Jens Langeneke steht bei Fortuna Düsseldorf vor seiner Premiere als Cheftrainer. Ex- Kapitän Oliver Fink ist überzeugt, dass er genau der richtige Mann für den Job ist. Sie haben zusammen das Trikot der Fortuna getragen, gemeinsam 2012 den Bundesligaaufstieg gefeiert und sind beide längst Vereinslegenden mit Kultstatus bei den Fans. Einer von ihnen – Jens Langeneke – wird am Samstag bei Hansa Rostock seine Premiere als neuer Cheftrainer der Düsseldorfer feiern. Der andere – Oliver Fink – ist fest davon überzeugt, dass der Verein damit genau die richtige Wahl getroffen hat und hofft künftig auf attraktiven Fußball mit eigener Fortuna-DNA. Im exklusiven Interview mit t-online erklärt Ex-Kapitän Fink, was Langeneke und seinen Co- Trainer Adam Bodzek auszeichnet, warum die Entscheidung für das Duo aus seiner Sicht überfällig war und weshalb die Mannschaft vor allem eines braucht: Zeit. t-online: Oliver Fink, wie groß ist Ihre Freude, dass Ihr ehemaliger Kollege Jens Langeneke als Cheftrainer die Fortuna übernommen hat? Oliver Fink: Ich habe mich wie viele im Fortuna-Umfeld sehr darüber gefreut. Persönlich halte ich die Entscheidung sogar für überfällig. Jens steht schon lange in den Startlöchern und hat sich diese Chance verdient. Auch von Adam Bodzek als Co-Trainer halte ich große Stücke. Ich glaube, dass er ein großes Trainertalent ist, und bin gespannt, wie die Zusammenarbeit der beiden anläuft. Newsblog zu Fortuna Düsseldorf : Termin für Pokalknaller gegen den MSV steht fest "Lust am Untergang": Ex-Fortuna-Chef Röttgermann kritisiert Vereinsumfeld scharf Ende-Entlassung bei Fortuna: Jetzt stehen die Düsseldorfer Profis in der Pflicht Was zeichnet die beiden menschlich und fachlich aus? Bei beiden weiß man, woran man ist. Sie sind klar und direkt, auch wenn das nicht immer die diplomatischste Art ist. Als Trainer halte ich diese Eigenschaften aber für wichtig. Hinzu kommt, dass Jens einen Großteil der Mannschaft bereits trainiert hat und Adam mit einigen Spielern sogar zusammengespielt hat. Fachlich sind beide für mich über jeden Zweifel erhaben. Jens bringt schon viel Erfahrung mit, Adam sehe ich als Trainer mit großem Zukunftspotenzial. Gleichzeitig finde ich es gut, dass er seinen Weg über die Co-Station gehen und weiter lernen möchte. Beide sind bodenständig, kommunikativ und haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie bezeichnen die Entscheidung für Jens Langeneke als überfällig. Hätten Sie sich gewünscht, dass er schon früher eine Chance bekommt? Wenn man einen Trainer über Jahre fördert, sollte irgendwann auch der nächste Schritt möglich sein. Jens war lange Kapitän, hat seine Trainerausbildung abgeschlossen und den Fußballlehrer in der Tasche. Aus meiner Sicht hätte er schon früher bei der Profimannschaft ankommen können. Im Nachhinein ist es allerdings leicht, solche Entscheidungen zu bewerten. Ob wir mit Jens im Sommer den Abstieg verhindert hätten, bleibt Spekulation. Wie haben Sie die vergangenen Monate bei der Fortuna erlebt? Die Enttäuschung bei mir hat sich wie bei vielen Fans über noch längere Zeit aufgebaut, spätestens mit dem verpassten Aufstieg vor zwei Jahren. Damals herrschte eine beinahe toxische Atmosphäre. Dass wir am Ende sogar in die Dritte Liga absteigen würden, hätte ich trotzdem nicht erwartet. Den Hut muss ich aber vor unseren Fans ziehen. Der Spruch "Liebe kennt keine Liga" hat bei mir allerdings etwas Zeit gebraucht. Mit Jens und Adam auf der Trainerbank ist die Begeisterung jetzt auch bei mir wieder stärker geworden. Fortuna steckt mir im Herzen, ich verfolge alle Spiele. Zwischenzeitlich war mir diese Begeisterung aber ein Stück weit verloren gegangen. Sie selbst sind im Sommer nach dem Abstieg auch Opfer der Entlassungswelle bei Fortuna geworden. Hat das Ihre Verbindung beeinträchtigt? Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich das völlig unberührt gelassen hat. Ich konnte die Entscheidung aber nachvollziehen, weil ich für den Klub keine Systemrelevanz hatte. Wir hatten damals vereinbart, uns wieder zusammenzusetzen, wenn die Lage klarer ist. Heute bin ich wieder für Fortuna tätig als Botschafter, unter anderem bei sozialen Projekten und Kulturveranstaltungen. Ich stehe beratend zur Verfügung und bringe meine Meinung ein, wenn ich danach gefragt werde. Meine Expertise liegt im Sport, da sehe ich auch meine Zukunft – vielleicht im Trainerjob, vielleicht auch auf einer übergeordneten Ebene in einem Verein. Nach dem Umbruch im Sommer herrschte bei Fortuna ein Stück weit Aufbruchstimmung. Waren Sie damals trotzdem skeptisch? Skeptisch war ich nicht. Die Zusammenstellung des Kaders finde ich grundsätzlich gut, die Mischung stimmt. Gewundert hat mich allerdings, dass allein aufgrund des Namens Fortuna sofort wieder die Erwartung entstanden ist, um den Aufstieg mitspielen zu müssen. Dabei hat die Mannschaft einen enormen Umbruch erlebt. Wenn so viele neue Spieler zusammenfinden sollen, braucht es Zeit. Diese Zeit hat man in den vergangenen Jahren häufig nicht gegeben. Ich hoffe, dass Jens und Adam nun die Möglichkeit haben, etwas aufzubauen, statt nach zwei oder drei Spielen wieder alles infrage zu stellen. Beide sind zunächst "bis auf Weiteres" als Trainer eingesetzt. Ist das eine gute Lösung? Ich glaube, die Formulierung passt für beide Seiten. Jetzt ist es die bestmögliche Entscheidung, Jens und Adam diese Chance zu geben. Sollte sich die Tendenz trotzdem deutlich nach unten bewegen, müssen die Verantwortlichen reagieren können. Insgesamt halte ich die aktuelle Lösung daher für nachvollziehbar. Was ist aus Ihrer Sicht in dieser Saison noch möglich? Bei Fortuna ist grundsätzlich vieles möglich – in beide Richtungen. Ich wünsche mir vor allem, dass sich die Mannschaft spielerisch entwickelt, attraktiven Fußball zeigt und vielleicht sogar einen Art Fortuna-DNA und Spielidentität erkennen lässt. Es sollte nicht ausschließlich um das Ergebnis gehen. Wenn sich eine Mannschaft nachhaltig entwickelt, kommen die Punkte und gute Platzierungen im besten Fall als Konsequenz dazu. Sie sprechen attraktiven Fußball an. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass es bald wieder regelmäßig Spaß macht, Fortuna zuzuschauen? Ich bin optimistisch, allein schon wegen der Fans. Im Stadion wird beim Heimdebüt von Jens und Adam so viel Energie stecken, von der auch die Mannschaft profitieren kann. Wenn die Spieler den Schulterschluss mit den Fans, der Stadt und dem Stadion spüren, wird das den Zusammenhalt stärken. Vor dem Heimdebüt muss Fortuna an diesem Wochenende aber zunächst bei Hansa Rostock antreten. Was erwarten Sie? Rostock hat auch schon den Trainer gewechselt, dort gab es offenbar auch eine große Unzufriedenheit und zugleich einen hohen Erwartungsdruck. Aus Sicht der Fortuna kann alles passieren. Was mir wichtig ist, ist die Art und Weise, wie die Mannschaft dort auftritt. Und dass man auch bei einer möglichen Niederlage nicht gleich alles negativ bewertet und die Entscheidung für das neue Trainerduo wieder in Frage stellt. Wie gesagt: Man muss den beiden jetzt Zeit geben! Vielen Dank für das Gespräch!