Seit 24 Jahren warten die Kölner Haie auf ihren neunten Meistertitel. In diesem Jahr könnte es endlich so weit sein. Dem Kapitän der Nationalmannschaft könnte es das Karriereende vergolden. Dass die Kölner Haie ein Club der Extreme sind, weiß Moritz Müller nur zu gut. Der 39 Jahre alte Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft spielt immerhin seit fast 23 Jahren für den Kultclub und achtmaligen deutschen Meister. Dass der Ur-Hai mit einem derart guten Gefühl aus dem Club in der kommenden Woche zu seinen dritten Olympischen Winterspielen fährt, hätte der Routinier aber wohl auch nicht gedacht. "Es macht zurzeit natürlich sehr viel Spaß. Das ist einfach eine tolle Truppe", schwärmt Müller von seinem Team, mit dem er derart souverän die Deutsche Eishockey Liga anführt, dass die Haie mit 15 Punkten Vorsprung in den letzten DEL-Spieltag vor der Olympia-Pause am Dienstag gehen. Die Haie sichern sich gleich zwei DEL-Rekorde Mit sagenhaften 101 Punkten aus 43 Spielen führt der achtmalige deutsche Meister die Tabelle an. Das schaffte noch nie zuvor eine Mannschaft in der DEL-Historie. Genau wie eine Serie von 16 Siegen, die die Haie am Sonntag beim 5:2 gegen Nürnberg perfekt machten. "Für den Verein freut es mich. Für uns als Mannschaft ist es wichtig, das einzuordnen", sagte Müller bei MagentaSport. Der Routinier, der seine Karriere-Highlights in den vergangenen Jahren nahezu ausschließlich im Nationalteam hatte, erlebte im Verein schon ganz andere Zeiten. 2020 hätten die Haie beinahe für eine DEL-Niederlagen-Rekordserie gesorgt. Müller selbst hatte nach eigener Aussage immer mal das Gefühl, nicht mehr gewünscht zu sein. Inzwischen gehört er zum Inventar. In seiner womöglich letzten Saison als Profi könnten sich für ihn nun noch zwei Sehnsüchte erfüllen. Der eine Karriere-Höhepunkt steht unmittelbar bevor. Bei seiner dritten Olympia-Teilnahme trifft der Eishockey-Arbeiter endlich auf alle Zauberer aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Das andere Highlight könnte im April folgen: endlich einmal den Meisterpokal hochrecken. "Wir schauen nicht auf das, was kommt", behauptete Müller, der aber natürlich nichts lieber hätte, als mit "seinem" Club einmal Meister zu werden. Seit 24 Jahren warten die Kölner auf einen Titel Die bislang letzte Meisterschaft am Rhein ist 24 Jahre her. Da war Müller, der mit dem Nationalteam 2018 Olympia-Silber gewann und 2023 Vize-Weltmeister wurde, 15. Auch für ihn erwies es sich als großes Glück, dass es die Haie schafften, in Kari Jalonen 2024 einen europäischen Starcoach zu engagieren. Der Finne führte den schlafenden Riesen schon in der Vorsaison ins Playoff-Finale gegen die Eisbären Berlin, das allzu deutlich verloren ging. In dieser Spielzeit dominieren die Haie dank des besten Torhüter-Gespanns der Liga - Janne Juvonen und Felix Brückmann - und einer starken Defensive, in der auch Müller nach wie vor glänzen kann. Dass ein Team aber so lange am Stück unbesiegt bleibt, hat auch Jalonen nicht erlebt, weder als Spieler noch als Trainer. Kaum Tickets für Heimspiele zu bekommen "Das ist das erste Mal für mich", kommentierte der ehemalige NHL-Profi finnisch kühl. "Der Team-Spirit in der Kabine, da herrscht eine tolle Atmosphäre", nannte der 66-Jährige als einen Grund dafür. "Wir vergessen niemals die Schlüsseldinge, natürlich bin ich sehr stolz auf mein Team." Die Haie erleben derzeit einen riesigen Hype. Trotz der für Eishockey-Verhältnisse sehr großen Halle mit einem Fassungsvermögen von 18.600 Zuschauern ist es kaum möglich, an Karten für ein Heimspiel zu kommen. Europas Rekordhalter in Sachen Zuschauer ist der Club bereits. Vier Heimspiele stehen nach Olympia noch bis zum Ende der Hauptrunde an. Sind diese auch ausverkauft, wären die Haie europaweit der erste Club, der einen Schnitt von über 18.000 Zuschauern in der Hauptrunde erreicht.