Der geistliche Führer Ali Chamenei tot, die Theokratie führerlos: Diesmal stehen die Aussichten auf einen Regimewechsel im Iran gut. Kriege haben jedoch die Tendenz, anders zu verlaufen als geplant. Hat Trump die Geduld, Rückschläge hinzunehmen? Wochenlang waren die iranischen Universitäten geschlossen. Am 21. Februar öffneten sie wieder, aber wenn das Regime gedacht haben sollte, nun werde Friedhofsruhe einkehren, da ihre Mördertruppen eine unbekannt hohe Zahl an Demonstranten getötet hatten, saßen sie einem Irrtum auf. Tagelang protestierten die Studenten. Sie ließen sich nicht von den Geheimdienst-Schergen einschüchtern, die sich als Kommilitonen ausgaben. Sie skandierten den Namen des Schah-Sohnes und schwenkten die grün-weiß-rote Flagge der Monarchie mit dem goldenen Löwen und dem Sonnen-Emblem in der Mitte. Ironischerweise waren damals, 1979, als der Schah-Vater ins Exil fliehen musste und Ajatollah Ruhollah Khomeini die Macht übernahm, die Studenten die glühendsten Anhänger des neuen Regimes. Etliche von ihnen stürmten die US-Botschaft und nahmen 53 Menschen für 444 Tage als Geiseln. Heute aber hat für sie die Theokratie jede Legitimität verloren und sie wollen das Regime loswerden. Egal wie. Newsblog: Alle Entwicklungen zum Angriff auf den Iran Die Trauer über das Blutbad ist in wütenden Widerstandsgeist umgeschlagen. Bei Gedenkfeiern für die Opfer des Aufstands wurden die Toten nicht als Märtyrer bezeichnet, sondern als "gebrochene Blumen". Derzeit ist Ramadan , der heilige Fastenmonat für gläubige Muslime. Aber für die Regimegegner hat der Islam seine gesellschaftliche Prägekraft eingebüßt. Die innere Opposition ist stark und schwach zugleich. Stark ist sie, weil sie quer durch die Gesellschaft geht und Studenten wie Geschäftsleute umfasst, die großen Städte wie die Provinz. Schwach ist sie, weil es ihr an Organisation und charismatischen Führungsfiguren ermangelt. Deshalb richten sich die Hoffnungen gleich in doppelter Weise auf Amerika: Dort lebt seit Jahrzehnten Reza Pahlavi, der Sohn des Schah. Und dort sitzt der Mann im Weißen Haus, der schon mehrmals versprach, er werde der Opposition beistehen. Diesmal scheint Trump mehr vorzuhaben Dies ist der zweite Krieg gegen den Iran binnen kurzer Zeit. Der erste, der Zwölf-Tage-Krieg im Juni 2025, glich einer Machtdemonstration ohne konkrete Ziele. Diesmal aber scheint Donald Trump mehr vorzuhaben. Drei Kriegsziele hat er genannt: Das Militär zu zerschlagen, die Nuklearanlagen zu zerstören, den Regimewechsel erzwingen. Krieg gegen den Iran: Trump entfesselt einen Brand USA und Israel greifen Iran an: Deutschland spricht die Wahrheit nicht aus Der Iran war offenbar nicht sonderlich überrascht über den Angriff in der Nacht zum Samstag. Der Gegenschlag mit ballistischen Raketenangriffen auf Israel und die US-Stützpunkte in Bahrain, Katar und Kuwait ließ nicht lange auf sich warten. Israel hatte schon lange darauf gedrängt, die Schwäche Irans auszunutzen. Die Arbeitsteilung zwischen seiner Luftwaffe und den US-Flugzeugträgern funktionierte anscheinend reibungslos. Der Mossad hatte auch diesmal genaue Kenntnis, wer sich wann wo aufhielt und konnte deshalb die Führung dezimieren. Der Tod des geistlichen Führers Ali Chamenei