Добавить новость
103news.com
World News in German
Февраль
2026
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28

Arbeitszeit-Forscher widerspricht Merz: "Arbeiten so viel wie noch nie"

0
Die Deutschen arbeiten zu wenig und sind zu viel krank, so die Analyse von Spitzenpolitikern und Wirtschaftsvertretern. Ein Arbeitszeitforscher widerspricht im Interview mit t-online. Unionspolitiker und Wirtschaftsvertreter behaupten, die Deutschen arbeiteten zu wenig. So erklärte der Kanzler: "Mit Work-Life-Balance und Viertagewoche lässt sich der Wohlstand unseres Landes nicht erhalten." In die gleiche Richtung geht der Verstoß der Mittelstandsbeauftragten Gitta Connemann (CDU), die ein Ende des Rechts auf Teilzeit fordert. Und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte sogar eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 41 Stunden. Im Gespräch mit t-online erklärt der Arbeitszeitforscher Volker Hielscher, warum in Deutschland nicht so wenig gearbeitet wird wie behauptet, und warum es falsch wäre, das Recht auf Teilzeit abzuschaffen. Deutschlands Krisen: "Das aktuelle Problem sind die Babyboomer" Teilzeit-Debatte: Wirtschaftsboss stellt sich gegen CDU-Vorstoß t-online: Herr Hielscher, Sie forschen zu Arbeitszeit am Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft. Ist die Forderung der Union, dass in Deutschland wieder mehr gearbeitet werden muss, aus Ihrer Sicht richtig? Volker Hielscher: Nein. Ich denke nicht, dass das die Realität trifft. Die ganze Debatte wird jenseits wirklich belastbarer Grundlagen geführt. Es werden Behauptungen in den Raum gestellt, die bei näherer Betrachtung nicht zutreffend sind. Zum Beispiel? Das Argument, es würde in Deutschland deutlich weniger gearbeitet werden als anderswo. Das ist einfach nicht zutreffend. Woran machen Sie das fest? Wenn wir nur die Vollzeitbeschäftigten miteinander vergleichen, sehen wir, dass Deutschland bei der durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitszeit genau im EU-Durchschnitt liegt. Das Problem in der Debatte ist, dass Vollzeit- und Teilzeitarbeit zusammengeworfen wird. Das verzerrt den Durchschnitt. Dadurch entsteht der Eindruck, in Deutschland würde weniger gearbeitet. Und dem ist nicht so – insbesondere vor dem hohen Teilzeitanteil? Nein, im Gegenteil. Seit dem Inkrafttreten des Teilzeit- und Befristungsgesetzes im Jahr 2001 ist die Zahl der Erwerbstätigen bis 2024 um rund 15 Prozent gestiegen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um knapp fünf Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen ist also stärker gewachsen als das Arbeitsvolumen. Das zeigt, dass der Zuwachs stark auf Teilzeit zurückzuführen ist. Viele Menschen sind überhaupt erst durch Teilzeit in die Erwerbstätigkeit eingestiegen. Sie halten also nichts von der durch die CDU angestoßenen Debatte um die sogenannte "Lifestyle-Teilzeit"? Ich halte es für wirtschaftspolitisch grundfalsch, das Recht auf Teilzeit infrage zu stellen. Tatsächlich hat die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2024 ein Allzeithoch erreicht. Wir arbeiten also so viel wie noch nie – gerade auch wegen der Teilzeit. Wie viele Menschen arbeiten denn wirklich in selbst gewählter Teilzeit? Das wird im Rahmen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes nicht systematisch erfasst. Es gibt aber Befragungen, etwa eine Erwerbstätigenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2022. Demnach arbeiten nur rund sieben Prozent der Beschäftigten in einer Viertagewoche. Also dem Modell, das häufig als Beispiel für "Lifestyle-Teilzeit" herangezogen wird. Es gibt natürlich Menschen, die sich nicht wegen familiärer oder pflegerischer Verpflichtungen, sondern aus eigenen Präferenzen für weniger Arbeitszeit entscheiden. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob diese Unterscheidung überhaupt sinnvoll ist. Der Begriff "Lifestyle-Teilzeit" suggeriert, dass es berechtigte und weniger berechtigte Gründe für Teilzeit gebe. Damit greift man in die individuelle Lebensgestaltung ein. Manche Menschen entscheiden sich bewusst für weniger Einkommen und mehr Zeit – weil Zeit für sie ebenfalls ein Element von Wohlstand und Lebensqualität ist. Und es wird in der Debatte immer wieder übersehen, dass es auch Menschen gibt, die gerne länger arbeiten würden – es aber nicht können. Was meinen Sie damit? Ich meine damit die sogenannte Unterbeschäftigung. Erklären Sie das Phänomen bitte. Damit sind Menschen gemeint, die zwar in Teilzeit arbeiten, aber gerne ihre Stunden erhöhen würden, das jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht können. Welche Gründe können das sein? Zum Beispiel, weil es keine ausreichenden Betreuungsangebote für die Kinder beziehungsweise Pflegeangebote für Angehörige gibt, oder weil der Betrieb aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht mehr Arbeit anbieten kann. Schätzungen des DIW gehen davon aus, dass das rund 15 Prozent der Frauen und knapp zehn Prozent der Männer in Teilzeit betrifft. Vielleicht einmal ganz grundlegend die Frage: Ergibt es überhaupt Sinn, von den geleisteten Arbeitsstunden auf die Produktivität einer Volkswirtschaft zu schließen? Die Produktivität hängt von sehr vielen Faktoren ab. Direkte Rückschlüsse allein