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Morgenstern: Falsche Fährten und Detektivspiele in Magdeburg

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In Sachsen-Anhalt wird ermittelt, in Österreich auch, in Berlin dafür gesungen. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie was? Ich habe mich dabei ertappt, dass die Diskussionen um die mysteriösen Stimmen für Tobias Rausch, den AfD-Mann, der jetzt Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt ist, angefangen haben, mir Spaß zu machen. Weil es nun quasi eine Detektivgeschichte ist. Da werden gerade hinter den Kulissen die Verdächtigen befragt, Indizien gesammelt, rechnerische Wahrscheinlichkeiten summiert und falsche Fährten gelegt. Man wartet nur noch auf Hercule Poirot, der alle Beteiligten in einem Raum versammelt und am Ende schlüssig erklärt, warum es der Gärtner war. 

Allerdings gibt es keinen Abgeordneten mit dem Namen Gärtner, und diesen Beruf übt auch keiner der 15 CDU-Abgeordneten aus. Aber, wie nicht nur Kanzler Friedrich Merz andeutete: Könnten die Stimmen nicht auch von einer anderen Partei kommen, eine „False-Flag-Operation“, um die CDU zu spalten? Votierte etwa die SPD für den AfD-Kandidaten, bloß um der Union eins auszuwischen? Ist das eine Vermutung, die ein Kanzler öffentlich äußern sollte? Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Aber so unterhaltsam das Spekulieren in diesem Detektivfall, der keiner ist, sein mag – er macht eines deutlich: Es ist leichter, sich über diese Randnotizen Gedanken zu machen – über Vorgänge in einer Partei, die noch das Konzept Verantwortung kennt – als über die Tatsache, dass da nun ein AfD-Politiker Landtagspräsident ist. Der über das ganze Hickhack gerade vermutlich nur hämisch lachen kann. Die AfD in einer Machtposition, das ist viel schwerer zu greifen, viel unheimlicher, als Thema viel schmerzhafter. Aber vielleicht sollten wir unseren Fokus trotzdem eher auf dieses Problem, das große Problem, legen. Und auch von dieser Partei unnachgiebig Rechenschaft einfordern.

Für die Demokratie: Aufstehen!

Entschuldigen Sie bitte, dass das hier heute schon wieder so politisch wird, aber das finde ich jetzt wichtig. Danach wird's hier bunter, versprochen!

Aber Sie haben sich ja vielleicht auch schon gefragt, wie man selbst ein Zeichen setzen könnte für die Demokratie und gegen Rechts. Ein Beispiel liefert Boris Pistorius: Aufstehen und die Nationalhymne singen. Muss nicht melodisch sein – nur ernst gemeint. Diese Geste hat mich tatsächlich seltsam berührt, obwohl ich aus einer Generation komme, die mit nationaler Symbolik so gar nichts anfangen kann und selbst über Flaggen während der Fußball-WM die Nase gerümpft hat. Allerdings sang Pistorius ja nicht einfach, um unser Land abzufeiern, sondern um an dessen grundlegende Fundamente zu erinnern. Und er machte sich damit verletzlich – stellen Sie sich mal als Nicht-Profi öffentlich hin und schmettern die Nationalhymne. Muss man wirklich wollen. Generell steht etwas würdevolle Ernsthaftigkeit der Politik ganz gut, aber das ist nur meine Meinung.

5-Minuten-Talk: Eine saubere Linke?

In Berlin prüfen SPD und Grüne noch immer, ob sie mit der Linkspartei über ein Bündnis überhaupt verhandeln wollen. Hätte Wahlsiegerin Elif Eralp da selbst viel früher für Klarheit sorgen müssen? Das diskutieren die stern-Politikchefs Jan Rosenkranz und Veit Medick:

Sichere Urlaubsziele

Erst gestern las ich im Internet, wie Menschen über die schlimmsten Reiseziele diskutierten, die sie je besucht haben. Zumindest in diesem Fall landete leider ausgerechnet Kairo ganz oben auf der Liste, auf der niemand stehen möchte – was mich betrübt, da ich die Stadt eigentlich gern irgendwann noch mal sehen möchte. Jetzt bin ich mir unsicher, ob ich das wirklich möchte. 

Aber abgesehen davon, ob der Aufenthalt an einem Ort angenehm ist, ist ein anderer, wichtigerer Punkt ja die dortige Sicherheit. Und prompt hat mein Kollege Niels Kruse dazu die neusten Daten gefunden und aufgeschrieben:

Indonesien kommt hier auf der entsprechenden Weltkarte immerhin hellgelb weg, was ich so abnicken würde. Wobei die Chance, dass jemand hier einem Touristen aktiv schaden wollen würde, nah bei null liegt. Ich habe bisher ausschließlich höfliche, sehr hilfsbereite und sehr freundliche Menschen getroffen. Aber die Chance, in einem massiven Schlagloch auf dem bröckelnden Gehweg zu stolpern, irgendwann von einer nicht-TÜV-geprüften Brücke zu fallen oder den Fehler zu machen, das Leitungswasser zu trinken – definitive Sicherheitsrisiken. Naja, neben Vulkanausbrüchen und Erdbeben.

Weitere Schlagzeilen im Überblick

Das passiert am Donnerstag, dem 8. Oktober

  • Bekanntgabe des Nobelpreises für Literatur
  • Bundeskanzler Merz empfängt den Premierminister Großbritanniens, Andrew Burnham
  • Verleihung des Demokratiepreises „Württemberger Köpfe 2026“ an Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung

Unsere stern-Empfehlung des Tages

Vielleicht haben Sie die Meldung am Rande mitbekommen und kurz eine Augenbraue angehoben: In Österreich wurde ein Helikopter gestohlen. Und zwar nicht irgendwem, sondern dem ehemaligen Olympiasieger im Skispringen, Thomas Morgenstern. Das ist schon eine aufsehenerregende Geschichte, vor allem, da die österreichische Flugsicherheit hier augenscheinlich nicht aktiv wird. Noch immer sind die Diebe nicht gefasst. 

Eine Geschichte, die viel interessanter ist, als dass sie in eine bloße Nachrichtenmeldung passen würde. Meine Kollegin Sophia Grabendorfer hat deshalb das einzig Richtige getan – und mit Morgenstern selbst über den spektakulären Heli-Diebstahl gesprochen. „Ich habe den ganzen Vormittag gedacht, ich bin bei ,Verstehen Sie Spaß‘ mit versteckter Kamera. Ich bin dann zum Flugplatz und habe geschaut, ob da irgendwo versteckte Kameras sind“, erinnert er sich an den Tag – nachvollziehbar. Ein Interview, dass ich Ihnen nicht nur ans Herz lege, weil der Protagonist diesen hübschen Nachnamen trägt:

Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: wiebke.tomescheit@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag! 

Wiebke Tomescheit-Bösenberg







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