Prozess in London: Britische Ermittler: Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek soll zu russischem Spionage-Netzwerk gehören
Der frühere Manager von Wirecard, Jan Marsalek, ist nach Aufdeckung des Skandals um den Finanzdienstleister mutmaßlich in Russland abgetaucht. Jetzt verdächtigen britische Ermittler ihn, Teil eines russischen Spionage-Netzwerkes zu sein.
Erscheint der Wirecard-Skandal bald in einem anderen Licht? Der frühere Wirecard-Manager und Justizflüchtige Jan Marsalek wird von britischen Ermittlern verdächtigt, Teil eines Spionage-Netzwerks für Russland gewesen zu ein. Das geht aus einer Mitteilung der britischen Staatsanwaltschaft vom Dienstag hervor. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über die Vorwürfe berichtet.
Demnach soll Marsalek eine zentrale Rolle als Vermittler zwischen Moskau und einer Gruppe von Bulgaren gespielt haben, die sich als mutmaßliche russische Spione in London vor Gericht verantworten müssen. Eine erste Anhörung dazu sollte am Dienstag am Westminster Crown Court in London stattfinden.STERN PAID von C+ Wirecard Kronzeugen Oliver Bellenhaus 17.54
Jan Marsalek ist seit drei Jahren untergetaucht
Marsalek war früher Vertriebsvorstand des Finanzdienstleisters Wirecard, ist seit Längerem abgetaucht und wird in Russland vermutet. Er gilt als Hauptverdächtiger im Wirecard-Skandal.
Marsalek verantwortete das Geschäft mit sogenannten Drittpartnerfirmen – externen Zahlungsdienstleistern, die im Wirecard-Auftrag Kreditkartenzahlungen überwiegend in Asien abwickelten oder abgewickelt haben sollen.
Im Sommer 2020 war der einstige Dax-Konzern zusammengebrochen, weil 1,9 Milliarden Euro angeblicher Erlöse aus diesem Drittpartnergeschäft nicht auffindbar waren. Marsalek hatte sich daraufhin ins Ausland abgesetzt, als sich der Kollaps des Konzerns abzeichnete.
