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Октябрь
2026

Patrick Stewart ist tot – der Mensch hinter Captain Picard

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Als Captain Picard begleitete Patrick Stewart mich seit meiner Kindheit. Doch er konnte weit mehr als den souveränen Sternenflottenkapitän. Ein persönlicher Nachruf. In der "Star Trek"-Folge "Das Standgericht" gerät ein Besatzungsmitglied wegen seiner Herkunft unter Verdacht. Aus einer Untersuchung wird eine Jagd auf vermeintliche Feinde. Stewarts Captain Picard widerspricht – und muss bald selbst seine Loyalität rechtfertigen. "Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet", zitiert er einen Richter. Eine Warnung vor den ersten Eingriffen in die Freiheit. Mich beschäftigt heute besonders, wie die Verfolger dabei vorgeben, ihre Gesellschaft zu schützen. Patrick Stewart machte Picards Widerstand glaubwürdig. Man nahm diesem Mann ab, dass er auch dann widersprechen würde, wenn es ihn selbst etwas kostete. Der britische Schauspieler starb am 28. Oktober in Los Angeles. Er wurde 86 Jahre alt. Er hinterlässt Figuren, denen man vertrauen wollte, und solche, vor denen man sich fürchtete. Menschen voller Würde, aber auch voller Wut oder Unsinn. "Ich bin nahe dran, sehr nahe": So sprach Patrick Stewart über den Tod "Captain Picard": Hier lernten sich Patrick Stewart und seine Frau kennen Ich war acht Ich war acht Jahre alt, als ich "Star Trek" kennenlernte. Bei Bekannten oder den Eltern von Freunden lief gelegentlich eine Folge. Menschen in merkwürdigen Uniformen bewegten sich durch ein Raumschiff mit einer riesigen Untertasse. Andere waren als Außerirdische geschminkt. Diese Menschen flogen ins Unbekannte, begegneten fremdem Leben und erlebten Abenteuer. Ich verstand vieles nicht. Aber ich wollte mehr davon sehen. Erst später beeindruckte mich, wie Picard mit anderen umging. Er hörte seinen Offizieren zu und ließ sich widersprechen. Sein "Machen Sie es so" klang für mich auch nach Vertrauen. Stewart gab selbst langen Gesprächen Spannung. Man wollte wissen, wie dieser Mann entscheiden würde. Lange vor der "Enterprise" Stewart wurde 1940 in Mirfield in Yorkshire geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater schlug seine Mutter. Die Angst zu Hause gehörte zu seiner Kindheit. Später engagierte er sich gegen häusliche Gewalt und für traumatisierte Veteranen. Als er vom Kriegstrauma seines Vaters erfuhr, veränderte sich sein Blick auf ihn. Die Gewalt gegen seine Mutter entschuldigte er damit nicht. Ein Englischlehrer hatte ihm den Zugang zu Shakespeare eröffnet. 1966 kam Stewart zur Royal Shakespeare Company, einem der bedeutendsten britischen Theaterensembles. Als er 1987 erstmals Picard spielte, stand er schon seit Jahrzehnten auf der Bühne. Dorthin kehrte er auch nach seinem Fernseherfolg zurück. In seiner Fassung von Dickens’ "Eine Weihnachtsgeschichte" spielte er sämtliche Figuren selbst: den Geizhals Scrooge, die Geister und die Menschen um ihn herum. Ich habe ihn nie in einer Shakespeare-Aufführung erlebt. Das bedauere ich. Er konnte auch anders Die Gelassenheit seines Captains brachte Stewart zunächst keineswegs mit ans Set. In seinen Erinnerungen schilderte er, wie ihn das Herumalbern der Kollegen bei den frühen "Star Trek"-Dreharbeiten störte. Als eine Mitspielerin erklärte, Spaß müsse sein, hielt er dagegen: Dafür sei man nicht hier. Die anderen lachten. Stewart zog sich wütend zurück. Jonathan Frakes (Commander William T. Riker) und Brent Spiner (als Android Lieutenant-Commander Data), zwei seiner wichtigsten Mitspieler, erklärten ihm, weshalb seine Belehrungen nicht halfen. Später erzählte Stewart selbstkritisch davon. Dabei konnte er selbst ausgesprochen albern und unverschämt sein. In der Zeichentrickserie "American Dad!" sprach er einen selbstverliebten, vulgären CIA-Mann. Stewart genoss die Freiheit, mit dieser Figur jede vornehme Zurückhaltung abzulegen. Auch seine souveränen Figuren bekamen Risse. Mit ungefähr zwölf sah ich den Kinofilm "Der erste Kontakt". Danach hatte mich "Star Trek" endgültig. Ausgerechnet in diesem Film verliert Picard jene Beherrschung, die ich im Laufe der Jahre so an ihm schätzen lernte. Seine Feinde hatten ihn einst gezwungen, ihrem Willen zu folgen. Nun will er Vergeltung. Eine Frau vergleicht ihn mit Kapitän Ahab, der in "Moby Dick" seine Mannschaft aus Hass auf den weißen Wal ins Verderben führt. Stewart zeigte, wie aus Entschlossenheit Besessenheit werden kann. 1998 spielte er Ahab tatsächlich. Auch diese Rolle blieb mir im Gedächtnis. Wenn der starke Mann Hilfe braucht Als Professor Charles Xavier in den "X-Men"-Filmen erreichte Stewart ab 2000 ein weiteres großes Publikum. Wieder spielte er einen klugen Ratgeber. In "Logan" von 2017 ist von dessen Souveränität wenig geblieben: Xavier ist krank, verwirrt und zornig. Der Mann, der anderen Halt gab, braucht selbst Fürsorge. Stewart machte diese Hilflosigkeit für den Zuschauer schwer erträglich. Xavier brauchte Zuwendung, doch seine Verwirrung und sein Zorn erschwerten jede Nähe. 2023 schrieb ich nach der letzten Staffel von "Star Trek: Picard" einen Abschiedstext . Die alte Mannschaft hatte noch einmal zusammengefunden. Ich verabschiedete mich von einer Figur, die mich lange begleitet hatte. Als ich jetzt von Stewarts Tod erfuhr, war mein erster Gedanke: Bitte nicht. Diesmal gilt der Abschied dem Schauspieler. Dem Briten, der einen französischen Captain spielte – im Original mit unverkennbar britischem Akzent. Dem Mann, der mich diesem Captain vertrauen ließ und der so viel mehr spielen konnte als jemanden, dem man vertraut. Adieu, mon Capitaine!




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