Weinheim: "Solidarische Landwirtschaft" rannte offene Türen ein
Von Günther Grosch
Weinheim. Wie kann angesichts des globalen, jahreszeitlich unabhängigen Supermarkt-Angebots eine lokale, bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben? Die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt? Und wie kann man sich mit Erzeugnissen aus der Region ernähren, von denen man weiß, woher sie stammen und wie sie angebaut werden?
Derlei Fragen zu beantworten und Wünsche zu befriedigen, stand jetzt im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die alle Erwartungen der Organisatoren übertraf. Annähernd 50 Frauen und Männer drängten sich im Café Central bis in den Vorraum hinaus, um zu erfahren, was es mit dem Modell einer "Solidarischen Landwirtschaft" ("SoLawi") auf sich hat.
Die "SoLawi" ist 2017 in Weinheim angekommen. Mit aktuell fünf Mitgliedern im Zentrum, in Lützelsachsen, auf der Waid und in Hohensachsen. "SoLawi"-Depotsprecher Abel Marrero hatte eingeladen, um Einblicke in das Modell einer lebendigen und verantwortungsvollen Landwirtschaft zu geben. Die Idee hinter "SoLawi - Sich die Ernte teilen" erscheint ebenso praktisch wie einfach. Die Mitglieder zahlen ein Jahr lang einen monatlichen Beitrag. Der Hof finanziert damit Saatgut, Maschinen oder Arbeitskräfte. Im Gegenzug bekommen die Mitglieder einen Anteil an der Ernte: "Sie kaufen also nicht mehr direkt ein Produkt, wie etwa bei einer Abo-Gemüsekiste, sondern finanzieren die Produktion der Lebensmittel." Als Risiko bleiben Ausfälle durch Missernten. 2017 gab es wegen des starken Frühjahrsfrosts nur Beerenfrüchte, aber kaum Steinobst.
Doch beide Seiten profitieren auch. Die "SoLawisti" erhalten frisches Gemüse aus der Region in Bio-Qualität von einem vertrauten Erzeuger - sowie ein Mitspracherecht beim Anbau. Der Landwirt bekommt Planungssicherheit, sichere Abnehmer und muss das wirtschaftliche Risiko nicht mehr alleine tragen. Er wird unabhängig von Preisschwankungen und Ernteausfällen. Es können auch Erzeugnisse zweiter Sortierung abgesetzt werden, die es im Handel schwer hätten.
Die vor vier Jahren gegründete "SoLawi Mannheim-Ludwigshafen", der Marrero angehört, hat 195 Mitglieder. Diese unterstützen zwei Bauernhöfe in der Pfalz und in Mannheim-Rheinau. Der Bioland-Betrieb von Klaus Fix und der Obsthof Scherer produzieren Gemüse und Obst. Die Mitglieder holen wöchentlich ihre Ernteanteile über Verteilerzentren (Depots) ab. Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden zeigte sich begeistert. Ein gutes Dutzend von ihnen würde sich an der Gründung einer Basisgruppe beteiligen, nicht zuletzt angesichts der "Weinheimer Obst- und Gemüsewüste". Unter der Voraussetzung, dass sich auch hier ein oder mehrere Landwirte finden, die sich für das Projekt begeistern. Ein "Andocken" an die Gruppe in Mannheim wurde dagegen als weniger praktikabel empfunden.
Marrero und Umweltberaterin Ribana Seliger nannten weitere positive Aspekte eines derartigen Zusammenschlusses: So biete der persönliche Kontakt Vorteile. Die Abnehmer würden informiert und könnten basisdemokratisch Einfluss nehmen.
So werden bevorstehende Arbeiten angekündigt. Die Mitglieder konsumieren nicht nur, sondern packen auch selbst an. Zudem gibt es Hoffeste und Mitgliederversammlungen. Dort werden nicht nur Probleme besprochen, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Vor allem eines sollten aber alle mitbringen, so Marrero: "Pioniergeist."
Eine für zwölf Monate verpflichtende Anmeldung zum nächsten Gartenjahr (1. März 2018 bis 28. Februar 2019) ist bis spätestens Mittwoch, 31. Januar, möglich. Vom 1. Februar an sind nur noch unterjährige Eintritte zum 1. Juli und zum 1. Oktober möglich. Ein Austritt während des laufenden Gartenjahrs ist nur möglich, wenn man ein Ersatzmitglied stellt.
Info: www.solawimalu.de.
