Barack Obama hat bei einer Gedenkfeier für Jesse Jackson die Trump-Regierung heftig kritisiert. Er verwies auf den Weg, den der Bürgerrechtler einst ging. Der frühere US-Präsident Barack Obama hat bei einer Gedenkfeier für den Bürgerrechtler Jesse Jackson in Chicago vor täglichen Angriffen auf demokratische Institutionen in den USA gewarnt. "Jeden Tag wachen wir auf mit einem neuen Angriff auf unsere demokratischen Institutionen, einem weiteren Rückschlag für die Idee der Rechtsstaatlichkeit, einem Verstoß gegen den allgemeinen Anstand", sagte Obama. "Menschen in hohen Ämtern" würden Amerikaner dazu aufrufen, sich voreinander zu fürchten und einander anzugreifen. Er vermied, Trump beim Namen zu nennen. Obama kritisierte außerdem den Umgang mit Wissenschaft und Fachwissen. Diese würden verunglimpft, sagte er. Obama: Schwer die Hoffnung zu bewahren "Überall sehen wir, wie Gier und Vorurteile gefeiert werden und wie Schikanen und Spott als Stärke ausgegeben werden, während Wissenschaft und Fachwissen verunglimpft und Unwissenheit, Unehrlichkeit, Grausamkeit und Korruption belohnt werden", sagte der frühere US-Präsident. Das sei jeden einzelnen Tag zu beobachten, erklärte der 64-Jährige weiter. In solchen Momenten falle es schwer, Hoffnung zu bewahren. Deshalb könne es verlockend sein, den Mut zu verlieren und zynisch zu werden. Manche könnten versucht sein, sich mit der Macht zu arrangieren und sich zu nehmen, was sie bekommen könnten, sagte der Ex-Präsident. Auch für Menschen mit guten Absichten könne es verlockend sein, den Kopf einzuziehen und darauf zu warten, dass der Sturm vorüberziehe. Der Bürgerrechtler Jesse Lewis Jackson inspiriere dazu, einen schwierigeren Weg zu gehen, sagte der frühere US-Präsident Barack Obama. Seine Stimme rufe Menschen dazu auf, selbst zu Boten des Wandels und der Hoffnung zu werden. Jackson fordere jeden Einzelnen auf, vorzutreten und zu sagen: "Schicke mich." Überall dort, wo Menschen Einfluss nehmen könnten – etwa in Schulen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in Städten –, sollten sie Verantwortung übernehmen, erklärte Obama. Dabei gehe es nicht um Ruhm oder darum, dass Erfolg garantiert sei. Vielmehr gebe dieser Einsatz dem eigenen Leben Sinn, entspreche dem, was der Glaube von den Menschen verlange, und sei notwendig, weil sonst niemand diesen Schritt übernehme. Trump hatte andere Termine An der Veranstaltung nahmen auch die früheren Präsidenten Joe Biden und Bill Clinton sowie die frühere Vizepräsidentin Kamala Harris teil. Die Redner riefen die Hunderten Teilnehmer dazu auf, den Einsatz Jacksons für Gleichheit und Gerechtigkeit fortzuführen. Der Bürgerrechtler war im vergangenen Monat im Alter von 84 Jahren gestorben. Jackson hatte sich jahrzehntelang für das Wahlrecht und die Aufhebung der Rassentrennung in den USA eingesetzt. Nach Angaben der Redner mobilisierte er im Laufe seines Lebens Millionen Menschen. Sein Engagement habe die Bürgerrechtsbewegung geprägt. US-Präsident Donald Trump nahm nach Angaben eines Vertreters des Weißen Hauses wegen anderer Termine nicht an der Gedenkfeier teil. Das Weiße Haus kritisierte Obama anschließend scharf. Sprecher Steven Cheung sagte über den früheren Präsidenten: "Er ist eine totale Schande bei dem Schaden, den er diesem Land zugefügt hat, und die Geschichte wird nicht gut über ihn urteilen."