aus der Arbeitszeit sind deshalb sehr gewagt. Historisch zeigt sich, dass Arbeitszeitverkürzungen – etwa die Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie – nicht zu Produktivitätsverlusten geführt haben, sondern oft sogar mit Produktivitätsgewinnen einhergingen. Entscheidend sind technologische Entwicklung, Innovationsfähigkeit und Arbeitsorganisation. In personenbezogenen Dienstleistungen, im Handwerk oder Servicebereichen besteht ein engerer Zusammenhang zwischen Arbeitsstunden und höherer Produktivität. Arbeiten die Deutschen zu wenig? Eine Gruppe ist besonders betroffen Wie passt die Forderung nach mehr Arbeit mit steigender Arbeitslosigkeit und leeren Auftragsbüchern zusammen? So richtig passt es nicht zusammen. Natürlich gibt es Sektoren im Pflege- und Gesundheitsbereich, die trotz der Krise unter Fachkräftemangel leiden. Diesem Problem wird man nicht mit einer pauschalen Erhöhung der Arbeitszeit oder einer Abschaffung der Teilzeit beikommen. Was würde denn helfen? Zwei Dinge sind zur Bekämpfung des Fachkräftemangels wichtig. Zum einen attraktive Arbeitsbedingungen in den Betrieben und zum anderen die Integration von Menschen, die bereits hier sind, aber bisher nicht im Arbeitsmarkt. Da geht es insbesondere um Zugewanderte und Geflüchtete sowie eine bessere internationale Fachkräfteanwerbung. Und gerade Letzteres gelingt nur, wenn die Arbeitsbedingungen in Deutschland möglichst gut und flexibel gestaltet werden können. Ein weiterer viel diskutierter Punkt ist der Vorschlag, den Achtstundentag zugunsten einer reinen Wochenarbeitszeit aufzuweichen. Was halten Sie davon? Die Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Forschung und aus der Arbeitswissenschaft legen nahe, dass das keine gute Idee ist. So zeigen Daten, dass die Unfallhäufigkeit nach der achten Arbeitsstunde massiv ansteigt. Ebenso steigt die Erschöpfung und der Regenerationsbedarf. Die Vorstellung geht fehl, man könne bei Menschen Arbeitskraft wie aus dem Wasserhahn abzapfen. Zudem ist Flexibilisierung ja bereits heute möglich: Bis zu zehn Stunden Arbeit pro Tag sind mit Ausgleich erlaubt. Trotzdem halten die meisten Betriebe am Achtstundentag fest – offenbar aus guten Gründen. Tatsächlich gibt es sogar Studien, die zeigen, dass die Stundenproduktivität höher ist bei Arbeitnehmern, die in Teilzeit arbeiten. Sie schaffen in ihrer Arbeitszeit oft mehr als ein Vollzeitbeschäftigter in der gleichen Zeit. Daneben gibt es ja noch die Krankheitsdebatte … Leider wird gerade in dieser Diskussion sehr viel mit Halbwahrheiten gearbeitet! Wie meinen Sie das? Beispielsweise wird behauptet, dass der Krankenstand in Deutschland massiv angestiegen sei. Und ja, es stimmt. Wir haben in Deutschland einen Anstieg der Krankheitstage. Früher lag er lange stabil bei um die zehn bis zwölf Prozent, heute liegt er bei um die 15 Prozent. Was diese Diskussion aber ausklammert, ist, dass wir 2022 die elektronische Krankmeldung eingeführt haben und Krankmeldungen nun nahezu vollständig erfasst werden – anders als zuvor und anders als in den meisten anderen Ländern. Und trotzdem ist Deutschland, was die Krankheitstage angeht, nicht Spitzenreiter in Europa, sondern liegt nur auf Platz sieben. Das zum einen. Debatte über Kanzler-Vorstoß: DAK legt Zahlen zu Krankmeldung vor Und zum anderen? Die wiederholte Forderung nach einer Abschaffung der Karenztage. Denn die Daten der Krankenkassen zeigen, dass kurze Krankmeldungen, also zwischen einem und drei Tagen, zwar häufig vorkommen, allerdings diese Krankmeldungen nur einen kleinen Anteil an der Gesamtzahl der Krankheitstage haben. Den größten Anteil haben langfristige Erkrankungen. Insbesondere psychische Erkrankungen, welche in den letzten 20 Jahren stark zugenommen haben, sind oft mit langen Ausfällen verbunden. Könnten längere Arbeitszeiten zu mehr Krankentagen führen? Einen Automatismus sehe ich nicht. Aber Zwang zu längeren Arbeitszeiten oder zum unfreiwilligen Wechsel von Teilzeit in Vollzeit kann die Motivation, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Diese Effekte sind nicht unmittelbar sichtbar, wirken sich aber langfristig aus. Zu welchen arbeitszeitpolitischen Reformen würden Sie der Bundesregierung denn raten? Ich würde der Politik erst einmal raten, die Lebensrealität vieler Menschen anzuerkennen. Tarifabschlüsse aus den letzten Jahren zeigen immer wieder, dass viele Beschäftigte lieber mehr Zeit statt mehr Geld wollen. Auch Befragungen belegen, dass sowohl Männer als auch Frauen sich kürzere Arbeitszeiten wünschen. Und dieser Lebensrealität soll die Bundesregierung Rechnung tragen und flexible, individuelle Lösungen ermöglichen. Eine attraktive Arbeitswelt kann auch dazu beitragen, dass Menschen freiwillig wieder länger arbeiten. Gleichzeitig macht es Deutschland attraktiver für internationale Fachkräfte. Das halte ich für deutlich zielführender als zu versuchen, den Problemen der deutschen Wirtschaft mit einer Ausweitung der Arbeitszeit beizukommen. Dieses Problem muss an anderer Stelle gelöst werden. Wenn Unternehmen ihre Produkte nicht absetzen können, würde eine Ausweitung der Arbeitszeit die Probleme am Arbeitsmarkt sogar eher noch verstärken. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hielscher!






