Heidelberg: Fahrschüler vom Lockdown ausgebremst
Von Joris Ufer
Heidelberg. Den Führerschein zu machen, bedeutet für viele Menschen ein Stück Freiheit. Nachdem immer mehr Bildungseinrichtungen ihren Präsenzunterricht komplett eingestellt haben, mussten am 11. Januar aber auch Baden-Württembergs Fahrschulen wieder schließen. Wie ist die Situation für Fahrlehrer und für diejenigen Fahrschüler, die kurz vor ihrer großen Prüfung aufhören mussten?
"Ich hatte gehofft, dass es noch klappt", erzählt Hanna Schultheis. Ende November 2019 hatte sie mit ihrer Fahrausbildung begonnen. Die Theorieprüfung war für Anfang April angesetzt, doch schon damals kam ihr die Corona-Pandemie in die Quere. Ein Mitschüler auf dem Gymnasium hatte sich infiziert, weshalb auch sie in Quarantäne musste. "Am letzten Tag meiner Quarantäne wäre dann die Prüfung gewesen", erzählt sie. Bis sie schließlich einen neuen Termin erhielt, sollten mehrere Monate vergehen.
Nachdem Schultheis nach den Sommerferien die Theorieprüfung bestanden hatte, konnte die 18-Jährige endlich mit dem praktischen Teil beginnen. Nur wenige Fahrstunden fehlten ihr im Winter noch, die Prüfung war für den 27. Januar angesetzt. "Ich hatte ein bisschen Hoffnung, dass ich es noch schaffen würde", berichtet sie. "Ende der ersten Schulwoche hat mir dann mein Fahrlehrer geschrieben und meinte, dass jetzt auch alle Fahrschulen zumachen."
So wie Hanna Schultheis geht es derzeit vielen, aber eine Ausnahme gibt es, wie Dietrich Jung, Inhaber der Fahrschule Jung in Heidelberg, berichtet: "Diejenigen Fahrschüler, die nur noch eine Stunde brauchen, dürfen die Prüfung noch machen", erklärt er. Dafür habe es eine Erlaubnis des Verkehrsministeriums gegeben. Deshalb erhielten diese Woche noch einige Wenige die Chance, ihren Führerschein zu machen. Nach der Prüfung werde dann aber auch das letzte, noch in Betrieb stehende Auto der Fahrschule vorläufig abgemeldet. Die Fahrlehrer gingen nun in Kurzarbeit, während er selbst als Selbstständiger auf sein Erspartes zurückgreifen müsse.
Schon vor dem erneuten harten Lockdown hatte sich für Schüler und Lehrer bei Dietrich Jung vieles geändert. Um den Infektionsschutz zu gewährleisten, gab es im Theorie-Unterricht Trennwände, Maskenpflicht und ständige Desinfektion. Auch in den Fahrzeugen musste ständig eine Maske getragen und trotz winterlicher Temperaturen häufig gelüftet werden. Angesichts der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen sagt der erfahrene Fahrlehrer: "Ich weiß nicht, ob es wirklich nötig ist, dass wir schließen, aber wenn es sein muss, ist das ok."
Für Hanna Schultheis ist ihre Fahrprüfung nicht die einzige Herausforderung, die bevorsteht. Sie strebt in diesem Jahr ihr Abitur an und fürchtet, dass Fahrprüfung und Abschlussklausuren zusammen eine Doppelbelastung sein könnten. "Natürlich würde ich mir wünschen, dass ich die Fahrprüfung machen kann, weil es einfach praktischer ist", sagt sie. "Wenn es wieder anfängt, muss ich mich auch erst wieder einfahren und brauche mehr Fahrstunden." Das bedeutet auch höhere Kosten. Zwar habe sie selbst das Glück, den Führerschein als Geschenk zum 18. Geburtstag von ihren Eltern finanziert zu bekommen, für andere könnten diese Mehrkosten aber sehr schwierig werden.
Trotz aller Umstände hat die junge Fahrschülerin Verständnis für die Maßnahmen: "Man muss an alle denken und eben nicht nur an sich selbst", bekräftigt sie. "Natürlich ist es schwer, aber durch die Pandemie hat jeder seine Schwierigkeiten." Ihr Appell: "Trotz sinkender Zahlen an andere Menschen denken und niemanden in Gefahr bringen."
