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Inflation USA: US-Notenbank zieht wohl im Dezember die Notbremse

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Unter Ökonomen herrscht Einigkeit: Im Dezember erhöht die Fed den Leitzins. Warum das für Anlegerinnen und Anleger keine schlechte Nachricht sein muss. Die Demokraten feiern bei den US-Zwischenwahlen einen deutlichen Erfolg: Sie übernehmen die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Dabei hatte Donald Trump seinen Wählerinnen und Wählern 2024 versprochen, die Inflation werde "vollständig verschwinden". Die Realität sieht anders aus. Der anhaltende Konflikt mit dem Iran treibt die US-Benzinpreise im Jahresvergleich um 40 Prozent nach oben. Dieser äußere Preisschock durch die hohen Ölpreise dürfte sich mit Verzögerung auch auf andere Alltagsprodukte und Dienstleistungen auswirken – und die Inflation deutlich anheizen. Für Anlegerinnen und Anleger, die in weltweit gestreute Aktienfonds, ETFs , Anleihen und Gold investieren, hat ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank Fed direkte Bedeutung. Das gilt umso mehr, als auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer ähnlich schwierigen Aufgabe steht. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben Die Inflation in den USA liegt zurzeit bei 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Die Kerninflation bewegt sich mit 2,6 Prozent (Stand Oktober 2026) im moderat erhöhten Bereich. Ein Berechnungsmodell der Cleveland Fed – zuständig für Ohio sowie Teile von Pennsylvania , Kentucky und West Virginia – zeigt jedoch: Im November könnte die Inflation sogar auf über 4,2 Prozent zusteuern. Geopolitische Konflikte und angekündigte Zölle treiben diesen Anstieg an. Die Fed selbst rechnet für das Gesamtjahr 2026 im Schnitt mit einer Inflation von 3,2 bis 3,7 Prozent. Das heißt: Die Preise steigen in den nächsten Monaten erst einmal weiter spürbar. Das Leben bleibt teuer. Bei ihrer jüngsten Sitzung beließ die Fed den Leitzins wie erwartet unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Als Begründung führte der Offenmarktausschuss an, dass weitere Daten helfen werden, den angemessenen geldpolitischen Kurs zu bestimmen. Für Eric Winograd, Chefökonom bei AllianceBernstein, ist das ein klares Signal: Die Fed dürfte nach Auswertung weiterer Daten im Dezember die Zinsen erhöhen. Notenbankchef Kevin Warsh begründete den jüngsten Verzicht auf einen Zinsschritt damit, dass bis zur Dezembersitzung zahlreiche neue Informationen vorliegen werden – darunter zwei Inflationsberichte und zwei Arbeitsmarktberichte. "Ein durchaus nachvollziehbarer Grund, die Entscheidung zu vertagen", kommentiert Winograd diesen Schritt. Geteilte Macht begünstigt Aktienmärkte Anthony Willis, Ökonom bei Columbia Threadneedle Investments, sieht die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert liegen – seit sechs Monaten übersteigt sie sogar das Lohnwachstum in den USA. "Die amerikanischen Verbraucher reagieren auf die gestiegenen Preise damit ähnlich wie bei der Wahl 2024, als Joe Biden und Kamala Harris vor dem Hintergrund einer hartnäckig hohen Inflation und der damit verbundenen Kaufkraftverluste eine Niederlage hinnehmen mussten", erklärt Willis. Aus makroökonomischer Sicht liefert die Vergangenheit allerdings auch eine positive Nachricht, wie Willis betont: Blockieren sich die beiden politischen Lager nach dem Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen gegenseitig und bringen sie keine neuen Gesetze durch, kommt das der Börse zunächst zugute. "Unmittelbare Sorgen etwa über eine strengere Regulierung