ist ein Symbol für die unfreiwillige Transparenz des Regimes. Was wird aus dem Iran? Im eigenen Land hat Israel starke Kräfte an der libanesischen Grenze zusammengezogen., genauso wie an der Grenze zu Jordanien . Wenn für das Regime in Teheran die letzte Stunde geschlagen hat, wird es wohl den von ihnen ausgehaltenen Milizen im Libanon , im Gaza und im Jemen den Nero-Befehl erteilen, für verbrannte Erde zu sorgen. Wie aber stehen die Aussichten, dass nun das Regime in Iran, das der greise Ali Khomeini verkörperte, nach 47 Jahren die Macht verliert? Der Welterklärer: Alle Kolumnen von Gerhard Spörl Nun ja, eigentlich haben die USA keine guten Erfahrungen damit, Regime zu vertreiben und zu ersetzen. Aus dem Irak ist kein stabiler Staat hervorgegangen. Eine Folge des Vakuums war der schreckliche Bürgerkrieg in Syrien . Oder Afghanistan : Ein Fehlschlag, bei dem die vertriebenen Taliban zurück an die Macht kehrten. Und der Iran? Es gibt vier Möglichkeiten. Diese vier Optionen für den Iran gibt es Option 1: Der Krieg hat das gewünschte Ergebnis. Die Führungsfiguren sind tot oder gehen ins Exil. Reza Pahlevi kehrt im Triumphzug zurück, bildet eine Übergangsregierung. Die Sanktionen werden aufgehoben und Hoffnung auf bessere Zeiten keimt. Eine gelenkte Demokratie richtet sich ein. Option 2: Der Krieg zieht sich hin. Weder das Militär noch das Korps der Revolutionsgarden bricht mit dem herrschenden System. Mossad und CIA gehen die Namenslisten mit der Nomenklatura weiter durch und versuchen, so viele Führungsfiguren wie möglich zu töten. Angeblich 1.250 Menschen bilden das Rückgrat der Theokratie. Erst dann kann sich Neues bilden. Option 3: Der Krieg ist vorbei, aber die Opposition kann sich, wie im Irak und In Afghanistan, nicht auf eine gemeinsame Führung einigen. Die innere Befriedung bleibt aus. Amerika verliert die Geduld und wendet sich ab. Option 4: Reza Pahlavi kehrt zurück, besitzt aber keine Autorität. Fliehkräfte beginnen zu wirken, der Vielvölkerstaat Iran fällt auseinander. Minderheiten wie die Aserbaidschaner, Kurden, Belutschen, Turkmenen und Araber beanspruchen autonome Gebiete für sich. Dieses Entwicklung befürchten die Regenten in den reichen Golfstaaten am meisten. Die Mullahs haben ausgespielt Das Regime in Teheran hat viel Blut an den Händen. Tausende seiner Kinder zu töten, ist unverzeihlich. Viele Jahre kam es auch damit durch, Hamas und Hisbollah gegen Israel aufzurüsten. Nach den Freitagsgebeten skandierten sie gegen den kleinen und den großen Satan, Israel und die USA. Die Mullahs haben ausgespielt und sind dennoch nicht zu unterschätzen. Ein großer Unsicherheitsfaktor ist nach wie vor Donald Trump. Für sein Beharrungsvermögen ist er nicht bekannt. Unter seinen Anhängern ist die Intervention an fernen Gestaden wenig beliebt. Da Kriege die Tendenz haben, sich anders als erhofft zu entwickeln und meist länger dauern, als die Großstrategen es sich wünschen – siehe Putin –, scheint vieles möglich zu sein. Trump wird in den nächsten Tagen und Wochen die Börsen beobachten und die Folgen des Krieges auf die Zwischenwahlen im November einschätzen. Zuerst und zuletzt denkt er an sich. Wer auf ihn baut – und das tut die Opposition in Iran – baut womöglich auf Sand.