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Xi Jinping und Donald Trump: Warum China vom US-Kurs profitieren könnte

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Außer Freundlichkeiten kam nichts Substantielles beim Staatsbesuch heraus. Allerdings fällt der Unterschied zwischen Xi Jinping und Donald Trump ins Auge. Als er die Gangway zu seiner 747 langsam hochging und sich, oben angekommen, noch einmal umdrehte und kurz winkte, da musste man sich zwangsläufig fragen: Was ging Xi Jinping durch den Kopf, nach zwei Tagen mit Donald Trump ? Der Kontrast ist nicht zu übersehen. Xi ist der ultimative Machtpolitiker, kalt und entschlossen. Er räumt weg, wer ihm im Wege steht. Parteichef ist er seit 14 Jahren, Staatspräsident seit 13 Jahren. Das nennt man Kontinuität. Donald Trump versuchte seinen Gast mit Grandezza zu beeindrucken. Persönlich erschien er auf dem Rollfeld, als Xi anreiste, ein seltener Akt der Auszeichnung. Er lud die KI-Bosse von OpenAI bis Meta zum Galadinner und führte Xi durch das Nationalarchiv, um ihm die Gründungsdokumente der hiesigen Demokratie zu zeigen. Chaotischer Streit bei Xi-Besuch: Trumps Moment der Schwäche Rätsel um Trump-Foto: Auf einmal steht eine andere Frau hinter Trump und Xi Die USA feierten gerade ihren 250. Geburtstag. Über diese Zahl kann ein chinesischer Alleinherrscher wohl nur amüsiert schmunzeln. Denn Xi denkt in langen historischen Schwüngen. Als die Siedler in Amerika im 19. Jahrhundert vom Osten nach dem West zogen und chinesische Zwangsarbeiter die Eisenbahn bauen halfen, da gehörte dieser Umstand zu den Demütigungen, die China zuteilwurden und sich in sein Gedächtnis einbrannten. Xi denkt in Jahrzehnten Was heute vor sich geht, ist die große geschichtliche Korrektur. China beansprucht wieder seinen Platz im Zentrum des Weltgeschehens, den es seit dem 3. Jahrhundert vor Christus innehatte. Dabei peilt Xi das Jahr 2049 an. Dann existiert das kommunistische China, von Mao Zedong begründet, 100 Jahre lang. Xi Jinping hat deshalb das Jubiläum als Zielpunkt für die Erfüllung des "historischen Traums" definiert. Bis dahin soll das Land wieder zur stärksten, reichsten und technologisch führenden Nation der Welt auferstehen. Was hält ein Mann, der in solchen Kategorien denkt, von einem Mann wie Donald Trump? Es ist nicht einmal zynisch zu glauben, dass Xi der Geschichte dankbar dafür ist, dass sie ihm gerade heute einen Präsidenten von diesem Schlage gegenübergestellt hat. Schon wahr, Donald Trump hat seine Partei ebenso im Würgegriff wie Xi seine. Kein Zweifel, dass auch er sein Land nach seinem Willen und seiner Vorstellung autoritär formen will. Dass ihm die Gerichte gelegentlich in die Arme fallen, passt ihm überhaupt nicht, muss er aber anerkennen. Wo Xi plant, springt Trump Außenpolitisch aber ist Trump ein Ausbund an Unstetigkeit, an Wankelmut, an Widersprüchlichkeit. Man muss nur kurz in seine Rede vor der UN-Generalversammlung reinhören, in der er dem Iran mit Vernichtung drohte, zugleich aber auf Diplomatie hoffte. Dabei zeigte er offen seine Verachtung für internationale Institutionen wie die UN , bei der er gerade auftrat. Wo Xi langfristig denkt und plant, springt Trump hin und her. Wo Xi Mittel und Etappen auf dem Weg zum Ziel definiert, weiß Trump nicht, was er will. Als Xi 2012 auf der Weltbühne auftrat, war Barack Obama Präsident. Schon damals ließ er die Verbündeten in Europa wissen, dass sich das Zentrum der Geschichte nach Asien verlagern müsste. Schon damals wollte er sich vorrangig dem Systemkonflikt mit China widmen. Deshalb sollten sich die USA aus dem Nahen und Mittleren Osten zurückziehen, was Obama wegen des Krieges in Syrien und der Anarchie in Libyen misslang. Trump startete als Isolationist – Amerika zuerst und sonst nichts. Keine schlechte Voraussetzung für die überfällige Orientierung nach Asien, die auch er sich vornahm. Dann jedoch begann er den Krieg gegen den Iran und kommt jetzt nicht mehr heraus. Gibt es bessere Nachrichten für eine aufsteigende Weltmacht, als dass die amtierende Weltmacht in Schwierigkeiten an alten Schauplätzen der Geschichte feststeckt? Trump beschädigt Amerikas größten Vorteil Die andere Besonderheit, welche die USA unter Trump entwickelt haben, ist das Verprellen von Verbündeten. Die Projektion der Macht, die amerikanische Präsidenten vornahmen, beruhte jedoch auf dem politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einfluss in Europa und in Asien. Ist eigentlich ein US-Präsident gut beraten, wenn er die Grundlagen für den historischen Aufstieg seines Landes zur Weltmacht willkürlich zerstört? Es gibt den klassischen Leitsatz, dass Länder keine Freunde, sondern Interessen haben. Im Interesse der USA wäre es, wenn sie alte und neue Verbündete um sich versammelte, gerade, wenn sie einen Konflikt mit China für unvermeidlich halten. China hat auf mehreren Kontinenten ein Netz von ökonomischen Abhängigkeiten gesponnen. Zu seinen historischen Rivalen, vor allem aus den Kriegen im 20. Jahrhundert, gehören Südkorea und Japan. Wenn diese Länder sich nicht mehr auf ihre große Schutzmacht USA verlassen können, müssen sie Konsequenzen ziehen, kein Zweifel. Taiwan wird zum entscheidenden Test Welche sie ziehen, hängt auch davon ab, was auf Taiwan passiert. Auf die Insel flohen nach 1945 die Truppen von Tschiang Kai-Shek, die im Bürgerkrieg gegen Mao unterlegen waren. Daraus entstand eine Demokratie unter amerikanischem Protektorat. Auf Taiwan erhebt aber das kommunistische Festland Anspruch. Bis 2049, so muss man vermuten, will Xi die Wiedervereinigung erzwingen. Für diesen Wunsch hat Donald Trump Verständnis gezeigt, auch eine wichtige Zäsur. Wie verhalten sich seine Nachfolger im Konfliktfall? Liegt es in ihrem Interesse, Taiwan preiszugeben? Als sich Xi zu den Ergebnissen seines Besuches äußerte, da sagte er, er wisse die "konstruktive strategische Stabilität" zu schätzen. Was meint er damit? Dass sich China in dieser Weltlage stabil und konstruktiv entwickeln kann, während die USA wenig konstruktiv mit anderem beschäftigt sind.






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