Губернаторы России





Губернаторы России

103news.net – это самые свежие новости из регионов и со всего мира в прямом эфире 24 часа в сутки 7 дней в неделю на всех языках мира без цензуры и предвзятости редактора. Не новости делают нас, а мы – делаем новости. Наши новости опубликованы живыми людьми в формате онлайн. Вы всегда можете добавить свои новости сиюминутно – здесь и прочитать их тут же и – сейчас в России, в Украине и в мире по темам в режиме 24/7 ежесекундно. А теперь ещё - регионы, Крым, Москва и Россия.

Moscow.media


103news.comмеждународная интерактивная информационная сеть (ежеминутные новости с ежедневным интелектуальным архивом). Только у нас — все главные новости дня без политической цензуры. "103 Новости" — абсолютно все точки зрения, трезвая аналитика, цивилизованные споры и обсуждения без взаимных обвинений и оскорблений. Помните, что не у всех точка зрения совпадает с Вашей. Уважайте мнение других, даже если Вы отстаиваете свой взгляд и свою позицию.

Мы не навязываем Вам своё видение, мы даём Вам объективный срез событий дня без цензуры и без купюр. Новости, какие они есть — онлайн (с поминутным архивом по всем городам и регионам России, Украины, Белоруссии и Абхазии).

103news.com — живые новости в прямом эфире!

В любую минуту Вы можете добавить свою новость мгновенно — здесь.

Музыкальные новости




Спорт в России и мире



Новости Крыма на Sevpoisk.ru




Частные объявления в Вашем городе, в Вашем регионе и в России