Künstlicher Intelligenz könnten daher überzogen sein, zumal Präsident Trump weiterhin die Möglichkeit hat, gegen unliebsame Gesetze sein Veto einzulegen", so der Experte. Historisch betrachtet, gewinnen die Aktienmärkte nach Zwischenwahlen an Wert – und das nahezu unabhängig vom Ausgang der Wahl. Zudem zählt das dritte Jahr einer US-Präsidentschaft gemessen an den historischen Renditen zu den stärksten überhaupt. US-Schulden: Der nächste Preistreiber Neben der hohen Inflation warnt Anthony Willis auch vor dem gewaltigen Haushaltsdefizit der USA. Gibt der Staat deutlich mehr Geld aus, als er einnimmt, pumpt er damit in großem Umfang zusätzliches Geld in die Wirtschaft. Das kurbelt zwar kurzfristig das Wachstum an, treibt aber gleichzeitig die Inflation weiter nach oben. Auch deswegen gerät die Fed unter Druck: Am 9. Dezember dürfte sie die Notbremse ziehen und den Leitzins voraussichtlich um 0,25 Prozentpunkte anheben – als direkte Antwort auf die ausufernden Staatsschulden und die dadurch angefeuerte Teuerung. In einer aktuellen Reuters-Umfrage rechnen alle 100 befragten Ökonomen mit genau diesem Zinsschritt im Dezember. EZB und Fed sind sich einig Die Inflation ist dabei kein rein amerikanisches Problem: Auch in Europa bleibt der Preisdruck hoch. Für Anlegerinnen und Anleger in weltweit gestreuten Fonds und ETFs ist deshalb auch die EZB-Entscheidung von Bedeutung. Auch in Frankfurt stehen die Zeichen wegen der hartnäckigen Teuerung im Euroraum auf Zinsanhebungen. Liefern Fed am 9. Dezember und EZB am 17. Dezember wie erwartet, hat das handfeste Folgen für die Kapitalmärkte. Höhere Zinsen wirken wie ein Bremsmanöver: Sie verteuern Kredite für Unternehmen, schmälern deren Gewinne und dämpfen so das Wachstum. Gleichzeitig gewinnen sichere Alternativen wie US-Staatsanleihen weiter an Attraktivität – was Kapital von den Aktienmärkten abziehen könnte. Da Experten diesen Schritt jedoch nahezu sicher erwarten, haben die Märkte die Zinsanhebung größtenteils bereits in den Kursen eingepreist. Langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger können die Zinswende daher gelassen aussitzen. Gold bleibt Krisengewinner Für Gold dürfte die Zinsanhebung im Dezember dagegen nur ein kurzfristiges Störfeuer sein, das den langfristigen Wert kaum erschüttert. Behält Anthony Willis mit seinen Warnungen vor dem riesigen US-Schuldenberg recht, bleibt die langfristige Nachfrage nach Gold als Krisenschutz und "sicherem Hafen" hoch. Zusätzlichen Auftrieb könnte Gold sogar durch die Haushaltsabstimmung im Januar zwischen Republikanern und Demokraten erhalten. Kommt es dabei nicht zu einem Kompromiss, droht erneut ein Shutdown – also ein vorübergehender Regierungsstillstand mit negativen Folgen für die US-Wirtschaft. Das richtige Zusammenspiel: Aktien, Anleihen und Gold Für die strategische Ausrichtung eines globalen Portfolios ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Zinswende und Haushaltsrisiken ein klares Bild. Halten Fed und EZB die Zinsen hoch, bilden breit gestreute Aktien-ETFs weiterhin das renditestarke Fundament eines Depots – globale Qualitätsunternehmen können gestiegene Kosten langfristig über ihre Preise weitergeben. Angesichts der wieder attraktiven Renditen bei US-Staatsanleihen und europäischen Rentenpapieren gewinnen Anleihen zudem spürbar an Bedeutung und wirken als stabilisierende Komponente im Depot. Wer sich zusätzlich gegen systemische Risiken der US-Verschuldung und einen möglichen Haushaltsstreit im Januar absichern möchte, sollte eine komplementäre Beimischung von Gold erwägen.




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