Ölpreis steigt: Saudi-Arabien schaltet Pipeline ab, Huthis rücken vor
Drohnen attackieren eine strategische Leitung in Saudi-Arabien. Das Königreich zieht weitreichende Konsequenzen – mit Folgen für Verbraucher in Deutschland. Nach Drohnenangriffen auf die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina hat Saudi-Arabien die strategisch wichtige Leitung vorsorglich abgeschaltet. Das teilte das Energieministerium über die staatliche Nachrichtenagentur SPA mit. Zeitgleich hat die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz nach eigenen Angaben die vollständige Kontrolle über die jemenitische Küste am Roten Meer übernommen. Bei dem Angriff auf die Pipeline seien mehrere Menschen verletzt worden, teilte das saudische Außenministerium mit. Die Drohnen sollen aus dem Irak gestartet worden sein, wo mehrere vom Iran unterstützte Milizen operieren. Wer für den Angriff verantwortlich ist, sagte das Ministerium nicht. Wichtige Pipeline quer durch Saudi-Arabien getroffen Die mehr als 1.200 Kilometer lange Pipeline verbindet den Persischen Golf mit dem Roten Meer und hat seit Beginn des Iran-Kriegs an Bedeutung gewonnen. Seit Ende Februar ist die Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus faktisch blockiert. Nach einer ersten Analyse seien Pumpstationen neben der Pipeline getroffen worden, wie CNN unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichtete. Satellitenbilder zeigten Brände zeigen. Ob die Pipeline selbst beschädigt wurde, ist unklar. Die Leitung soll bereits Ende Juli vom Irak aus attackiert worden sein. Das Energieministerium erklärte, es seien Maßnahmen getroffen worden, um die Pipeline zu sichern. Saudi-Arabien ist nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. Das Land fördert rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag. 20 Prozent zum Jahreswechsel : Verivox rechnet mit deutlichem Gaspreisanstieg Auswirkungen für Welthandel: Huthi übernehmen wichtige Orte am "Tor der Tränen" Ölpreis steigt deutlich Der Ölpreis ist infolge der Entwicklungen deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent näherte sich am Freitag zeitweise der Marke von 110 US-Dollar . Vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar hatte der Preis noch bei etwa 70 Dollar gelegen. Der Analyst Hamad Hussain von Capital Economics rechnet damit, dass der Ölpreis in Richtung 120 Dollar pro Barrel steigen könnte. Das genaue Ausmaß hänge auch vom Schaden an der Pipeline ab, sagte er dem "Wall Street Journal". In den USA kletterte der durchschnittliche Dieselpreis erstmals über sechs Dollar – ein Umstand, der US-Präsident Donald Trump vor den anstehenden Zwischenwahlen unter Druck setzen dürfte. Huthi übernehmen Rotmeer-Küste Nach einer einwöchigen Offensive mit Hunderten Toten haben die Huthi nach eigenen Angaben auch die letzten beiden Inseln in der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen, Groß- und Klein-Hanish. Zuvor hatten sie bereits die strategisch bedeutende Insel Mayun sowie die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht. "Alles, was an der Westküste noch unter unserer Kontrolle war, ist gefallen", zitierte die Nachrichtenagentur AFP einen Militärvertreter der Gruppe. Der Huthi-Sprecher Yahya Saree erklärte, die Durchfahrt durch die Meerenge sei für alle Schiffe sicher – mit Ausnahme saudischer Tanker. Der Berater des iranischen Machthabers Mojtaba Khamenei, Mohammad Mokhber, gratulierte den Huthi zu ihrem "durchschlagenden Sieg". Zange um Saudi-Arabien schließt sich Mit der Huthi-Offensive verschärft sich die Lage für Saudi-Arabien: Im Osten blockiert der Iran die Straße von Hormus, im Westen blockieren die Huthis die Passage durch Bab al-Mandab. Der Nahost-Experte Farea Al-Muslimi vom Thinktank Chatham House sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Iran kontrolliere damit "nicht nur die Straße von Hormus, sondern auch den anderen wichtigsten Engpass im Nahen Osten". Als Ausweichroute bliebe nur der Suezkanal, was den Transport um mehrere Wochen verlängern würde. Die aktuelle Eskalation geht auf einen Vorfall im Juli zurück: Riad verweigerte einem iranischen Flugzeug mit hochrangigen Huthi-Vertretern, die von der Beerdigung des früheren iranischen Machthabers Ali Khamenei zurückkehrten, die Landung in Sanaa. Die Huthi reagierten mit Angriffen auf saudische Tanker im Roten Meer und weiteten diese später auf saudische Energieanlagen aus; Saudi-Arabien und seine jemenitischen Verbündeten antworteten mit Luftschlägen und Bodenoffensiven. Die Auseinandersetzungen im Jemen haben nach Angaben beider Konfliktparteien bereits mehr als 500 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration wurden zudem rund 46.000 Menschen vertrieben. Saudi-Arabien bittet USA um Luftschläge Angesichts des Huthi-Vormarsches hat Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump nach Angaben von US-Regierungsvertretern am Donnerstag zweimal angerufen. Wie der Nachrichtendienst "Axios" berichtet, bat er dabei um US-Luftschläge gegen die Miliz. Trump lehnte demnach ab, die US-Regierung habe derzeit keine Pläne für ein direktes militärisches Eingreifen. Die USA wollen Saudi-Arabien stattdessen mit Aufklärung und Zieldaten unterstützen. Rund 200 US-Militärangehörige leisten bereits nicht-militärische Unterstützung im Land. Admiral Brad Cooper, Kommandeur des US-Zentralkommandos, reiste am Donnerstag zu Krisengesprächen nach Saudi-Arabien. Der Irak hat nach Angaben des Büros des Ministerpräsidenten einen Militärkommandeur abgesetzt. Untersuchungen hätten ergeben, dass die jüngsten Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien von irakischem Gebiet ausgegangen seien. Der Kommandeur war der Mitteilung zufolge bislang für Einsätze in der südirakischen Provinz Maysan zuständig. Als Vorsichtsmaßnahme wurde außerdem der Grenzübergang Schalamtscheh zum Iran geschlossen. Das sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit laufe ein groß angelegter Einsatz, um die Täter zu fassen.
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