Textiles Brauchtum: Filigrane Spitze unter Tage: Annaberg als Klöppel-Hauptstadt
Mit Draht statt Faden: In einem ehemaligen Bergwerksstollen entsteht Spitze, die an kostbares Silber erinnert. Was es damit auf sich hat.
Einst trotzten Bergmänner dem Fels Silber und Kobalt ab, nun fahren fingerfertige Frauen mit Klöppelsack ins Bergwerk ein. Bevor am Wochenende in Annaberg-Buchholz zum 37. Mal die Klöppeltage gefeiert werden, geht es diesen Freitag in den Markus-Röhling-Stolln zum Klöppeln unter Tage. Damit werde die jahrhundertealte Bergbautradition mit der im Erzgebirge ebenfalls weit verbreiteten Handarbeitstechnik des Klöppelns verbunden, sagt die Leiterin des Kulturzentrums Erzhammer, Kristin Baden-Walther.
Daher frönen die Teilnehmerinnen des Klöppelkurses ihrem Hobby nicht nur an ungewöhnlichem Ort - der Maschinenkammer des einstigen Bergwerks. Sie greifen auch zu besonderem Material. Denn statt mit Fäden wird unter Tage mit Draht geklöppelt, wie Baden-Walther erklärt. Die Silberoptik des Drahtes erinnere an das Erz, das einst über Jahrhunderte hier abgebaut wurde.
Klöppeln im Erzgebirge weit verbreitet
Das Erzgebirge ist ein Hotspot des Klöppelns in Deutschland. Schon seit mehr als 460 Jahren werden auf diese Weise filigrane Spitzen per Hand gefertigt. Mehr als 15.000 aktive Klöpplerinnen und Klöppler gibt es den Angaben nach heute in der Region. „In jedem Ort im Erzgebirge wird geklöppelt“, erklärt Baden-Walther. „Das wird bis heute von Generation zu Generation weitergegeben.“ Außerdem gibt es in der Region gleich drei Klöppelschulen, eine davon in Annaberg-Buchholz selbst.
Dort dreht sich am Wochenende alles um diese besondere Handarbeitstechnik. Geboten werden Schauvorführungen, Ausstellungen, Modenschauen und eine spezielle Stadtführung. Zudem werden die Gewinner des Wettbewerbs „GRUNDverschieden“ gekürt. Zu den Klöppeltagen werden Interessierte nicht nur aus dem Erzgebirge selbst erwartet, sondern auch aus anderen Regionen Deutschlands und dem Ausland.
Annaberger Klöppeltage Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln
