Missbrauchsskandal: Epstein-Vertraute Maxwell schweigt vor US-Kongress
Der US-Kongress will von Ghislaine Maxwell Antworten zu Epsteins Netzwerk. Doch daraus wird erst einmal nichts. Ihr Anwalt nennt die Anhörung politisches Theater.
Die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell hat nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Aufsichtsausschusses des Repräsentantenhauses, James Comer, vor dem Kongress die Aussage verweigert.
Sie habe "wie erwartet" von ihrem Recht des fünften Zusatzartikels Gebrauch gemacht und keine Fragen beantwortet, sagte der Republikaner nach einer entsprechenden Anhörung. Der fünfte Zusatzartikel der US-Verfassung sieht unter anderem vor, dass niemand in einem Strafverfahren zur Aussage gegen sich selbst gezwungen werden darf. Sie sei nach Angaben ihres Anwalts nur dann zu einer Aussage bereit, wenn US-Präsident Donald Trump sie begnadige.
Comer sagte weiter, Maxwell verweigere "die Beantwortung jeglicher Fragen". Das sei "sehr enttäuschend". Die Ausschussmitglieder hätten "viele Fragen zu den von ihr und Epstein begangenen Verbrechen sowie zu möglichen Mitverschwörern" gehabt.
Comer betonte, dass er "nichts darüber wisse", dass Maxwell unter Druck gesetzt worden sei, um keine Fragen zu beantworten. Medien zufolge war Maxwell per Video zugeschaltet worden.
Auch andere Abgeordnete übten Kritik an Maxwell. Ihr Schweigen sei "Teil ihrer Strategie, eine Begnadigung durch Präsident Trump zu erwirken", rügte der Parlamentarier Suhas Subramanyam von der Demokratischen Partei. Trump hatte im Oktober gesagt, er prüfe eine mögliche Begnadigung.
Anwalt von Ghislaine Maxwell: Anhörung ist ein "politisches Theater"
Maxwell wurde im Jahr 2022 verurteilt. Als langjährige Vertraute von Jeffrey Epstein soll sie ihm Mädchen und junge Frauen zugeführt haben. Sie verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe und sitzt Medien zufolge in einem Gefängnis in Texas.
Maxwells Anwälte hatten den Kongress aufgefordert, ihr rechtliche Immunität für ihre Aussage zu gewähren, der Kongress wies dies jedoch zurück. Maxwells Anwalt David Oscar Markus hatte bereits am 20. Januar in einem Schreiben an Ausschusschef Comer erklärt, seine Mandantin werde die Aussage verweigern. Zur Begründung verwies der Anwalt auf laufende juristische Verfahren.
Eine Aussage unter Eid würde Maxwells verfassungsrechtliche Ansprüche gefährden und sie strafrechtlich belasten, so Markus. Eine Anhörung unter diesen Umständen wäre "politisches Theater und eine komplette Verschwendung von Steuergeldern".
Der Anwalt stellte in Aussicht, Maxwell wäre im Falle einer Begnadigung bereit, öffentlich auszusagen. Ausschusschef Comer hatte zuletzt erklärt, Maxwells Aussage sei für die Untersuchungen des Kongresses zentral.
Unbekannt ist, ob Maxwell der Trump-Regierung ihr Schweigen zugesagt hat – etwa über die Rolle des Präsidenten in dem Fall. Der stellvertretende US-Justizminister Todd Blanche hatte die Epstein-Komplizin im Juli zwei Tage lang befragt. Kurz danach wurde Maxwell in die Haftanstalt in Texas verlegt, die nur geringe Sicherheitsvorkehrungen hat. Epstein-Opfer kritisierten dies scharf und sprachen von einem "Wellness-Gefängnis".
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