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Sorge vor Umweltschäden: Zweites LNG-Terminal in Wilhelmshaven darf Chlor verwenden

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Um chlorhaltiges Abwasser zu vermeiden, sollte das zweite Wilhelmshavener LNG-Terminal statt mit Biozid mit einem Ultraschallverfahren gereinigt werden. Doch die Technologie bereitet Probleme.

Auch das zweite schwimmende Importterminal für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven darf ab sofort mit Chlor gereinigt werden. Eine entsprechende Genehmigung für dieses Reinigungsverfahren, und damit auch für die Einleitung chlorhaltigen Abwassers in die Jade, liege seit dem 24. August vor, teilten das zuständige Umweltministerium in Hannover und die bundeseigene Deutsche Energy Terminal Gesellschaft (DET) auf dpa-Anfrage mit. Zuvor hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) über die Genehmigung informiert. Sie hält die weitere Biozid-Einleitung für gefährlich.

Auf den schwimmenden LNG-Terminals wird das von Tankern angelieferte, verflüssigte Erdgas wieder in Gas umgewandelt. Dazu wird es an Bord mit Seewasser erwärmt. Danach wird es im gasförmigen Zustand an Land gepumpt.

Damit die Seewassersysteme des Terminalschiffes, das auch FSRU genannt wird, nicht mit Algen und Muscheln zuwachsen, wurde für die Reinigung ursprünglich ein neues Ultraschallverfahren eingesetzt. Dafür wurde das gecharterte Spezialschiff „Excelsior“ extra umgerüstet.

Ultraschall statt Chlor

Doch die neue Technik funktioniert laut DET und Ministerium nicht richtig – daher sollen die Leitungen auf der „Excelsior“ wie auch schon auf dem ersten Terminalschiff, der „Höegh Esperanza“, mit Chlor gereinigt werden dürfen. 

„Für die zweite FSRU wurde nun unter hohen Auflagen und einem erneuten Umweltmonitoring die Reinigung der Rohre mit Chlor genehmigt, um die Erwärmung, also Regasifizierung des heruntergekühlten LNG-Gases mit Meerwasser klimaschonend zu ermöglichen“, teilte das Umweltministerium mit. Der Genehmigung zufolge darf rund 170 Millionen Kubikmeter chlorhaltiges Prozesswasser pro Jahr aus dem Terminalschiff in die Jade geleitet werden.

Schon beim ersten LNG-Terminalschiff, der „Höegh Esperanza“, stand das Reinigungsverfahren in der Kritik. Umweltschutzverbände, Anwohner und Muschelfischer kritisieren die Einleitung von chlorhaltigem Abwasser in die Nordsee. Sie befürchten Schäden für das angrenzende Wattenmeer und Meereslebewesen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies allerdings 2024 eine Klage der Umwelthilfe gegen diese Reinigungsmethode ab. Das Verfahren entspreche dem vom Gesetz geforderten Stand der Technik, hieß es. 

Was genau für Probleme sorgt

Dennoch hatte sich die Landesregierung bei der Bundespolitik und dem Betreiber nach der Kritik dafür eingesetzt, beim zweiten LNG-Terminalschiff ein biozidfreies Reinigungsverfahren zu nutzen – das neue Ultraschallverfahren. Die Mehrkosten für die Umrüstung übernahm der Bund. Früheren Angaben zufolge sollen sie sich auf eine niedrige einstellige Millionensumme belaufen haben. 

„Auch aus Umweltsicht freue ich mich sehr, dass wir diese neue Methode haben“, hatte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Christian Meyer (Grüne) bei der Eröffnung des zweiten LNG-Terminals im April 2025 gesagt. 

Doch bereits im Spätsommer 2025 habe sich bei der regelmäßigen Überwachung gezeigt, „dass das Ultraschallsystem dem hohen Bewuchsdruck durch Bioorganismen im Jadestrom leider nicht ausreichend entgegenwirkt“, teilte ein DET-Sprecher nun mit. Danach seien mit der zuständigen Firma, dem Schiffseigner und Experten „umfangreiche Anpassungen“ an dem Ultraschallsystem vorgenommen worden. Offenbar ohne ausreichend Erfolg. 

Im Frühherbst 2025 sei die „Excelsior“ infolge der mangelhaften Antifouling-Leistung des Ultraschallsystems sogar ausgefallen. LNG-Lieferanten hätten darauf hin abgewiesen werden müssen, teilte der DET-Sprecher weiter mit. „Trotz fortgesetzter, teils erheblicher Justierungen des Systems muss festgestellt werden, dass das Ultraschallsystem die Betriebssicherheit der FSRU nicht absichern kann und ein Totalausfall des Schiffs nicht ausgeschlossen werden kann.“ Um den Terminalbetrieb sicherzustellen, habe man beschlossen, als Alternative eine Genehmigung für das zuvor bereits auf dem Schiff installierte Elektrochlorierungssystem zu beantragen.

Neue Kritik von Umweltschützern

Die Umwelthilfe hält die weiteren Biozid-Einleitungen für gefährlich und kritisiert die Genehmigungsbehörde, den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Es ist die Pflicht der Behörden, empfindliche Gewässer zu schützen und dafür zusätzliche Schadstoffeinträge zu reduzieren“, teilte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner mit. „Der Antrag des Betreibers Deutsche Energy Terminal, vermittelt den Eindruck, dass es auf eine weitere Einleitung von Biozid nun auch nicht mehr ankomme - das ist absurd. Die Jade ist keine Müllhalde für immer neue Schadstoffe aus LNG-Terminals.“ Die Umweltschützer fordern den NLWKN auf, den Zulassungsantrag für den Biozid-Einsatz abzulehnen. 

Das Umweltministerium weist diese Kritik auf Anfrage zurück. Auch, dass es nun zwei LNG-Terminals in unmittelbarer Nähe zueinander gibt, die chlorhaltiges Abwasser in die Jade leiten, wird nicht als problematisch gesehen. Der NLWKN habe Stellungnahmen und Einwendungen sorgfältig geprüft - mit dem Ergebnis, „dass die Abwassereinleitung - auch im Zusammenwirken mit der bereits bestehenden Einleitung von chlorhaltigem Abwasser aus dem ersten LNG-Terminal - mit den gesetzlichen Anforderungen vereinbar ist“, teilte das Ministerium mit. Mit Umweltschäden seien der Prüfung zufolge nicht zu rechnen. Das Ministerium betont zudem, dass das Chlor-Reinigungsverfahren „unter hohen Auflagen und Einhaltung aller Grenzwerte“ erfolge. 

Laut Umweltministerium gilt auch ein Minimierungsgebot. Demnach soll das Ultraschallsystem weiterhin zum Einsatz kommen, „wenn der Bewuchsdruck dies zulässt“. Damit werde der Chloreinsatz weiter reduziert, hieß es.







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