Ladenburg: Kann der Online-Handel die Innenstädte retten?
Von Katharina Schröder
Ladenburg. "Das ist völliger Blödsinn", findet Renate Henseler-Sohn vom örtlichen Bund der Selbstständigen (BdS). Von der Idee, die Innenstädte durch Online-Handel zu retten, wie es Wirtschaftsminister Peter Altmaier unter anderem am Dienstag anlässlich eines Gesprächs mit Vertretern von Unternehmen, Kommunen und Verbänden vorgeschlagen hat, hält sie nichts. "Es gibt große Online-Händler, die einen Haufen Geld bezahlen, um bei Suchmaschinen weit oben angezeigt zu werden" sagt sie. Der kleine Ladenburger Einzelhändler könne da nicht mithalten. Und überhaupt: "Warum sollten wir genau das Geschäft machen, das uns tötet?"
Der stationäre Einzelhandel in Ladenburg ist gebeutelt von der Coronakrise. "Wir liegen aktuell zwischen schlecht und nicht ganz so katastrophal", erklärt die stellvertretende BdS-Vorsitzende.
Krise bremst Kaufwillen
In der Krise sei die Kleinstadt ein Vorteil. "Ich habe aktuell einige Kunden, die ich vorher noch nie in meinem Laden gesehen habe", sagt Henseler-Sohn. "Die Leute wollen momentan weniger in den großen Städten einkaufen, wo viele Menschen zusammenkommen." Sie hofft, dass diese Kunden bleiben. Andererseits bremse die Krise den Kaufwillen der Menschen. "Jetzt wo alle im Homeoffice sind, und man nicht mehr wirklich weggeht, ist der Textilbedarf natürlich geringer", sagt Henseler-Sohn erfahrungsgemäß aus ihrem Alltag.
Aber noch macht sich Henseler-Sohn keine Sorgen um ihre Ladenburger Kollegen. "Wir kleinen Geschäfte sind flexibler als die großen." Außerdem müsse man positiv in Zukunft blicken, "sonst kann man ja gleich dicht machen".
Online-Angebote seien für die Problematik der immer leerer werdenden Innenstädte aber keine Lösung, meint die stellvertretende BdS-Vorsitzende. Und auch dem weiteren Vorschlag, Innenstädte mehr zu Erlebnisräumen mit Kultur und Gastronomie zu machen, hat sie etwas entgegenzuhalten: "Ich sage nur Corona."
Das Prinzip eines solchen Erlebnisraums setzt Petra Sohn, Inhaberin des Keramikladens "Kunterbunt" in der Kirchenstraße schon um. "Ich setze auf drei Säulen", erklärt sie. "Ich designe Keramik auf Anfrage, mache selbst Stücke zum Verkauf, und Leute können bei mir Rohlinge bemalen." Doch gerade Letzteres sei zu Pandemiezeiten schwierig. Deswegen will die Inhaberin präsenter im Internet werden. "Ich glaube, ganz ohne Online-Handel wird es schwierig in Zukunft." Sohn plant, noch vor dem Weihnachtsgeschäft ins Online-Geschäft einzusteigen. Nur an der technischen Umsetzung hake es noch.
Die Innenstädte mehr zu Treffpunkten zu machen, hält sie für eine gute Idee. "Aber die Leute müssen auch zu schätzen lernen, dass es etwas vor Ort gibt, wo man mit allen Sinnen einkaufen kann und Beratung bekommt." Kürzlich habe sich eine Frau bei ihr beraten lassen und schließlich nur einen Flyer mitgenommen, um das Produkt im Internet zu kaufen.
Elke Jung vom Laden "Akzente" machte während der Ladenschließung im Frühjahr den Schritt zum Online-Handel. "Als wir schließen mussten, habe ich meine Handynummer in die Schaufenster gehängt", erzählt sie. Und die Kunden riefen sie an, um bei ihr zu bestellen. "Es gab einen regelrechten Run", sagt sie. Seitdem betreibt sie auch den Instagram-Account für ihr Geschäft regelmäßig. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. "Wir sind bekannter geworden, und ich habe jetzt schon Artikel in die Schweiz, nach Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz verschickt", sagt die Geschäftsfrau.
Noch sende sie ihren Kunden eine Rechnung zu. "Das ist noch nicht ganz so professionell und vieles braucht noch Kommunikation", erzählt Jung. Aber nächstes Jahr will sie die Digitalisierung ihres Ladens noch stärker forcieren. Über eine große Plattform will sie ihre Waren aber nicht anbieten. "Lieber klein und fein, statt über eine große Plattform mit unlauterem Wettbewerb." Mittlerweile sieht Jung die Digitalisierung als Möglichkeit. "Man muss da offen sein, und schließlich müssen wir ja auch auf die jungen Leute zugehen, und die sind eben online."
Daniela Rode vom Kinderladen "Elfenstall" hat zuerst auf Online-Handel gesetzt und dann ihren Laden eröffnet. "Ich glaube, dass es, ganz ohne online vertreten zu sein, echt schwer sein kann", sagt sie. "Die Leute werden immer bequemer und klicken lieber abends vom Sofa aus ihren Einkaufszettel durch." Geschäfte im eigenen Ort wolle aber trotzdem keiner missen. Ihres Erachtens liege es an den Einzelhändlern, sich den Bedürfnissen anzupassen, um weiter bestehen zu können. Während der Corona-bedingten Schließungen im Frühjahr habe ihr der Online-Shop ihres Ladens geholfen. "Viele Ladenburger wollten uns ganz bewusst helfen und haben den Webshop dafür verwendet. Zum Dank haben wir das Bestellte gerne bis vor die Haustür gebracht", sagt Rode. "Das hat wunderbar funktioniert, und beiden Seiten geholfen."
