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Nationalmannschaft: Zweitliga-Trainer Stamm prägt den Klopp-Kader

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Als Trainer hat Thomas Stamm zahlreichen Spielern den Weg in den Profifußball geebnet. Einige davon nominierte Jürgen Klopp bereits für die deutsche Nationalmannschaft. Thomas Stamm weiß, wie man Nationalspieler formt. So zumindest sieht es auf den ersten Blick aus. Allein im ersten Kader von Bundestrainer Jürgen Klopp waren sieben Spieler dabei, die vom Deutsch-Schweizer bei seinen Stationen in Freiburg und Dresden trainiert wurden. Aus der Gruppe um Noah Atubolu, Nico Schlotterbeck , Max Rosenfelder, Philipp Treu, Mika Baur, Kevin Schade und Yannik Engelhardt dürften es zum Abschluss des Länderspieljahres 2026 wieder einige Spieler in den DFB-Kader schaffen. BVB-Star auf Toilette: Einwechslung fast verpasst DFB-Kader: Klopp holt wohl Füllkrug zurück – Jungstar muss zu Hause bleiben Stamm, der zwischen 2015 und 2024 beim SC Freiburg als Trainer der U19 und der zweiten Mannschaft arbeitete und heute Zweitligist Dynamo Dresden trainiert, spricht im Interview mit t-online über die Entwicklung von Talenten, darüber, was er von Philipp Treu und Nico Schlotterbeck gelernt hat – und wo der DFB nun wirklich steht. t-online: Herr Stamm, was ist Ihre Zauberformel, um so viele Nationalspieler auszubilden? Thomas Stamm: Die gibt es nicht. Am Ende redet man immer nur vom Trainer, aber man kann in jedem einzelnen Fall viele Personen aufzählen, die mit dem Spieler gearbeitet haben – seien es Co-Trainer, Fitnesscoaches oder Sportpsychologen. Die Jungs haben mit vielen guten Leuten gearbeitet, die Wert auf ihre Entwicklung gelegt haben und nicht frühzeitig in dieses Schubladendenken verfallen sind: "Er ist ein Top-Talent und er nicht." Wichtig war auch, dass die Spieler geduldig und leidensfähig waren und Widerstände überwunden haben. Bei dem einen reicht es dann zum Nationalspieler und bei einem anderen vielleicht immerhin zum Top-Zweitliga-Spieler. Nachdem Jürgen Klopp in seinem ersten Kader sieben Spieler nominiert hatte, die von Ihnen trainiert wurden, haben Sie gesagt, Sie seien nicht stolz. Warum nicht? Natürlich macht mich das stolz. Aber ich schreibe mir nicht auf die Fahne: "Die sind alle durch meine Hände gegangen, ich habe einen großen Anteil daran." Wenn ich schaue, welchen Weg diese Spieler gegangen sind, spielt ihre Persönlichkeitsentwicklung eine ganz große Rolle. Auf den Umgang miteinander in einer Gruppe und welche Werte man vermittelt, hat man als Trainer Einfluss. Darauf bin ich auch stolz und hoffe, dass die Jungs einiges mitgenommen haben. Aber nur darum geht es nicht. Worum geht es noch? Um ihren Eigenantrieb und besonders darum, Widerstände wegzuschieben. Im Endeffekt habe ich als Spieler wie heute als Trainer von vielen Wegbegleitern etwas mitgenommen. Und so werden die Spieler wahrscheinlich auch positive und negative Dinge von mir mitgenommen haben. Was haben Sie von den Spielern gelernt? Nico Schlotterbeck legte eine unglaubliche Energie an den Tag. Er war immer extrem positiv, selbst in Phasen, in denen es bei der Mannschaft nicht so lief. Wenn es nicht läuft, läufst du als Trainer schnell Gefahr, nur die negativen Dinge anzusprechen. Aber es ist wichtig, viel Wert auf die positiven Dinge zu legen und nach vorn zu schauen. Das muss man sich im Alltag immer wieder bewusst machen. Philipp Treu ist