Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump haben die Kongresswahl klar verloren. Für die Partei könnte jetzt ein zäher Richtungskampf beginnen. David Schafbuch berichtet aus New York An eines wollte das Weiße Haus erinnern: "Donald Trump ist noch euer Präsident", hieß es auf der Plattform X am Mittwochmorgen. Allerdings ist Donald Trump jetzt in den letzten beiden Jahren seiner zweiten Amtszeit angekommen – und nach der Niederlage bei den Zwischenwahlen wird ihm im kommenden Jahr ein Kongress ohne eigene Mehrheit das Regieren erschweren. In dieser Phase wird ein US-Präsident üblicherweise als "lahme Ente" bezeichnet: Ohne Mehrheit im Kongress hat Trump weniger politischen Handlungsspielraum – und weil er laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten darf, muss sich seine Partei nun einer wichtigen Frage zuwenden: Wie stellen sich die Republikaner politisch und personell ohne ihn auf, um nach dieser Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2028 wieder erfolgreich zu sein? Eine einfache Antwort dürften die Republikaner auf diese Frage nicht finden. Denn die Partei hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu vollständig an Trump ausgerichtet. Sie wird sich nun fragen müssen, ob es einen Nachfolger im Stil von Trump geben kann und wie viel Mitsprache der Präsident bei den Zukunftsfragen haben sollte. Denn Anzeichen, dass Trump-Unterstützer nur das Original und keine politische Kopie des Präsidenten wollen, gibt es bereits. Nach den Zwischenwahlen beginnt traditionell die Vorbereitung auf die kommenden Präsidentschaftswahlen. In den kommenden Monaten werden in beiden Parteien die ersten Politiker ihre Bereitschaft für eine Kandidatur erklären. Anfang 2028 beginnt dann der Vorwahlkampf, aus dem die Präsidentschaftskandidaten beider Parteien hervorgehen. Umfragen aus der Wahlnacht zeigen, dass die Koalition, die Trump 2024 zum Sieg verholfen hatte, bei den Zwischenwahlen 2026 nicht mehr hielt. Noch vor zwei Jahren konnte Trump viele junge Wähler, Latinos und schwarze Männer von sich überzeugen. Alle drei Gruppen haben sich in diesem Jahr wieder deutlich stärker den Demokraten zugewandt. Auch viele Geringverdiener und Wähler aus der politischen Mitte wechselten ins demokratische Lager. Bei der Kongresswahl 2026 wiederholte sich zudem eine Entwicklung, die bereits bei den Zwischenwahlen 2022 erkennbar war: Etliche Republikaner, die sich besonders stark an Trump orientierten und von ihm gefördert wurden, mussten Niederlagen einstecken. 2022 scheiterte etwa Mehmet Oz, der heute für Trump die Gesundheitsbehörde CMS leitet, bei der Senatswahl in Pennsylvania . Im selben Jahr verlor die Moderatorin Kari Lake die Gouverneurswahl in Arizona und Herschel Walker das Rennen um den Senatssitz in Georgia. Der Trend setzte sich 2026 fort: Kandidaten wie Ken Paxton (Senat, Texas), Vivek Ramaswamy (Gouverneur, Ohio) oder Michael Whatley (Senat, North Carolina) wurden stark von Trump gefördert, fielen aber allesamt bei den Wählern durch. Die Diskrepanz war auch dem Präsidenten selbst aufgefallen: Er habe "viel Liebe" bei seinen Wahlkampfauftritten im vergangenen Monat erfahren, sagte Trump am Mittwoch vor Reportern in Washington . Allerdings sei es nicht gelungen, diese Unterstützung auf die Kandidaten seiner Partei zu übertragen. Jeden, der Trump als Präsidentschaftskandidat und Führungsfigur beerben möchte, stellt das vor ein Dilemma: Die Trump-Basis scheint es nicht zu goutieren, wenn man dem Präsidenten zu stark nach dem Mund redet. Andererseits ist Loyalität die wichtigste Währung, um unter Trump politischen Erfolg zu haben. Wer sich als Kabinettsmitglied gegen den Präsidenten stellt, ist in der Regel irgendwann seinen Job los. Gleiches gilt auch für die Mitglieder des Kongresses: Parteiinterne Kritiker wurden von Trump und seinen Unterstützern für gewöhnlich an den Rand gedrängt, bis sie von einer Kandidatur absahen oder von Trump in den Vorwahlen kaltgestellt