Rhein-Neckar Löwen: "Apfel" zurück, "Lexy" zurück, Löwen zurück
Von Tillmann Bauer
Mannheim. Wer am Sonntag die Rhein-Neckar Löwen besuchte, fühlte sich zurückversetzt in alte Zeiten. So stand vor Abpfiff mit Alexander Petersson (nun in Melsungen unter Vertrag) eine Klub-Legende im Mittelkreis und war stets bemüht, bei seiner Rückkehr vor Emotionen nicht in Tränen auszubrechen.
Geschäftsführerin Jennifer Kettemann umarmte "Lexy" herzlich und der Klub bedankte sich für achteinhalb erfolgreiche Jahre, indem er ein Banner mit Peterssons Namen und seiner Trikotnummer 32 unter die Hallendecke zog.
Ach ja, das haben bisher nur Meister-Trainer Nikolaj Jacobsen, Kreisläufer Bjarte Myrhol, Abwehr-Ass Gedeon Guardiola und Ikone Uwe Gensheimer geschafft – wobei das Banner von "Gensel" nach seiner Rückkehr aus Paris (zunächst) wieder abgehängt wurde.
Ebenfalls sehr emotional: Torwart-Liebling Mikael Appelgren stand wie vermutet nach zwei Jahren Verletzungspause erstmals wieder im Kader.
Und ganz am Ende gab’s sogar einen Heimsieg, bei dem die MT Melsungen zwar lange sehr gut mitspielte, die Löwen aber durch die Unterstützung der Fans getragen wurden – und sich letztenendlich für einen 29:26 (14:14)-Erfolg feiern lassen durften.
"Die Abwehr war sehr gut", sagte Trainer Ljubomir Vranjes: "Das hat uns Selbstvertrauen gegeben."
Insgesamt hat’s 26 Mal hinter Keeper Joel Birlehm (10 Paraden/30 Prozent gehaltene Bälle) geklingelt. Rückkehrer "Apfel" kam "nur" bei einem Siebenmeter rein (39.). Die Zuschauer erhoben sich da von ihren Sitzen, Nationalspieler Tobias Reichmann gab aber den Spielverderber und versenkte humorlos.
"Leider hatte ich keine Parade", sagte Appelgren und bewies dadurch einmal mehr Humor: "Hauptsache wir haben gewonnen und eine andere Mentalität gezeigt." Mentalität wurde nicht nur vom Schweden benötigt, sondern von allen. Die Löwen mussten nämlich noch die kurzfristigen Ausfälle von Patrick Groetzki und Lukas Nilsson (beide krank) verkraften. Uwe Gensheimer (Achillessehne) und Benjamin Helander (Sprunggelenk) fehlten sowieso.
So wirbelten auf Außen über 60 Minuten wieder zwei Junglöwen. Lion Zacharias (18) auf der linken Seite, Niklas Michalski (19) freute sich auf der rechten Bahn über sein Bundesliga-Debüt.
Das hatte übrigens mehrere Phasen: 14:11 führten die Badener noch kurz vor dem Wechsel (28.), schafften es aber, in zwei Minuten noch drei Gegentore zu schlucken und "nur" mit einem 14:14 in die Kabine zu gehen.
Die nächste: Nach der 18:15-Führung (36.) fing man sich einen 0:6-Lauf ein und lag plötzlich mit 18:21 hinten (43.). Und die kurioseste: Nachdem Melsungen zeitweise sogar mit vier Treffern führte, drehten die Löwen den Spieß um – und legten vom 19:23 (46.) zum 25:23 (54.) ebenfalls einen 6:0-Spurt hin.
"Diese Mentalität war stark", meinte Niclas Kirkelokke. Der Däne ist momentan gut drauf. Schon in Minden traf er achtmal, am Sonntag waren es sieben Tore. Kirkelokke gelang zwar nicht alles (12 Wurfversuche), in der Schlussphase avancierte er aber mit drei wichtigen Treffern zum Matchwinner (51./53./54.). Er meinte bescheiden: "Na ja – das war Teameinsatz." Und musste dann auch schon los, die dänische Nationalmannschaft ruft. Und der Flieger wartet nicht.
Auch nicht nach so einem Spiel.
Löwen: Gislason 1, Schmid 4/1, Michalski 2, Knorr 6/3, Zacharias 2, Kirkelokke 7, Kohlbacher 5, Lagergren 2.
Melsungen: Kühn 6, Jonsson 3, Kastening 3, Reichmann 6/6, Häfner 1, Kunkel 4, Arnarsson 1, Petersson 2.
Strafminuten: Abutovic 2 (Rote Karte), Kirkelokke 2, Patrail 2 – Häfner 2, Jonsson 2, Petersson 2, Kalarash (Rote Karte).
Stenogramm: 3:3 (5.), 4:5 (10.), 8:8 (15.), 9:9 (20.), 12:10 (25.), 14:14 (Halbzeit), 17:14 (35.), 18:18 (40.), 19:22 (45.), 22:23 (50.), 27:24 (55.), 29:26 (Ende).
Zuschauer: 3652.