dafür auch ein sehr gutes Beispiel. Inwiefern? Er hat nie Ausreden gesucht, sondern immer Lösungen, wenn er mal eine Phase mit wenig Spielzeit hatte. Dann hat er trotzdem in jedem Training Vollgas gegeben, als wäre er Stammspieler oder Kapitän. Das ist außergewöhnlich. Philipp Treu ist der Spieler, den Sie in Ihrer Trainerkarriere bisher am häufigsten eingesetzt haben. Er hat es mit seiner Art und Weise einfach immer geschafft, sich in die Startelf zu arbeiten oder Spielminuten zu bekommen. Und er hat eine großartige Entwicklung genommen: Er lief lange ein bisschen unter dem Radar, schien immer einen Schritt hinter den vermeintlichen Top-Talenten. In den U-Nationalmannschaften hatte er lediglich zwei Einsätze in der U19. Aber das wollte er eben nicht akzeptieren. Daher bin ich über seine Entwicklung auch nicht überrascht, sie spiegelt einfach seinen Charakter wider. Jetzt hat er bereits drei A-Länderspiele über 90 Minuten als rechter Verteidiger absolviert und viel Lob erhalten. Hatten Sie nach den Spielen Kontakt mit ihm? Nein. Ich glaube, er hat in dem Moment schon genügend Nachrichten bekommen. Ich frage zu anderen Zeitpunkten nach, beispielsweise wenn er eine Verletzung hat und erkundige mich, wie es ihm geht. Erkennen Sie in seinem Spiel noch Muster, die Sie ihm abtrainieren wollten? Wenn er sich in die Offensive einschaltet, hat er manchmal einen kleinen Übersteiger drin, der nicht immer zwingend notwendig ist. Es gab in den ersten Länderspielen Situationen, die er mit einem Pass schneller hätte lösen können. Der Übersteiger kann am gegnerischen Strafraum natürlich auch eine Stärke sein, aber bei uns hatte er ihn damals auch mal in der eigenen Hälfte versucht. ( lacht ) Sie und auch Bundestrainer Jürgen Klopp mögen sein Spiel. Aber nur, wenn ein Trainer dem Spieler vertraut, wird er aufgestellt und kann sich entwickeln. Daher ist der Trainer im Verlauf einer Spielerkarriere immer der X-Faktor, oder? Ja, aber Vertrauen von den Trainern zu bekommen, ist keine Einbahnstraße. Das entsteht, wenn im Training und Spiel Leistung gebracht wird. Noah Atubolu hat uns beispielsweise als U17-Spieler überzeugt, ihn schon in der U19-Bundesliga einzusetzen. Aber diese Entscheidung hatte zwei Seiten. Welche? Wir sprachen ihm aufgrund seiner guten Leistungen das Vertrauen aus, aber auch, weil wir viel Potenzial in ihm gesehen haben. Aber diese Entwicklung findet nur statt, wenn man Fehler zulässt und als Spieler offen dafür ist, an Dingen zu arbeiten und kritikfähig zu sein. Ein wichtiger Aspekt ist, Kritik als Basis für Weiterentwicklung zu sehen. Das hat dazu geführt, dass Sie Atubolu später mit 18 Jahren auch zur Nummer eins in der zweiten Mannschaft des SC Freiburg in der 3. Liga ernannt haben. Das stimmt. Aber dort hat er trotz seines Selbstbewusstseins, seiner Ausstrahlung und seiner guten Leistungen zuvor auch Zeit gebraucht, bis er sich stabilisiert hat. Das war genauso, als er dann Stammtorhüter in der Bundesliga wurde. Aber wenn man von einem gemeinsamen Weg überzeugt ist, braucht es Zeit und es wäre fahrlässig, das Projekt nach zwei, drei Spielen wieder einzustampfen. Trotzdem muss irgendwann die Leistung stimmen. Der Übergang vom Jugend- in den Männerfußball gilt als der schwerste Schritt. Eine zweite Mannschaft als Entwicklungsstation nutzen jedoch nicht mehr alle Profiklubs. Dass man eine zweite Mannschaft hat, ist für mich elementar. Da gibt es für mich auch keine zwei