wurden. "Sehr unklar" Auch bei den Midterms war dies der Fall: Prominente Gegenstimmen wie Thom Tillis, Don Bacon oder Thomas Massie werden dem künftigen Kongress nicht mehr angehören. Massie war in den Vorwahlen gegen einen Kandidaten gescheitert, den Trump unterstützt hatte. Tillis und Bacon waren freiwillig aus dem Kongress ausgeschieden. Alex Conant, republikanischer Politikberater, bezweifelt deshalb, ob es überhaupt eine Nachfolgefigur für Trump geben kann. "Trump konnte seine politische Unterstützung nie wirklich auf andere Kandidaten übertragen. Ob MAGA oder die populistische Bewegung nach Trump weiterhin erfolgreich sein kann, ist meiner Meinung nach sehr unklar", sagte Conant dem Radiosender NPR. Zugleich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Trumps Urteil bei der Nachfolgediskussion entscheidend sein wird. Davon ging zumindest Joe Gruters, Parteichef der Republikaner, vor der Wahlniederlage aus. Gruters sagte der "LA Times", dass Trump "die mit Abstand wichtigste Person in der Republikanischen Partei" sei. Daher gehe er davon aus, dass sein Wort Gewicht haben wird: "Ich denke, er wird mitentscheidend dafür sein, wer der nächste Präsident wird." "Jeder weiß, warum wir verloren haben" Für kommende Präsidentschaftskandidaten der Republikaner könnte das bedeuten, dass sie den Wählern ein neues Angebot machen müssten, ohne dass es zu einem Bruch mit Trump kommt. Laut Umfragen kommen dafür vor allem zwei Politiker infrage: Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance. Vance ging am Mittwoch auf Distanz zu Trump. Der Vizepräsident machte den Iran-Krieg für die Niederlage bei den Wahlen verantwortlich: "Jeder weiß, warum wir verloren haben. Und jede Diskussion darüber, wie es weitergeht, muss dort ansetzen", schrieb Vance auf der Plattform X. Angesprochen auf den Vorwurf seines Vizes, reagierte Trump am Mittwoch gelassen. Er wisse, wie Vance zu dem Krieg stehe. Gleichzeitig betonte der Präsident, dass er von seinem Kurs nicht abweichen wolle, weil der Iran in Zukunft keine Atomwaffen besitzen dürfe. Trump hat bislang offengelassen, ob und wen er als eigenen Nachfolger favorisieren würde. Im Oktober hatte Vance in einem Interview gesagt, er gehe davon aus, dass Trump ihn unterstützen würde, sollte er sich entscheiden, 2028 zu kandidieren. Vance fügte aber hinzu, dass er sich noch nicht entschieden habe. Einen Tag danach tat Trump öffentlich die Aussagen ab. Vance sei zwar "sehr talentiert" und ein "guter Mensch", allerdings hätten beide noch nie über das Thema gesprochen. Trump hatte in der Vergangenheit auch laut darüber nachgedacht, dass möglicherweise Rubio und Vance gemeinsam als Präsident und Vizepräsident kandidieren sollten. Erfahrung im Wahlkampf hat Rubio bereits: 2016 wollte er schon einmal für die Republikaner antreten. Im Vorwahlkampf konnte er sich allerdings nicht gegen Trump durchsetzen. Rubio selbst teilte mit, dass er keine Kampfkandidatur gegen Vance anstrebe. Zudem dürfte es ihm deutlich schwerer fallen als dem Vizepräsidenten, den Iran-Krieg zu kritisieren: Der 55-Jährige gilt als der mit Abstand wichtigste außenpolitische Berater des Präsidenten, weil er neben seinem Ministeramt auch Nationaler Sicherheitsberater ist. Allzu deutliche Kritik könnte für Rubio zu einem größeren Risiko werden als für Vance. Denn der Vizepräsident hat einen weiteren Vorteil: Weil er 2024 gemeinsam mit Trump gewählt wurde, kann ihn der Präsident nicht entlassen – anders als jedes Kabinettsmitglied. Möglich sind allerdings auch Kandidaturen von Politikern, die nicht der Regierung von Trump angehören. Entsprechende Gerüchte kursieren etwa über Trumps Sohn Donald Junior. Größere Chancen werden anderen Kandidaten momentan aber nicht eingeräumt: Im vergangenen Monat hatte die "New York Times" in einer Umfrage ermittelt, welche Politiker die besten Chancen haben, 2028 Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Neben Vance und Rubio landete auf Rang drei Donald Trump.