James Bond versinkt im Casting-Chaos: Ein Schelm, der Böses dabei denkt
Quälend lange zieht sich das Warten auf den nächsten James Bond. Seit Jahren herrscht Stillstand. Damit droht der einstigen Erfolgsmarke der schleichende Tod. "Geschüttelt, nicht gerührt": Einst waren diese drei Worte mit der Gewissheit auf ein Kinospektakel verbunden. Doch die Erinnerung daran verblasst. Seit sieben Jahren ist klar, dass Daniel Craig keinen "James Bond"-Film mehr drehen wird, seit fünf Jahren ist kein neuer im Kino erschienen. Seitdem herrscht Sendepause – und die Aussicht auf neuen Stoff versinkt im Nebel haltloser Spekulationen und anhaltender Gerüchte. Die Schuld daran trägt der neue Rechteinhaber Amazon . Der milliardenschwere Technologiekonzern kaufte im Jahr 2022 die für James Bond verantwortlichen MGM-Filmstudios und hat seit Februar 2025 die komplette Macht im Bond-Universum. Das frühere Führungsduo Barbara Broccoli und Michael G. Wilson schied damals im Streit über die künftige Ausrichtung des Franchise aus. Mit dem Abgang dieser Kreativgrößen scheint Bond endgültig seine Seele verloren zu haben. Der endlose Casting-Prozess entlarvt, wie wenig Amazon von der Marke Bond versteht. Neuer James-Bond-Darsteller: Bald soll er feststehen Bond-Kandidaten im Check: Wer dieser (00)7-Anwärter wird es? Das über sechs Jahrzehnte gepflegte 007-Imperium wirkt inzwischen wie ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit. Amazon hoffte offenbar – ähnlich wie Disney im Jahr 2012 bei Lucasfilm mit "Star Wars" – auf ein gewinnbringendes Geschäft: Der Tech-Gigant kaufte eine weltweite Erfolgsmarke und wollte sie mit zahlreichen Ablegern, Serienformaten und Kinoproduktionen in die Zukunft führen. Allein das wäre kritikwürdig genug: Bond-Freizeitparks, 007 im Fernsehen oder die Kindheitsgeschichte des berühmten Geheimagenten, erzählt in einer rührseligen Kinoadaption. All das würde nur den eigentlichen Kern, den der britische Schriftsteller Ian Fleming 1953 mit seinen Romanen über den Agenten mit der Lizenz zum Töten erschuf, verwässern. Bisher gelingt den neuen Rechteinhabern gar nichts. Amazon ist nicht einmal in der Lage, einen neuen Hauptdarsteller zu engagieren. Seit Jahren wabern unzählige Namen als potenzielle Bond-Anwärter durch die Medien. Mittlerweile ist die Neugierde auf einen Nachfolger dem Ärger darüber gewichen: Fans sehnen sich danach, dass die Geheimniskrämerei, das ermüdende Geraune endlich ein Ende hat. Es mutet daher wie ein schlechter Witz an, was die für den neuen Bond-Film zuständige Produzentin Amy Pascal in dieser Woche verkündete. Nach jahrelanger Wartezeit stellte sie einen neuen Bond-Darsteller in Aussicht: "Ich würde sagen, Ende des Jahres ist ein realistischer Zeitrahmen." Ist die Datenanalyse der Grund für die Verzögerung? Nicht nur die vage Formulierung, auch die Prognose ist ein Schlag ins Gesicht aller Bond-Fans. Wenn man dem Konjunktiv der Produzentin Glauben schenkt, wären das seit der Amazon-Übernahme mehr als vier Jahre 007-Vakuum. Einige der einst aussichtsreichsten Kandidaten auf den Job als Doppelagent sind mittlerweile aus dem vorgegebenen Idealalter – der neue Bond solle zwischen Ende 20 und Anfang 30 sein – heraus: Tom Hardy geht langsam auf die 50 zu, James Norton ist 41, Henry Cavill 43 Jahre alt. Wenn das so weitergeht, hat Amazon einer ganzen Generation vielversprechender Bond-Stars den Weg versperrt. Offenbar scheint es dem Konzern wenig auszumachen, auf die Kinoeinnahmen zu verzichten. Dabei übersieht Amazon aber etwas Entscheidendes: Je mehr Jahre ungenutzt ins Land gehen, umso mehr sinkt das Interesse an James Bond . Ein Teil des Erfolgs bestand immer darin, dass es sich bei 007 um eine verlässliche Filmreihe handelte. Anfangs jährlich, später dann in regelmäßigem Takt: Die Geschichten um die Abenteuer des MI6-Agenten hatten Tradition. Zuverlässig spülten sie Geld in die Kinokassen und vergnügten die Massen. Warum Amazon dieses Risiko eingeht, darüber kann nur spekuliert werden. Es liegt nahe, dass ein Techkonzern Daten analysiert und die Erkenntnisse aus den Algorithmen mindestens genauso wichtig sind wie die der britischen Casting-Direktorin Nina Gold. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Amazon könnte den Prozess also genau deshalb derart vage inszenieren. So tröpfeln Monat für Monat neue Daten aus der Gerüchteküche – und lassen am Ende den vermeintlich perfekten Bond daraus erwachsen. Angesichts der Datensucht von Amazon würde es niemanden verwundern, wenn sich in zwei Jahren ein KI-Klon mit den Worten "Mein Name ist Bond, James Bond" auf der Leinwand vorstellte. Der berühmteste Geheimagent der Filmgeschichte hat schon viele Attacken abgewehrt: von trickreichen Bösewichten und zwielichtigen Verrätern. Aber dieser Schuss aus den eigenen Reihen würde nach hinten losgehen. Es wäre das endgültige Ende einer ehrwürdigen Ära.
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