Bürgermeisterwahl Eberbach: Eine Wahlbewertung mit Vergleichszahlen
Von Felix Hüll
Eberbach. Die Wiederwahl von Bürgermeister Peter Reichert hat unter den Corona-Bedingungen stattgefunden. Es fällt schwer, bei der Analyse zu unterscheiden, was an der niedrigen Wahlbeteiligung auf die Pandemie zurückzuführen ist und was auf eine Abneigung gegenüber dem Alleinkandidaten.
Zu Reichert gab es keine auf den Stimmzettel aufgedruckte Alternative außer die Möglichkeit, weitere Personen zu benennen. Ein Blick auf zwei ebenfalls am Sonntag unter den gleichen Umständen abgehaltenen Wahlen in Heiligkreuzsteinach und in Konstanz mag hier weiter helfen.
In Heiligkreuzsteinach gewann die wie Reichert als Alleinkandidatin aufgestellte Amtsinhaberin Sieglinde Pfahl. Ihre Wiederwahl erfolgte bei einer Beteiligung von 48,6 Prozent (Eberbach: 30,9 Prozent) mit 982 Stimmen (96,2 Prozent, Reichert hatte 95,25 Prozent). Auf "Sonstige" (Nennungen) entfielen in Heiligkreuzsteinach 39 Stimmen (3,98 Prozent, in Eberbach 163 Stimmen/4,75 Prozent). Genannt wurden 20 zusätzliche Namen. Ungültig waren 36 Stimmen (3,41 Prozent/Eberbach: 90 Stimmen/2,56 Prozent).
In Konstanz hatte der Oberbürgermeister Uli Burchardt (wie Reichert auch ein Förster und übrigens der Enkel eines Eberbachers) am 27. September im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erhalten. Im zweiten Wahlgang am Sonntag siegte Burchardt bei zwei Gegenkandidaten mit 49,5 Prozent gegenüber Luigi Pantisano (45,1 Prozent) und Andreas Matt (5,1 Prozent). Von den 66.618 Konstanzer Wahlberechtigten hatten 40.921 (61,4 Prozent) gewählt. Nun mag der Vergleich der 14500 Einwohner-Stadt Eberbach mit dem rund 86.300 Einwohner zählenden Konstanz hinken. Als in Meckesheim-Mönchzell Wohnender blickt Peter Reichert selbst gern auf die dortige Kraichgaumetropole Sinsheim. Und der Oberbürgermeister dort, Jörg Albrecht, hatte noch vor den Präventionsmaßnahmen gegen Corona am 2. Februar dieses Jahres Wahltermin.
Albrecht war ebenfalls als Alleinkandidat angetreten und hatte sich um eine zweite Amtszeit beworben. Bei dieser Wahl sozusagen unter herkömmlichen Vor-Pandemie-Bedingungen hatten in Sinsheim von 27.144 Wahlberechtigten 7.592 ihre Stimme abgegeben. Damit lag die Beteiligung bei diesem Urnengang "ohne Wahlalternative und Kandidatur des Amtsinhabers" bei 27,7 Prozent. In Sinsheim wurden zudem 82 Stimmen für "Sonstige" abgegeben (1,1 Prozent), 214 Stimmen waren ungültig (2,82 Prozent).
Schönbrunns Bürgermeister Jan Frey, der diese Zahlen auch kannte, sie aber am Wahlabend nicht ausdrücklich erwähnte, hatte Bürgermeister Peter Reichert mit der Gratulation zur Wiederwahl auch zur 30,9-Prozent-Wahlbeteiligung beglückwünscht; damit könne er zufrieden sein.
Von Anfang an hatte Eberbachs Gemeindewahlausschuss die Bürger zur Briefwahl aufgefordert. Von 15 bisherigen Urnenwahllokalen waren gerade mal drei übrig geblieben. Die letztlich 2.818 Briefwähler stellten einen Anteil von 80,08 Prozent, den Gang ins Wahllokal hatten lediglich noch 701 Wähler (19,92 Prozent) gemacht.
Zur Briefwahl einen Wahlschein beantragt hatten zuvor 3.309 Bürger. Nachdem davon besagte 2.818 den Wahlbrief zurückgesendet hatten, haben von den Briefwahlantragstellern 491 (14,8 Prozent) dann doch nicht an der Wahl teilgenommen – sei es aus bewusstem Entschluss oder weil sie aus einem anderen Grund heraus nicht mehr rechtzeitig ihre Stimme zurück zum Gemeindewahlausschuss sandten.
Neben dem aktuellen Wahlergebnisvergleich könnte man auch noch einen vergleichenden Blick auf die früheren Eberbacher Bürgermeisterwahlergebnisse werfen:
2020 kam Reichert auf 3.267 Stimmen. Misst man dies an der Zahl aller 11.380 Wahlberechtigten, entspricht dies lediglich einem Anteil von 28,7 Prozent. 2012 siegte Reichert mit 4.545 Stimmen. Bernhard Martin hatte da mit 1.239 Stimmen gegen Reichert verloren. Bei seiner Wiederwahl 2004 kam Martin auf 3.773 Stimmen. 1996 war Martin mit 3.762 Stimmen zum Nachfolger von Horst Schlesinger gewählt worden. Dieser hatte 1988 bei seiner zweiten Wiederwahl 3.962 Stimmen. 1980 erhielt Schlesinger 4.888 Stimmen und war erstmals 1972 mit 4 106 Stimmen gewählt worden.
"Ich freue mich auf die Arbeit die nächsten Jahre in Eberbach" hatte Bürgermeister Peter Reichert nach seinem Dank an die Wähler am Sonntag erklärt und vorgestern die Arbeitswoche gleich in der Früh mit der ersten Sitzung zum Umsetzen der neuesten Corona-Verordnungen in Eberbach begonnen.
