Friedliche Revolution: Einheitsdenkmal: Skulpturen sollen vier Meter groß werden
Vor 37 Jahren gingen zehntausende Bürger in Leipzig gegen die SED-Diktatur auf die Straße. Ein großes Denkmal soll bis 2029 an das erinnern, was mit vier weißen Bettlaken begann.
Wenn am 9. Oktober Kerzenlichter die Stadt erstrahlen lassen, werden wohl viele Bürger für einen Moment innehalten. Denn auf den Tag genau vor 37 Jahren versammelten sich in Leipzig mindestens 70.000 Menschen aus Protest gegen die SED-Diktatur. Die Demonstration, von der Bilder an das Fernsehen in Westdeutschland weitergegeben wurden, gilt als entscheidender Schritt zur Wende in der DDR. Leipzig würdigt dies jedes Jahr mit einem Lichtfest.
Bis 2029, dem vierzigsten Jahrestag, soll ein großes Denkmal fertiggestellt sein. Derzeit bekommen Passanten noch nicht viel zu sehen am Wilhelm-Leuschner-Platz. In den vergangenen Tagen haben nur einige Testbohrungen stattgefunden, wie das Kulturamt der Stadt Leipzig mitteilt. Man befinde sich noch im „künstlerischen Prozess“, sagte Alexej Kolyschkow, einer der Verfasser des Entwurfs. Vor zwei Jahren hat er mit weiteren Architekten des Kollektivs Zila den Wettbewerb der Stadt Leipzig um einen Entwurf für das Freiheitsdenkmal gewonnen.
Mehr als vier Meter hohe Skulpturen
Die Elemente, also die Fahnen, Banner und Transparente, die 2029 den Wilhelm-Leuschner-Platz schmücken sollen, seien noch in der Entwicklung. Ganz zu Beginn des Designprozesses habe man Papier gefaltet und damit erste Muster entwickelt, erläutert Experte Kolyschkow. „Es ist ein Herantasten.“
Im nächsten Schritt werde man darüber nachdenken, wie genau die Entwürfe in Metall übersetzt werden könnten. Die Elemente werden demnach eine Regelgröße von 4,5 Metern an der Oberkante und 3 Metern an der Unterkante haben. Die Skulpturen sind also größer als gewöhnliche Banner, Fahnen und Transparente.
Vier weiße Bettlaken und ein „herausragender“ Moment
Mit Bannern und Fahren zogen am 9. Oktober 1989 etwa 70.000 Menschen durch die Straßen Leipzigs. Heimlich gedrehte Videos gelangten kurz darauf ins Westfernsehen, weshalb der 9. Oktober als Schlüsselmoment in der Geschichte gilt. Die Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns war damals als junge Frau dabei.
Mindestens genauso wichtig waren für sie auch die Wochen zuvor. Der Moment, als sie am 4. September 1989 das erste Mal vor der Nikolaikirche mit Transparenten gestanden habe, sei „herausragend“ gewesen, sagte Oltmanns. „Diese klar formulierten Forderungen, geschrieben auf vier weißen Bettlaken, getragen von mutigen Menschen, waren eine klare Ansage an die Mächtigen.“
Auf den Transparenten der Demonstranten in Leipzig standen damals Forderungen wie: „Für ein offenes Land mit freien Menschen“. Dieser Protest gegen die SED-Diktatur gilt als Beginn der Montagsdemonstrationen, die zum Sturz der SED-Regierung führten. Oltmanns ist mittlerweile Ehrenbürgerin in Leipzig.
Frühestens 2028 gibt es für die Leipziger etwas zu sehen
Das künftige Freiheits- und Einheitsdenkmal aus Metall soll weiß lackiert werden. Für Oltmanns trägt diese Bildsprache eine „Offenheit in sich“, weil der Denkmalentwurf mit seinen weißen Elementen helfe, „selbst zu reflektieren“. Gleichzeitig stecke darin die Aufforderung, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen und „in der Tradition von 1989 im öffentlichen Raum aktiv zu sein“, sagt Oltmanns.
Das Denkmal wird nicht allein auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz stehen, sondern in eine Parkanlage eingegliedert werden. 2028 soll das Ganze sichtbare Formen annehmen, wie die Stadt Leipzig mitteilt. Derzeit sei man noch mit statischen Planungen beschäftigt. Im April 2029 werde dann mit der Montage des Denkmals begonnen; am 9. Oktober, dem 40. Jahrestag, soll das Denkmal eingeweiht werden.
