Epstein und Chomsky: Deutscher Verlag zieht Konsequenzen
Noam Chomsky pflegte Kontakt zu Jeffrey Epstein – auch nach dessen Verurteilung als Sexualstraftäter. Für den Unrast-Verlag zu viel: Er wirft die Werke des Autors aus dem Programm. Als die Epstein-Akten vor einigen Wochen veröffentlicht wurden, rückte auch ein weltweit gefeierter Intellektueller wegen seiner Verbindung zu Epstein in den Blick: Noam Chomsky. Der 97 Jahre alte US-Publizist gilt als einer der bedeutendsten Sprachwissenschaftler der Welt. Auch seine politischen Einschätzungen erregten in der Vergangenheit viel Aufsehen: Chomsky machte sich als Kritiker der US-Außenpolitik und von elitären Netzwerken einen Namen. Ausgerechnet dieser Vordenker und Star linker Intellektuellenkreise stand mit Jeffrey Epstein in regem Austausch – und das auch noch, als dieser bereits wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt wurde. Bis 2017 schickten sich Chomsky und Epstein E-Mails. So geht aus dem Austausch hervor, dass Chomsky dem Sexualstraftäter schrieb, er solle die "hysterischen Anschuldigungen" einfach aussitzen. "Für uns als Autor nicht mehr tragbar" Für einen deutschen Verlag offenbar eine unverzeihliche Grenzüberschreitung. Der Unrast-Verlag aus Münster hat deshalb bekannt gegeben, ab Montag keine Chomsky-Bücher mehr zu vertreiben. In einer Pressemitteilung heißt es: "Als linker Verlag, der sich für eine gerechte Welt und gegen Frauenhass und patriarchale Gewalt einsetzt, ist Chomsky für uns als Autor nicht mehr tragbar." Deshalb ziehe man nun die Konsequenz und nehme seine Werke aus dem Programm. Weiter heißt es in der Begründung, der Verlag wolle Täter "weder schützen, noch ihnen eine Plattform oder ein Einkommen bieten". Betroffen sind die politischen Schriften Chomskys: "Die Klimakrise und der Global Green New Deal", "Zuversicht in Zeiten des Zerfalls", "Der Terrorismus der westlichen Welt" und "Brennpunkt Palästina". Unrast veröffentlichte die Werke in deutscher Übersetzung. Geheimverstecke von Epstein: Liste zeigt erschreckende Details Epstein und Andrew: Brachten sie Mädchen zum Buckingham-Palast? Skandal um Bruder von Charles III.: Ex-Prinz Andrew wieder auf freiem Fuß Wie andere Verlage mit Noam Chomsky umgehen, ist derweil unklar. Auch der Suhrkamp Verlag, in jüngerer Zeit ebenso Piper, Ullstein oder Westend, hatten Werke des Intellektuellen im Programm. Bisher sind ähnliche Schritte für die Publikationen des 2005 mit dem Erich-Fromm-Preis ausgezeichneten Chomsky nicht verkündet worden. Im Zuge der Epstein-Enthüllungen sind weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betroffen. So muss sich etwa Bill Clinton an diesem Freitag wegen seiner Verbindungen zu dem Straftäter vor dem US-Kongress erklären. In Großbritannien wurde der ehemalige Prinz Andrew festgenommen, gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Geheimnisverrats. Zuletzt trat der Chef des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, wegen seiner Verbindungen zu Jeffrey Epstein zurück. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers hat aus demselben Grund seine Position an der Harvard-Universität abgegeben.
Moscow.media
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