Grundsteuer: In diesen Städten wurde sie dieses Jahr deutlich teurer
In Dutzenden Städten ist die Grundsteuer 2026 deutlich gestiegen. Eine exklusive Auswertung des Bundes der Steuerzahler zeigt, wo Eigentümer und Mieter jetzt mehr bezahlen. Die Reform der Grundsteuer war mit einem politischen Versprechen verbunden: "Aufkommensneutral" sollte sie sein. Kommunen sollten unterm Strich also nicht mehr Geld einnehmen als zuvor, lediglich die individuellen Belastungen der Bürger sollten sich untereinander verschieben dürfen. Diese Zusage galt allerdings nur für den Moment der Umstellung, eine dauerhafte Obergrenze ist sie nicht. Funktioniert hat aber auch das schon kaum. In vielen Bundesländern ist die Grundsteuer bereits 2025 gestiegen. Ob eine Stadt mehr oder weniger Grundsteuer kassiert, hängt maßgeblich vom sogenannten Hebesatz ab . Und den kann jede Kommune von Jahr zu Jahr selbst neu festlegen. Welche Entscheidungen die Städte und Gemeinden bei der Grundsteuer für 2026 getroffen haben, hat sich der Bund der Steuerzahler (BdSt) angeschaut. Für seine Kommunaldatenbank 2026 hat der Verband 200 größere Städte untersucht und die Ergebnisse t-online exklusiv zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis dürfte viele Haushalte ärgern. Öfter als gedacht: Diese Grundsteuer-Pflicht kennen die wenigsten Ungerecht für Eigentümer? Bundesfinanzhof lehnt Klagen gegen Grundsteuerreform ab Mehr als jede vierte Stadt erhöht den Hebesatz In 56 der 200 untersuchten Städte – also in mehr als einem Viertel – ist der Hebesatz der Grundsteuer für 2026 gestiegen. Ein Bundesland sticht dabei heraus. In Nordrhein-Westfalen hat fast jede zweite untersuchte Stadt erhöht (39 von 79, rund 49 Prozent). Zum Vergleich: In Bayern liegt die Quote bei rund 24 Prozent (4 von 17), in Niedersachsen bei rund 19 Prozent, in Baden-Württemberg bei knapp 18 Prozent. In mehreren ost- und westdeutschen Ländern – darunter Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz – gab es in der Stichprobe dagegen keine einzige Anhebung. Diese Städte erhöhen 2026 am stärksten Bei den prozentualen Sprüngen liegt Meerbusch in Nordrhein-Westfalen vorn: Der Hebesatz klettert von 425 auf 680 Prozent – eine Steigerung um 60 Prozent. Dahinter folgt Dinslaken, wo der Hebesatz von 648 auf 998 Prozent springt (plus 54 Prozent). In beiden Städten ist die Grundsteuer damit innerhalb eines Jahres erheblich gestiegen. Insgesamt zählt der Bund der Steuerzahler 17 Städte, in denen die Grundsteuer 2026 um mindestens ein Viertel gestiegen ist. In 26 Städten sind die Hebesätze um 100 und mehr Prozentpunkte gestiegen (siehe Grafik). Der Blick auf die stärksten Erhöhungen zeigt zudem das bemerkenswert einseitige Bild: Fast alle Städte liegen in Nordrhein-Westfalen – einzige Ausnahme ist Ingolstadt in Bayern. Besonders drastisch fallen die Werte im Ruhrgebiet aus, wo mehrere Großstädte kräftig anziehen. In Lüdenscheid , Duisburg und Unna liegt der Hebesatz inzwischen sogar über 1.000 Prozent. Wo die Bürger am meisten zahlen und wo am wenigsten Weil ein hoher Hebesatz allein aber noch nichts über die tatsächliche Belastung aussagt, vergleicht der BdSt zusätzlich das geplante Pro-Kopf-Aufkommen – also die Grundsteuer-Einnahmen einer Stadt, umgelegt auf jeden Einwohner. Am höchsten liegt es 2026 in Darmstadt mit rund 411 Euro pro Kopf, gefolgt von Witten (369 Euro) und Rüsselsheim am Main (350 Euro). Unter den Spitzenreitern finden sich fast ausschließlich Städte aus Hessen und wiederum Nordrhein-Westfalen. Am unteren Ende der Skala stehen fast durchweg ostdeutsche Städte. Das niedrigste Pro-Kopf-Aufkommen hat Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 95 Euro, gefolgt von Jena (110 Euro), Weimar (118 Euro) und Gera (122 Euro). Für die Bürger dort ist die Grundsteuer damit im Schnitt rund viermal niedriger als in Darmstadt. Grundsteuer C ist bisher ein Randphänomen Wenn hier von "Grundsteuer" die Rede ist, geht es streng genommen um die sogenannte Grundsteuer B, also die Steuer für bebaute und unbebaute Grundstücke des privaten oder gewerblichen Grundvermögens. Das "B" grenzt sie von der Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Flächen ab. In der Kommunaldatenbank betrachtet der Bund der Steuerzahler ausschließlich die Grundsteuer B für Wohngrundstücke, nicht für Gewerbegrundstücke. Neu ins Spiel gebracht hat die Reform zudem die sogenannte Grundsteuer C, ein Sonderhebesatz auf unbebaute, aber baureife Grundstücke, den Gemeinden optional verlangen können. Damit sollen Kommunen gegen Spekulation vorgehen und Bauen attraktiver machen. Bislang nutzen das aber nur wenige. Von den 200 untersuchten Städten erheben laut BdSt lediglich vier eine Grundsteuer C – Hamburg , Tübingen und Aalen (beide Baden-Württemberg) sowie Kleve in NRW. Den mit Abstand höchsten Sonderhebesatz hat Hamburg mit 8.000 Prozent. Der Bund der Steuerzahler sieht in den Erhöhungen vor allem ein Symptom klammer kommunaler Kassen. Die Botschaft des Verbands: Bund und Länder müssten die Städte, Gemeinden und Landkreise endlich angemessen finanzieren, sonst bleibe die Grundsteuer der bequemste Hebel, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Und den zahlen am Ende Eigentümer wie Mieter gleichermaßen.
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