Vom Rockstar der Autowelt zum mutmaßlichen Drogenbaron: John DeLorean baute ein Auto aus Edelstahl, das niemals rosten sollte. Doch sein eigener Ruf zerfiel in Sekunden, als er einen Koffer öffnete. Er war der goldene Junge von Detroit, ein visionärer Rebell, der PS-Giganten das Fürchten lehrte. Am Ende blieb von John DeLoreans Traum nur ein Koffer voller weißem Pulver. Und ein Auto, das erst unsterblich wurde, als sein Schöpfer bereits am Boden lag. Die Geschichte eines Mannes, der für den Erfolg alles riskierte – und am Ende sogar sein Gewissen verlor. Stahl gegen den Sensenmann: Volvo macht den Tod zum Verkäufer Genau hinschauen: Aus diesem Kasten wurde später ein SUV-Welterfolg Der König von Detroit Die Geschichte beginnt nicht in einer Garage, sondern in der Chefetage von General Motors in Detroit (US-Bundesstaat Michigan). In einer Welt aus grauen Anzügen und konservativen Krawatten war John Zachary DeLorean eine Ausnahmeerscheinung. Er war groß, trug das Hemd offen und hatte sich das Kinn operieren lassen, um auf Fotos markanter zu wirken. Dieser Mann war nicht bloß Ingenieur. Er war der erste Rockstar der Autowelt. DeLorean erfand 1964 das "Muscle Car" mit, indem er einen riesigen V8-Motor in einen harmlosen Pontiac schraubte. Dieser GTO machte ihn zur Legende und spülte Milliarden in die Kassen von General Motors. So wurde er der jüngste Abteilungsleiter in der Geschichte des Konzerns. Doch die Vorstandsetage war ihm zu eng. Er verachtete die Erbsenzähler, die Sicherheit über Leidenschaft stellten. 1973 tat er das Undenkbare: Er kündigte den sichersten Job Amerikas. Er wollte das "ethische Auto" erschaffen – eine Maschine, die nicht rostet und die Industrie revolutioniert. Am Heck dieses Autos – des DMC-12 – sollte sein eigener Name prangen. Preisboom: Dieser VW-Bestseller ist jetzt Gold wert Der Land Cruiser hat Geburtstag: Vom Verlierer zum gefeierten Filmstar Das Traumschloss im Sumpf Um seinen Traum zu verwirklichen, spielte DeLorean ein riskantes globales Monopoly. Er lockte Investoren wie Sammy Davis Jr. ("The Candy Man") an, doch den großen Coup landete er in Nordirland. Mitten im krisengeschüttelten Belfast bot ihm die britische Regierung Subventionen in Höhe von rund 100 Millionen US-Dollar an. Das Ziel: Frieden durch Arbeit. Die Realität war jedoch eine andere: In den Feldern von Dunmurry wurde eine Fabrik aus dem Boden gestampft, besetzt mit Arbeitern, die noch nie ein Auto gebaut hatten. Während DeLorean in New York den Jetset-Lifestyle genoss, kämpfte die Produktion mit katastrophalen Mängeln. Die Flügeltüren klemmten, die Karosserie aus unlackiertem Edelstahl war ein Magnet für Fingerabdrücke und der Motor viel zu schwach. Das "Auto der Zukunft" wurde zum Albtraum der Gegenwart. Als 1981 die ersten Wagen in den USA vom Schiff rollten, schlug die Weltwirtschaft zu: Eine Rezession fraß den Markt für Luxusspielzeuge auf. Das Geld war weg und die britische Regierung unter Margaret Thatcher drehte den Hahn zu. John DeLorean stand mit dem Rücken zur Wand. Er stieß VW vom Thron: Der Opel, den ganz Wolfsburg hasste Der Pakt im Hotelzimmer Im Oktober 1982 ist die DeLorean Motor Company klinisch tot. Sie benötigt 20 Millionen Dollar – und das sofort. In dieser Stunde tritt James Hoffman auf den Plan, ein ehemaliger Drogenschmuggler und FBI-Informant. Er unterbreitet dem verzweifelten CEO ein Angebot: einen Kokain-Deal, der einen Gewinn von 24 Millionen Dollar verspricht. DeLorean, der Visionär, beißt an. Da er kein Bargeld mehr hat, bringt er seine Firmenanteile als Sicherheit für den Schmuggel von 100 Kilogramm Kokain ins Spiel. Das Finale spielt kurz darauf im Sheraton-Hotel in Los Angeles . Versteckte Kameras des FBI filmen alles. DeLorean sitzt dort mit Agenten, die sich als Mafiosi ausgeben. Sie öffnen einen Koffer voller weißem Pulver. DeLorean hebt eine Tüte hoch, lächelt und sagt den fatalen Satz: "Das ist besser als Gold." Er glaubt, in diesem Moment sein Lebenswerk zu retten. Doch Sekunden später klicken die Handschellen. Die Schlagzeilen am nächsten Morgen erschüttern die Welt. Der Held der Arbeiter ist ein mutmaßlicher Drogenbaron. Der späte Erfolg der Zeitmaschine Der Prozess von 1984 ist ein Spektakel. DeLoreans Anwälte vollbringen ein Wunder: Sie argumentieren, das FBI habe ihn in eine Falle gelockt, die er selbst nie betreten hätte. Er wird freigesprochen. Juristisch ist er unschuldig, wirtschaftlich jedoch erledigt. Seine Frau verlässt ihn, sein Imperium wird zerschlagen. Dann folgt die bizarrste Ironie dieser Industriegeschichte. Während die reale Welt von DeLorean zerfällt, sucht Hollywood eine Zeitmaschine für den Film "Zurück in die Zukunft". Wegen seiner futuristischen Optik wird der DMC-12 ausgewählt. Der Film macht den Wagen im Jahr 1985 zu einem Teil der Popkultur. John DeLorean hingegen verbringt den Rest seines Lebens in einem Sumpf aus Prozessen und Schulden. Er stirbt am 19. März 2005 mittellos – obwohl sein Auto schließlich doch noch Milliarden einspielte.