Meinungen. Für 80 bis 90 Prozent aller Profispieler ist eine zweite Mannschaft ein wichtiger Zwischenschritt in der Entwicklung. Sie muss nicht unbedingt in der 3. Liga spielen, sondern kann auch in der Regionalliga antreten. Es geht einfach darum, viel Spielzeit und Praxis zu bekommen, und wenn die Jungs das annehmen, hat das einen großen Mehrwert. Hat der Fußball verlernt, mit jungen Spielern geduldig zu sein – oder verlieren die Top-Talente zu schnell die Geduld? Es soll oft zu schnell zu hoch gehen. Aber man sieht: Fast alle, die geduldig waren, wurden dafür belohnt. Manchmal geht man als Spieler unter dem Einfluss des Beraters, des Umfelds und der Familie zu schnell einen zu großen Schritt. Daher würde ich als wichtigen X-Faktor einer Karriere nicht nur den Trainer nennen, sondern: gute Entscheidungen treffen. Auch hier kann ich Philipp Treu wieder als Beispiel anführen. Bitte. Nach einem sehr guten ersten Drittliga-Jahr in der zweiten Mannschaft hat er sich trotz entsprechender Anfragen nicht für den Wechsel zu einem Zweitligisten entschieden, sondern nochmal ein Jahr drangehängt. Er hat sich bewusst für ein weiteres Jahr Entwicklung entschieden und wollte Verantwortung übernehmen. Treu wechselte erst im Sommer 2023 aus Freiburg zum FC St. Pauli und kehrte im Sommer 2025 zurück. Kevin Schade hingegen ist nach 29 Bundesligaspielen für den SC Freiburg in die Premier League gewechselt. Das haben viele Experten und Beobachter nicht verstanden. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man von außen das Gefühl hatte, dass der Schritt einen Tick zu früh kommt. Und ich glaube schon, dass eine längere Zeit in Freiburg für seine Entwicklung hätte gut sein können. Aber er ist seinen Weg auch so gegangen, ist geduldig geblieben und hat sich mit seinen Qualitäten durchgesetzt. War das abzusehen? Ich habe ihn immer als extrem aufnahmefähig erlebt. Er hatte zwar ein paar Themen außerhalb des Fußballs, aber das muss man in jungen Jahren ein Stück weit akzeptieren und vor allem die Leistung auf dem Platz bewerten. Aber ich hatte noch nie einen Spieler, der in Sachen Schnelligkeit so explosiv war. Das ist eine Komponente, die du schwer trainieren kannst. Wie blicken Sie grundsätzlich auf den deutschen Fußball – sind Ausbildung und Talentpools wirklich so schlecht? In meinen Augen ist die Sichtweise zu sehr schwarz-weiß. Deutschland hat sehr viel Potenzial, aber man darf sich nicht mit Frankreich, Spanien, England oder den Niederlanden vergleichen, weil sie einfach andere Spielertypen haben. Wir müssen lernen, uns und den Jungs mehr Zeit zu geben. Erfolg wird noch zu sehr am Resultat festgemacht. Die Frage ist, ob wir die Geduld haben, Entwicklungsschritte zuzulassen. Was fehlt Ihnen? Ein bisschen die Perspektive auf das große Ganze und auch die Fantasie, Potenziale zu sehen. Stattdessen werden viele Spieler schon früh in eine Schublade gesteckt. Gerade aus meiner Erfahrung von sechs Jahren als U-19-Trainer in Freiburg ging es vielen gefühlt zu wenig um Entwicklung, wenn gegnerische Teams teilweise mit zwei Fünferketten gespielt haben, da es ihnen am Ende nur um das Resultat ging. Was macht Ihnen Hoffnung? Es sind gute Leute wie Hannes Wolf in den führenden Positionen, die dort hoffentlich auch noch lange bleiben. Denn man muss dem ganzen Prozess Zeit geben und darf nicht erwarten, dass das schon nach zwei Jahren Früchte trägt.




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