaftliche Aussichten und die Debatte über die langfristige Finanzierbarkeit des Rentensystems prägen offenbar das Bild vieler junger Menschen. Mehr als die Hälfte spart bereits fürs Alter Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Viele junge Erwachsene bleiben nicht passiv. Mehr als die Hälfte der Befragten spart bereits für die Altersvorsorge. Neben der Sorge um die gesetzliche Rente wächst damit offenbar auch die Bereitschaft, die eigene finanzielle Zukunft selbst stärker in die Hand zu nehmen. Wie junge Menschen konkret vorsorgen, zeigen zusätzlich anonymisierte Kundendaten der ING. Ausgewertet wurden nach Angaben der Bank Daten von rund 1,1 Millionen jungen Kundinnen und Kunden im Zeitraum von Januar bis Juni 2026. Demnach sparen 47 Prozent der jungen ING-Depotkunden regelmäßig per Wertpapiersparplan , im Durchschnitt etwa 365 Euro pro Monat (351 Euro im Vorjahr). Eine wichtige Rolle spielen dabei ETFs . 90 Prozent der Einzahlungen fließen in diese börsengehandelten Fonds, die einen Aktienindex eins zu eins nachbilden. Anleger investieren dabei nicht in eine einzelne Aktie, sondern breit gestreut in viele Unternehmen . Knapp die Hälfte der jungen Depotinhaber legt ihr Geld ausschließlich in breit gestreute ETFs auf einen Aktienindex wie den MSCI World oder den FTSE All-World an. Das verringert Risiken, schützt aber nicht vor Kursschwankungen . Wer an der Börse investiert, sollte daher nicht kurzfristig auf sein Geld angewiesen sein, sondern es mindestens 15 Jahre lang für sich arbeiten lassen können. So lassen sich Krisen aussitzen, um langfristig ein Vermögen fürs Alter aufzubauen. Die Bankdaten sind allerdings nicht repräsentativ für alle jungen Menschen in Deutschland. Sie zeigen das Verhalten junger ING-Kunden – also einer Gruppe, die bereits ein Konto oder Depot bei der Direktbank hat und möglicherweise finanz- und digitalaffiner ist als der Durchschnitt. Neues Altersvorsorgedepot kommt gut an Auch ein neues Vorsorgemodell stößt bei vielen jungen Erwachsenen auf Interesse: das für Januar 2027 geplante Altersvorsorgedepot . 65 Prozent der 18- bis 30-Jährigen halten ein solches Depot für attraktiv. Die Idee dahinter: Menschen sollen staatlich gefördert langfristig am Kapitalmarkt für das Alter sparen können. Entscheidend für eine möglichst hohe Rendite ist allerdings, wie hoch die Kosten ausfallen und mit welchen Produkten das Depot bestückt wird. Empfehlenswert wäre auch hier ein Investment in breit gestreute und günstige ETFs. Wissenslücke zwischen Frauen und Männern Die Umfrage zeigt zugleich, dass das Altersvorsorgedepot noch längst nicht allen jungen Menschen bekannt ist. Auffällig ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern: Nur etwa jede zweite junge Frau kennt das Modell. Bei jungen Männern sind es 66 Prozent. Das verweist auf ein grundsätzliches Problem der privaten Altersvorsorge: Wer vorsorgen soll, muss die Angebote verstehen. Komplizierte Produkte könnten gerade jene abschrecken, die ohnehin wenig Erfahrung mit Geldanlage haben. Sorge um Rente macht Reformen drängender Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass Altersvorsorge für viele junge Erwachsene kein fernes Thema mehr ist. Obwohl die meisten von ihnen erst in mehreren Jahrzehnten in Rente gehen werden, beschäftigt sie die Frage, ob das gesetzliche System dann noch trägt und ob sie selbst genug zurücklegen können. Für die Politik ist das ein Warnsignal. Wenn nur noch jeder zweite junge Erwachsene damit rechnet, später überhaupt eine gesetzliche Rente zu erhalten, stellt sich die Vertrauensfrage. Die Bundesregierung hat angekündigt, noch in diesem Jahr umfassende Rentenreformen auf den Weg zu bringen , die sich auf die Empfehlungen der Rentenkommission stützen. Unabhängig davon bleibt für Verbraucher entscheidend, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorge zu befassen. ETFs und Sparpläne können dabei ein Baustein sein, sollten aber durch individuelle Planung ergänzt werden. Denn wie viel jemand fürs Alter zurücklegen kann und sollte, hängt stark von Einkommen, Lebenssituation, Risikobereitschaft und bestehenden Ansprüchen ab.